Lufthansa könnte beim Einstieg in TAP Air Portugal gegenüber Air France-KLM zum Zug kommen. Reuters berichtete gestern auf Grundlage von SIC-Quellen, dass der Konzern den Zuschlag für den Kauf einer Beteiligung von 44,9 % erhalten soll. Die portugiesische Regierung sollte ihre Auswahl heute bekannt geben. Ein offizieller Zuschlag ist damit noch nicht bestätigt.
Barangebot als Unterschied zum Wettbewerber
Nach dem Reuters-Bericht bot Lufthansa vollständig in bar. Air France-KLM legte dagegen ein Angebot vor, das Bargeld und Aktien kombiniert. Damit unterscheiden sich die Offerten nicht nur durch den jeweiligen Bieter, sondern auch durch die vorgesehene Zahlungsform.
Für Anleger ist diese Unterscheidung relevant: Bei einem Zuschlag auf dieser Grundlage würde Lufthansa den Beteiligungskauf vollständig mit Barmitteln bezahlen. Aus der unterschiedlichen Angebotsstruktur allein lässt sich allerdings noch nicht ableiten, weshalb die portugiesische Regierung einen Bieter bevorzugen könnte. Der Bericht über einen möglichen Erfolg ersetzt die offizielle Auswahlentscheidung nicht.
Entscheidend ist deshalb zunächst die Bestätigung durch die Regierung. Bis dahin bleibt der mögliche TAP-Einstieg eine berichtete Aussicht und kein abgeschlossener Beteiligungserwerb. Auch eine Auswahl zugunsten von Lufthansa wäre sprachlich und wirtschaftlich vom Vollzug des Kaufs zu trennen.
Börse wartet auf belastbare Bestätigung
Die vorbörsliche Notierung von 7,21 € liefert zunächst keinen Beleg für einen bereits gesicherten Übernahmeerfolg. Für die Einordnung der Aktie zählt vielmehr, ob sich die berichtete Präferenz für Lufthansa offiziell bestätigt.
Eine zurückhaltende Bewertung hatte Bernstein Research am 6. Oktober mit der Bestätigung von „Market-Perform“ und einem Kursziel von 9 Euro abgegeben. Dabei handelte es sich weder um eine neue Einstufung noch um eine Änderung des Kursziels. Die Bestätigung erfolgte zudem vor dem jüngsten Bericht über den möglichen TAP-Zuschlag und ist daher nicht als Reaktion darauf zu verstehen.
Parallel zur Beteiligungsfrage beschäftigt Lufthansa eine operative Einschränkung. Reuters berichtete am Montag, dass der Konzern sämtliche Flüge nach Riad bis einschließlich 16. Oktober gestrichen habe. Hintergrund ist die Sicherheitslage nach Angriffen auf den Flughafen der saudischen Hauptstadt.
Die TAP-Nachricht eröffnet somit eine mögliche Beteiligungsperspektive, während im Flugbetrieb Sicherheitsrisiken bestehen. Der nächste konkrete Prüfstein für die Aktie ist die angekündigte Auswahlentscheidung Portugals: Erst deren Bestätigung würde aus dem berichteten Vorsprung einen offiziellen Zuschlag machen.
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