Seit dem 1. Juni hat Lucid Group einen neuen Chef. Silvio Napoli, zuletzt Chairman und CEO der Schindler Group, hat die Führung des angeschlagenen Elektroautoherstellers übernommen. Offiziell, mit sofortiger Wirkung, und mit dem vollen Segen des Boards.
Vom Aufzugbauer zum EV-Hersteller
Napoli bringt, wie Lucid betont, jahrzehntelange Erfahrung in globalen Industrieunternehmen mit. Große Operationen, Finanzmanagement, technologiegetriebene Geschäfte. Das klingt solide. Nur: Schindler baut Aufzüge und Fahrtreppen, keine Elektroautos in einem Markt, der gerade jeden unter Druck setzt, der nicht Tesla oder ein chinesischer Hersteller ist.
Napoli selbst sagte, er sei nach ersten Einblicken in Produkte und Technologie „zunehmend zuversichtlich“, was die Fähigkeit zur konsequenten Umsetzung und langfristigen Wertschöpfung angeht. Sein Fokus liege auf stärkerer Kundenbindung, Kostenwettbewerbsfähigkeit und einer schlankeren Organisation. Das ist, mit Verlaub, die Standardformel jedes neuen CEOs in jeder Branche.
Winterhoff wieder COO
Marc Winterhoff, der Lucid als Interims-CEO durch die Übergangsphase geführt hat, kehrt auf seinen angestammten Platz als Chief Operating Officer zurück und berichtet künftig an Napoli. Ein geräuschloser Wechsel, zumindest nach außen.
Vertrauen ist gut, Lieferung ist besser
Turqi Alnowaiser, Chairman des Lucid-Boards, ließ ausrichten, das Board sei „voll engagiert“ und habe „starkes Vertrauen“ in Napolís Führung. Solche Sätze klingen gut, helfen aber wenig, wenn Lucid weiterhin Quartal für Quartal Verluste schreibt und die Produktionszahlen hinter den Erwartungen zurückbleiben. Napoli wurde bereits am 14. April angekündigt, die offizielle Amtsübernahme ist also keine Überraschung mehr. Die eigentliche Überraschung muss noch kommen, und zwar in Form von Ergebnissen.
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