Lufthansa steckt an mehreren Fronten mitten in wichtigen Personalentscheidungen und Analysteneinschätzungen. JPMorgan hat die Aktie am heutigen Freitag auf „Neutral“ belassen und das Kursziel bei 7,50 Euro bestätigt.
Analyst Harry Gowers sieht das Nachfrageumfeld nach einer Roadshow in Mailand als günstig für die Jahresziele des Konzerns an. Das Kursziel liegt damit unter dem aktuellen Kurs von 7,82 Euro, was auf eine vorsichtige Einschätzung der weiteren Kursentwicklung hindeutet.
Wechsel an der Spitze der Technik-Sparte
Die wichtigste operative Nachricht des Tages betrifft die Wartungstochter Lufthansa Technik. Harald Gloy, mit 54 Jahren seit 2022 Chief Operating Officer und Accountable Manager im Vorstand, übernimmt zum 1. Februar 2027 den Vorstandsvorsitz. Er tritt die Nachfolge von Sören Stark an, der mit 59 Jahren in den Ruhestand geht. Der Aufsichtsrat unter Vorsitz von Grazia Vittadini hat Gloy für fünf Jahre bestellt.
Der Führungswechsel kommt zu einem Zeitpunkt, an dem die Sparte operativ wächst, aber unter Druck steht: Im ersten Halbjahr 2026 stieg der Umsatz um 11 Prozent auf 4,4 Milliarden Euro, das Betriebsergebnis lag bei 315 Millionen Euro. Die Margen geraten dabei zunehmend unter Druck. Gloy übernimmt damit ein Geschäft mit solidem Wachstum, aber wachsenden Kostenherausforderungen.
Tarifstreit mit Piloten geht in die Schlichtung
Parallel zur Personalie bei der Technik-Sparte bewegt sich auch der Tarifkonflikt mit den Piloten. Die Vereinigung Cockpit (VC) und Lufthansa trafen sich in dieser Woche in Seeheim zu einem ersten Gespräch mit den Schlichtern Bodo Ramelow und Roland Koch. VC-Präsident Andreas Pinheiro, der rund 9.600 Piloten vertritt, zeigte sich nach dem Treffen „verhalten optimistisch“.
Die Gewerkschaft fordert für etwa 5.000 Piloten höhere Arbeitgeberbeiträge zur Altersvorsorge. Auch mit der Kabinengewerkschaft UFO nimmt Lufthansa die Gespräche in der kommenden Woche wieder auf, deren Vorsitzender Joachim Vázquez Bürger eine Chance zum Vertrauensaufbau sieht.
Diese doppelte Front an Verhandlungen – Piloten und Kabinenpersonal – bindet Managementkapazitäten und sorgt für Unsicherheit bei Investoren, gerade weil frühere Streiks den Konzern bereits Kosten in dreistelliger Millionenhöhe verursacht haben.
Kursbild bleibt angeschlagen
Die Aktie notiert aktuell bei 7,82 Euro und legt am heutigen Tag um 1,3 Prozent zu, nachdem sie gestern bei 7,72 Euro geschlossen hatte. Auf Sicht von 30 Tagen steht dennoch ein Minus von 9,8 Prozent zu Buche, der Abstand zum 52-Wochen-Hoch von 10,27 Euro beträgt 24 Prozent. Der RSI von 40,4 signalisiert keine überverkaufte Situation, deutet aber auf anhaltend schwache Kursdynamik hin.
Für Anleger bleibt die Gemengelage komplex: Ein solider operativer Ausblick laut JPMorgan trifft auf ungelöste Tarifkonflikte und einen anstehenden Führungswechsel in einer wichtigen Konzernsparte. Die Bestätigung des moderaten Kursziels von JPMorgan spiegelt diese Abwägung zwischen Chancen und Risiken wider.
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