Lockheed Martin sichert sich Nachschub für zwei zentrale Raketenprogramme. Der Konzern hat auf der AUSA-Jahrestagung eine strategische Kooperation mit dem italienischen Raumfahrt- und Antriebsspezialisten Avio vereinbart. Es geht um Feststoffraketenmotoren, eines der knappsten Güter der US-Rüstungsindustrie.
Was die Vereinbarung vorsieht
Avio soll Motoren für die Extended-Range-GMLRS-Rakete und den Precision Strike Missile fertigen, sobald die Qualifizierung abgeschlossen ist. Produziert wird in Hurt, Virginia, wo Avio USA derzeit ein neues Werk baut. Lockheed erhält Zugriff auf einen Teil der dortigen Lieferkapazität.
Die Qualifizierungsphase soll nach Einschätzung der Kepler-Cheuvreux-Analysten zunächst in Italien beginnen. Das Werk in Virginia soll Ende 2028 fertig sein, die volle Produktion ist für Anfang 2029 vorgesehen. Die Analysten rechnen damit, dass der Deal bis zu die Hälfte der Kapazität des neuen Standorts bindet.
Für Lockheed zählt vor allem die Absicherung der Lieferkette. „Eine verlässliche und breit aufgestellte Lieferkette für Feststoffraketenmotoren ist grundlegend für unsere Strategie eines stärkeren industriellen Verteidigungsfundaments“, sagte Tim Cahill, Präsident der Sparte Missiles and Fire Control.
Avio profitiert, Lockheed gibt nach
Die Marktreaktion fiel zweigeteilt aus. Avio-Aktien legten in Mailand um mehr als fünf Prozent auf rund 30 Euro zu und führten die Gewinnerliste an. Der Konzern hat über 500 Millionen Dollar für neue Kapazitäten in den USA zugesagt. Avio-Chef Giulio Ranzo will das Unternehmen zu einem Anbieter für mehrere US-Kunden machen.
Die Lockheed-Aktie schloss zuletzt dagegen 1,5 Prozent tiefer bei 504,02 Dollar. Der Rückgang hat nach bisherigem Stand nichts mit der Kooperation zu tun. Der Deal ist für Lockheed eher ein operativer Baustein als ein Kurstreiber.
Dass der Konzern Motorenlieferungen breiter streut, passt zum Trend im Sektor. Solche Antriebe gelten als Engpass, wenn Raketenbestände aufgefüllt und Produktionsraten erhöht werden sollen. Mit einem zusätzlichen Lieferanten sinkt die Abhängigkeit von wenigen US-Anbietern.
Konkret messbar wird der Nutzen erst später: Vor Anfang 2029 läuft in Virginia keine Serienfertigung, und zuvor muss die Qualifizierung der Motoren für beide Programme abgeschlossen sein.
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