Lufthansa Aktie: 23 Prozent unter 52-Wochen-Hoch

Lufthansa verzeichnet massiven Gewinnrückgang und senkt Jahresziele. Treibstoffkosten und Streiks belasten, ein Sparprogramm soll gegensteuern.

Auf einen Blick:
  • Aktie fällt weitere 2,2 Prozent
  • Operativer Gewinn bricht um 56 Prozent ein
  • Jahresprognose deutlich nach unten korrigiert
  • Zusätzliche Einsparungen von 200 Millionen Euro geplant

Der Kursverfall bei Lufthansa setzt sich fort. Nach dem Kurssturz am Tag der Quartalszahlen fiel die Aktie gestern erneut um 2,2 Prozent auf 7,90 Euro.

Auf Monatssicht steht ein Minus von 11 Prozent zu Buche, der Titel notiert damit rund 23 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch von 10,27 Euro aus dem Juli. Der RSI von 31,8 signalisiert eine überverkaufte Aktie, was auf angespannte Anlegerstimmung hindeutet.

Auslöser der Talfahrt sind die Quartalszahlen, die Lufthansa am Dienstag vergangener Woche vorlegte. Das bereinigte operative Ergebnis brach im zweiten Quartal um 56 Prozent auf 383 Millionen Euro ein, obwohl der Umsatz um 7,9 Prozent auf 11,141 Milliarden Euro zulegte.

Der Konzernüberschuss sackte sogar um 88 Prozent auf 123 Millionen Euro ab, der Gewinn je Aktie von 0,10 Euro verfehlte die Analystenerwartung von 0,27 Euro deutlich.

Kerosinkosten und Streik belasten das Ergebnis

Für den Ergebniseinbruch machte Lufthansa vor allem gestiegene Treibstoffkosten verantwortlich: Trotz einer Absicherung von mehr als 80 Prozent schlugen rund 750 Millionen Euro zusätzliche Kerosinkosten zu Buche. Hinzu kamen etwa 150 Millionen Euro Streikkosten aus dem April.

Besonders die Kernmarke Lufthansa Airlines geriet operativ in die roten Zahlen – belastet von ineffizienten Abläufen an den Drehkreuzen Frankfurt und München sowie verzögerten Auslieferungen neuer Langstreckenflugzeuge.

Die Netzwerk-Airlines insgesamt kamen nur noch auf ein bereinigtes EBIT von 137 Millionen Euro, nach 627 Millionen Euro im Vorjahr. Lichtblicke lieferten dagegen Austrian Airlines, SWISS, Brussels Airlines sowie Lufthansa Technik, das von starker weltweiter Wartungsnachfrage profitierte.

Als Konsequenz kassierte der Konzern seine bisherige Jahresprognose. Statt eines bereinigten EBIT deutlich über dem Vorjahreswert von 1,96 Milliarden Euro rechnet das Management nun nur noch mit 1,7 bis 2,2 Milliarden Euro. Auch beim Flugangebot wurde die Erwartung mehrfach nach unten korrigiert – von ursprünglich bis zu 4 Prozent Wachstum über 2 Prozent im Mai bis zur nun angepeilten Stagnation.

Eine weitere Kürzung des Europaangebots um 1 Prozent wird geprüft. Zusätzlich belasteten sinkende Passagierzahlen: Im zweiten Quartal sank die Zahl der Fluggäste konzernweit um 4 Prozent auf 35,6 Millionen, da Kunden wegen der unsicheren Lage im Nahen Osten deutlich kurzfristiger buchen. Der operative Cashflow im ersten Halbjahr rutschte um 600 Millionen Euro auf rund 2,3 Milliarden Euro ab.

Sparprogramm soll gegensteuern

Finanzvorstand Till Streichert will das laufende Sparprogramm verschärfen und kurzfristig zusätzliche 200 Millionen Euro einsparen. Nicht zwingende Projekte sollen entfallen, externe Einstellungen werden begrenzt, in der Verwaltung sollen Stellen abgebaut werden.

Bis Ende 2026 peilt Lufthansa Einsparungen von 1,5 Milliarden Euro an, bis 2028 sollen es jährlich 2,5 Milliarden Euro sein. Im operativen Netzwerk zeigt sich der Kurswechsel bereits: Lufthansa Cityline wurde früher als geplant eingestellt, im Sommerflugplan fielen rund 20.000 Europaflüge weg.

Trotz der schwachen Zahlen bleibt UBS optimistisch und nannte am Montag ein Kursziel von 11 Euro – deutlich über dem breiteren Analystenkonsens. Unterdessen einigte sich Lufthansa mit der Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit auf ein umfassendes Schlichtungsverfahren samt Mediation für die offenen Tariffragen, womit vorerst keine weiteren Pilotenstreiks drohen.

Zusätzlich für Schlagzeilen sorgte ein Vorfall am Dienstag, als ein Airbus A380 aus San Francisco bei der Landung in München zu früh aufsetzte und die Landebahnbefeuerung beschädigte; alle 351 Passagiere verließen die Maschine regulär, die Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung prüft den Vorfall.

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