Michael O’Leary wird nicht müde, die Konkurrenz zu provozieren. Der Ryanair-Chef prophezeit nun offen, welche Fluggesellschaften Europas Himmel künftig noch beherrschen sollen — und Lufthansa gehört in seiner Rechnung zu den Gewinnern.
Steigende Kerosinpreise als Sortiermaschine
O’Leary erklärte, Ryanair werde trotz steigender Kerosinpreise keinen Treibstoffzuschlag einführen. Die etablierten Airlines, die „legacy guys“, würden diesen Schritt im kommenden Sommer dagegen kaum vermeiden können. Der Grund: Viele Fluggesellschaften hätten sich mit Treibstoff-Hedges nur bis Sommer 2026 abgesichert, danach drohe der volle Preisdruck durchzuschlagen.
Für O’Leary ist das kein Problem, sondern eine Chance. Er hofft sogar auf weiter steigende Ölpreise, weil sie schwächere Wettbewerber aus dem Markt drängen würden. Nach seiner Einschätzung bleiben am Ende nur vier große Airlines übrig: British Airways, Air France, Ryanair selbst — und Lufthansa.
Solche Aussagen eines Konkurrenten sind naturgemäß mit Vorsicht zu genießen, schließlich verfolgt Ryanair mit dieser Konsolidierungsthese auch eigene strategische Interessen. Trotzdem trifft die Prognose einen wunden Punkt der Branche: Wer sich nicht rechtzeitig gegen Treibstoffrisiken absichert oder strukturell zu teuer produziert, gerät bei steigenden Ölpreisen schnell unter Druck.
Zwischenfall in Düsseldorf sorgt für Kursausschlag
Parallel zur Konsolidierungsdebatte sorgte ein Vorfall bei der Lufthansa-Tochter Eurowings für Bewegung im Kurs. Eine Maschine mit 144 Passagieren an Bord musste nach dem Start in Düsseldorf wegen leichter Rauchentwicklung umkehren und landete rund zwölf Minuten später sicher wieder auf dem Heimatflughafen. Zwei Passagiere wurden vorsorglich in umliegende Krankenhäuser gebracht, der Flugverkehr in Düsseldorf war kurzzeitig unterbrochen.
Eurowings betonte, die Sicherheit der Passagiere sei zu keinem Zeitpunkt gefährdet gewesen. Die Maschine wird derzeit technisch untersucht. Der Kurs reagierte im Tagesverlauf uneinheitlich auf die Nachrichtenlage rund um den Vorfall — ein Muster, das bei sicherheitsrelevanten Einzelereignissen ohne strukturelle Folgen für gewöhnlich schnell wieder verpufft.
Die eigentliche Story für Lufthansa-Anleger bleibt jedoch die Preisentwicklung bei Kerosin. Sollte sich O’Learys Einschätzung bestätigen und die etablierten Airlines im kommenden Sommer tatsächlich zu Treibstoffzuschlägen greifen, dürfte sich zeigen, wie stark Lufthansa ihre Kostenstruktur im Vergleich zu schwächeren Wettbewerbern verteidigen kann.
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