Lufthansa geht mit zusätzlichen operativen Einschränkungen und einem ungelösten Tarifkonflikt auf die nächsten Geschäftszahlen zu. Am Freitag verschob der Konzern die Wiederaufnahme seiner Dubai-Flüge wegen der angespannten Lage im Nahen Osten. Zugleich brachte die Piloten-Schlichtung keinen bindenden Spruch. Für Anleger rückt damit die Frage in den Mittelpunkt, wie belastbar die Ergebnisentwicklung angesichts dieser Unsicherheiten ist.
Dubai-Rückkehr verzögert sich
Laut Reuters plant die Lufthansa Group die Wiederaufnahme der Dubai-Verbindungen nun für den 25. November. Lufthansa und SWISS sollten ursprünglich heute starten, Eurowings am 1. November. Betroffene Fluggäste können flexibel umbuchen oder eine vollständige Erstattung erhalten.
Die Verschiebung betrifft damit die kurzfristige Flugplanung mehrerer Konzerngesellschaften. Sie steht zugleich im Kontrast zum Ausbauprogramm für den kommenden Sommer: Während die Gruppe neue Verbindungen vorbereitet, begrenzt die Lage im Nahen Osten zunächst das Angebot nach Dubai.
Am Dienstag stellte Lufthansa den Sommerflugplan 2027 mit zehn neuen Interkontinentalverbindungen und zahlreichen Frequenzerhöhungen vor. Das Unternehmen bezeichnete dies als umfangreichste Programmerweiterung seit 2020. Lufthansa plant dabei neue Direktverbindungen ab Frankfurt und München.
Für Anleger sind diese unterschiedlichen Zeithorizonte entscheidend: Die angekündigte Expansion ist eine Perspektive für das kommende Sommergeschäft. Sie ändert nichts an der jetzt verschobenen Rückkehr nach Dubai.
Tarifgespräche bleiben ohne Abschluss
Auch beim Konflikt mit der Vereinigung Cockpit fehlt eine abschließende Lösung. Reuters berichtete am Freitag, dass die Schlichtung ohne bindenden Schlichterspruch endete. Die Schlichter gaben Empfehlungen für weitere Gespräche ab.
Gegenstand waren die betriebliche Altersversorgung und anstehende Gehaltsverhandlungen für rund 5.000 Piloten der Lufthansa-Kernmarke und Lufthansa Cargo. Nach einem Bericht des Handelsblatts läuft eine breitere Mediation weiter; ein zeitnaher Streik droht demnach derzeit nicht.
Damit bleibt der Tarifkonflikt ein Unsicherheitsfaktor, ohne dass daraus unmittelbar eine neue Streikgefahr folgt. Den Kursrückgang vom Freitag allein auf die erfolglose Schlichtung zurückzuführen, wäre deshalb eine zu eindeutige Erklärung.
Geschäftszahlen sollen Klarheit bringen
Der nächste zentrale Finanztermin ist der 3. November. Dann veröffentlicht die Lufthansa Group ihren dritten Zwischenbericht mit den Ergebnissen der ersten neun Monate 2026. Der Bericht wird damit zum nächsten konkreten Anhaltspunkt für die wirtschaftliche Entwicklung des Konzerns.
JPMorgan beließ die Einstufung am Mittwoch auf „Neutral“ und das Kursziel bei 7 Euro. Analyst Harry Gowers verwies auf höhere Treibstoffkosten. Unsicher sei, ob höhere Ticketpreise diese ausgleichen könnten.
Diese Kostenfrage ist für die Bewertung der Ergebnisentwicklung wesentlich. Die angekündigten Streckenerweiterungen allein beantworten noch nicht, wie sich zusätzliche Erlösmöglichkeiten und Belastungen im Ergebnis niederschlagen.
UBS bestätigte dagegen am 19. Oktober die Kaufempfehlung mit einem Kursziel von 10 Euro. Analyst Jarrod Castle sah mögliche Vorteile aus der angekündigten TAP-Beteiligung: eine breitere geografische Aufstellung sowie mögliche Effekte für Wartung und Luftfracht. Auch er nannte die Neunmonatsergebnisse als nächsten Kurstreiber. Damit treffen kurzfristige Kostenrisiken auf längerfristige strategische Chancen.
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