Lufthansa-Anleger erleben einen wechselhaften Handelstag. Während Analysten ihre Prognosen massiv nach oben schrauben, kühlt der Kurs nach einem neuen Jahreshoch erst einmal ab. Ein politisches Tauwetter sorgt dabei für Rückenwind an unerwarteter Stelle.
Billigeres Kerosin durch Entspannung am Golf
Bernstein Research sieht deutlich mehr Potenzial für den MDax-Konzern. Die Experten hoben das Kursziel von 7,90 Euro auf 10,00 Euro an. Analyst Alex Irving begründet diesen Schritt mit zunehmendem Optimismus für die europäische Airline-Branche.
Ein wesentlicher Treiber ist das Friedensabkommen zwischen den USA und dem Iran. Die politische Annäherung sorgt für Entspannung an den Energiemärkten. Parallel dazu plant die OPEC+ ab August eine Fördererhöhung um 188.000 Barrel täglich. Die Lufthansa profitiert unmittelbar von diesen sinkenden Treibstoffkosten.
Standort Deutschland bleibt das Sorgenkind
Den positiven Kosteneffekten stehen strukturelle Probleme auf dem Heimatmarkt gegenüber. Der deutsche Luftverkehr hinkt dem restlichen Europa massiv hinterher. Deutschland erreichte im ersten Halbjahr nur 87 Prozent des Vorkrisenniveaus von 2019. Im EU-Durchschnitt liegt dieser Wert bereits bei 113 Prozent.
Hohe Standortkosten und regulatorische Hürden bremsen die Erholung hierzulande aus. Hinzu kommen ungelöste Tarifkonflikte mit den Gewerkschaften. Das EU-Parlament verschärft derweil die Fluggastrechte, was den administrativen Aufwand für Lufthansa und Eurowings weiter erhöht.
Reicht das politische Tauwetter am Golf aus, um die strukturellen Schwächen des deutschen Luftverkehrs dauerhaft zu überwinden?
Hohe staatliche Abgaben belasten das Geschäft weiterhin. Die Airline versucht gegenzusteuern: Eurowings führt im Winterflugplan 2026/27 wieder Premium-Business-Class-Sitze ein. Damit will der Konzern die Erlöse pro Passagier steigern.
Charttechnik und neues Jahreshoch
Am Dienstag markierte das Papier ein neues 52-Wochen-Hoch bei 10,27 Euro. Danach setzten Gewinnmitnahmen ein. Der Kurs sank um 1,88 Prozent auf 9,85 Euro.
Charttechnisch bleibt die Lage bei einem RSI von 67,0 konstruktiv. Der Abstand zum 50-Tage-Durchschnitt von 8,54 Euro beträgt rund 15 Prozent. Die Aktie hat damit kurzfristig eine beachtliche Rally hinter sich. Ein nachhaltiger Ausbruch über die 10-Euro-Marke gilt als nächstes wichtiges Signal.
Im August 2026 veröffentlicht der Konzern seinen detaillierten Bericht zum zweiten Quartal. Dann zeigt sich, ob die niedrigeren Kerosinpreise die gestiegenen Personal- und Standortkosten tatsächlich ausgleichen konnten.
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