Einflussreiche Anleger stellen sich gegen den Vorstand. Im Vorfeld der Hauptversammlung im Juni beantragt ein prominenter Aktionär offiziell, dem Management die Entlastung zu verweigern. Der Vorwurf: zu langsames Tempo bei der Vermarktung der Schlüsseltechnologie LIDE – einem Verfahren für das Advanced Packaging in der Halbleiterindustrie.
Während CEO Klaus Fiedler auf finanzielle Disziplin und das Sparprogramm „North Star“ setzt, fordern die Kritiker eine sofortige Kapitalerhöhung. Das Ziel: aggressiver Kapazitätsausbau, um die Marktchancen schneller zu nutzen. Die Unternehmensführung empfiehlt, den Gegenantrag abzulehnen. Begründung: In einem volatilen Marktumfeld müsse LPKF finanziell unabhängig bleiben.
Operativ schwach, Aufträge ziehen an
Das erste Quartal 2026 zeigt ein zweigeteiltes Bild. Der Umsatz sank auf 17,1 Millionen Euro – ein Minus von über 30 Prozent zum Vorjahr. Vor allem das schwache Solargeschäft drückt. Das operative Ergebnis rutschte mit minus 6,9 Millionen Euro tiefer in die roten Zahlen.
Gleichzeitig stieg der Auftragseingang auf 24,1 Millionen Euro. Die Book-to-Bill-Ratio von 1,4 signalisiert steigende Nachfrage nach Lasersystemen, besonders im Electronics-Segment. Das Management hält am Umsatzziel von 105 bis 120 Millionen Euro für 2026 fest – potenzielle Großaufträge aus dem Halbleiterbereich sind darin noch nicht enthalten.
Kurs explodiert – und bleibt risikoreich
Die Aktie knallte am Montag um 18,55 Prozent nach oben auf 29,40 Euro. Damit erreichte sie ein neues 52-Wochen-Hoch – vom Tief bei 5,35 Euro Ende 2025 hat sich der Kurs fast verfünffacht. Der RSI liegt bei 25,7. Technisch ist der Wert nach der jüngsten Volatilität überverkauft, was für Anleger ein gemischtes Signal ist.
Analysten warnen: Die aktuelle Bewertung spiegelt bereits hohe Erwartungen an den kommerziellen Durchbruch der LIDE-Technologie wider. Die Serienproduktion soll laut Unternehmen aber erst ab 2027 spürbar hochlaufen.
Personalwechsel im Aufsichtsrat
Auf der Hauptversammlung im Juni steht auch ein Wechsel im Kontrollgremium an. Vorgeschlagen wird Dr. Arne Schneider, Vorstandsvorsitzender von Elmos Semiconductor. Er soll Dr. Dirk Michael Rothweiler ersetzen. Die Nominierung gilt als strategischer Schritt, um die Halbleiter-Expertise im Aufsichtsrat zu stärken.
Bis zur HV bleibt die Frage, ob der Vorstand die Aktionäre von seiner Strategie überzeugen kann. Fest steht: Die nächsten Monate werden zeigen, ob der Auftragsboom den operativen Rückstand aufholt – und ob das Vertrauen der Investoren hält.
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