LPKF Laser & Electronics erlebt zwei Realitäten gleichzeitig. Eine der spektakulärsten Rallys im deutschen Nebenwertesegment trifft auf einen eskalierenden Aktionärsstreit. Am Donnerstag kommt es auf der Hauptversammlung zur Entscheidung.
Dabei hat die Kursrally zuletzt einen Dämpfer bekommen. Vom Jahrestief bei 5,35 Euro auf das Fünfjahreshoch von 29,20 Euro – dann der Rücksetzer. Freitag schloss die Aktie bei 21,90 Euro, minus 8,75 Prozent an einem Tag.
19 Prozent unter dem Hoch von Ende Mai, auf Wochensicht ein Minus von knapp 12 Prozent. Der RSI liegt bei 20,3 – weit im überverkauften Bereich. Die annualisierte Volatilität beträgt 149 Prozent.
Hauptversammlung wird zum Tribunal
Im Mittelpunkt des Konflikts steht das Sparprogramm „North Star“. Management und CEO Klaus Fiedler setzen auf Kostendisziplin und eine Verschlankung der Strukturen. Ein prominenter Aktionär beantragt offiziell, dem Vorstand die Entlastung zu verweigern.
Der Vorwurf: zu zögerliche Vermarktung der Schlüsseltechnologie LIDE. Das Verfahren für die Präzisionsglasbearbeitung in der Halbleiterindustrie gilt als großer Hoffnungsträger. Die Kritiker fordern eine sofortige Kapitalerhöhung, um aggressiv Kapazitäten aufzubauen.
Das Management empfiehlt, den Gegenantrag abzulehnen. Die Begründung: In einem volatilen Marktumfeld müsse LPKF finanziell unabhängig bleiben.
Hoffnungsträger LIDE – operative Realität
Die Zahlen des ersten Quartals zeigen ein anderes Bild. Der Umsatz brach um 32 Prozent auf 17,1 Millionen Euro ein, belastet von der anhaltenden Schwäche im Solarsegment. Der EBIT-Verlust weitete sich auf minus 6,9 Millionen Euro aus.
Der Auftragseingang stieg dagegen auf 24,1 Millionen Euro – eine Book-to-Bill-Ratio von 1,4. Das deutet auf eine Erholung hin.
Die LIDE-Technologie befindet sich bei mehreren Halbleiterkunden in der Testphase. Erste Produktionswerkzeuge für Advanced Packaging sind in Gesprächen. Volumenaufträge sind in der aktuellen Prognose aber bewusst nicht enthalten – die Unsicherheit über den Zeitpunkt bleibt hoch.
Gleichzeitig gibt es ein Signal für die strategische Neuausrichtung. Der Aufsichtsrat will Dr. Arne Schneider in das Gremium holen. Der Vorstandschef von Elmos Semiconductor steht für mehr Halbleiter-Expertise und soll den Wandel begleiten.
Was ansteht
Der nächste wichtige Termin nach der Hauptversammlung ist der Halbjahresbericht. Er wird zeigen, ob der robuste Auftragseingang in Umsätze umgewandelt werden kann. Ein echter Produktionshochlauf in der Fabrikation dürfte frühestens 2027 starten.
Bis 2028 peilt LPKF eine zweistellige operative Marge an. Am Donnerstag muss das Management erstmals öffentlich zu Tempo und Substanz der LIDE-Kommerzialisierung Stellung nehmen. Das könnte die Weichen für die nächste Kursphase stellen.
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