Jahrelang war der Name nur Insidern bekannt, jetzt tritt er ans Licht: Lockheed Martin hat Details zu seiner neuen Langstreckenrakete AIM-260 offengelegt und gleichzeitig eine Rahmenvereinbarung mit dem US-Verteidigungsministerium für eine beschleunigte Serienproduktion bekanntgegeben.
Die AIM-260, bekannt als Joint Advanced Tactical Missile, wurde über Jahre unter strenger Geheimhaltung entwickelt. Sie soll die Antwort der US-Luftwaffe auf immer leistungsfähigere chinesische Langstreckenwaffensysteme sein und bietet nach Unternehmensangaben mehr Reichweite und Effektivität als bisherige Luft-Luft-Raketen. Eingesetzt werden soll sie auf Tarnkappenjets wie der F-22 Raptor und der F-35 — beides Kernprodukte im Lockheed-Portfolio.
Pentagon will Vorräte auffüllen
Der Hintergrund der Eile: Der Krieg gegen den Iran hat die Raketenbestände der USA und ihrer Verbündeten spürbar geschmälert. Das Pentagon drängt deshalb auf eine schnellere Beschaffung kostengünstigerer Präzisionswaffen mit großer Reichweite.
Die jetzt verkündete Rahmenvereinbarung soll die Grundlage für einen mehrjährigen Beschaffungsvertrag legen, der die industrielle Basis rund um das Programm stärken soll. Lockheed erklärte, man werde die nötigen Investitionen zur Produktionssteigerung selbst vorfinanzieren.
Ein solcher mehrjähriger Beschaffungsvertrag benötigt allerdings noch die Zustimmung des Kongresses — er ist damit vorerst nur angekündigt, nicht beschlossen. Erste Bilder der Rakete waren bereits im Mai aufgetaucht. Australien hat inzwischen angekündigt, JATM-Raketen im Wert von rund 521 Millionen Dollar zu kaufen, wobei Stückzahl und Einzelpreis nicht genannt wurden.
Tim Cahill, Präsident der Sparte Lockheed Martin Missiles and Fire Control, bezeichnete die Vereinbarung als Fortsetzung jahrelanger Zusammenarbeit zur Bereitstellung dieser „kritischen Fähigkeit zur Luftraumdominanz“. Die Aktie reagierte im vorbörslichen Handel mit einem moderaten Plus von 0,64 Prozent auf 540,50 Dollar — kein Ausreißer, aber ein Signal, dass der Markt die Nachricht positiv einordnet.
Für Lockheed ist die Öffnung des bislang geheimen Programms auch strategisch bedeutsam: Sie macht ein wichtiges Wachstumsfeld sichtbar, gerade zu einem Zeitpunkt, in dem westliche Verteidigungsbudgets auf die Bedrohung durch China ausgerichtet werden. Der nächste Meilenstein liegt beim Kongress, dessen Zustimmung über das Volumen und Tempo der künftigen Serienfertigung entscheidet.
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