Lange war es still um Lockheed Martin. Die Aktie dümpelte, die Quartalszahlen lieferten wenig Grund zur Freude, und wer auf einen Kurssprung gewartet hatte, wartete vergebens. Dann kam der 23. Juli 2026, und mit einem Mal war alles anders. Die Aktie schoss um gut zehn Prozent nach oben, allein an einem einzigen Handelstag.
Umsatz springt, Kapazität wächst
Der Grund ist simpel: Lockheed Martin hat im zweiten Quartal geliefert. Gesamtumsatz von 20,06 Milliarden Dollar, elf Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Das ist kein kleines Plus, das ist ein Ruck. Im ersten Quartal hatte das Wachstum praktisch bei null gelegen, Produktionsengpässe hatten das Unternehmen ausgebremst. Jetzt scheint sich das Blatt zu wenden. Das Unternehmen selbst schreibt, man habe „einen großen Schritt nach vorne bei der Transformation der Munitionsproduktion“ gemacht. Alle Segmente wuchsen, das Missiles-and-Fire-Control-Geschäft besonders kräftig, das Aeronautics-Segment immerhin um neun Prozent. Analysten hatten deutlich weniger erwartet, der Umsatz schlug die Prognosen um 734 Millionen Dollar.
230 Milliarden Dollar warten auf Abarbeitung
Noch eindrucksvoller als der Quartalsumsatz ist, was dahinter steckt. Der Auftragsbestand liegt bei 230 Milliarden Dollar. Der Quartalsumsatz betrug gut 20 Milliarden. Wer da kurz rechnet, versteht, warum niemand ernsthaft Nachfrageprobleme diskutiert. Das Book-to-Bill-Verhältnis von 3,2x macht das noch deutlicher: Auf jeden Dollar Umsatz kommen 3,20 Dollar neue Aufträge. Die eigentliche Frage ist nicht, ob Lockheed Martin Arbeit hat, sondern wie schnell das Unternehmen sie abarbeiten kann.
Prognose rauf, Dividende läuft
Nach dem starken Quartal hat das Management die Jahresprognose angehoben. Umsatzwachstum von rund acht Prozent für 2026, Segmentmarge von knapp elf Prozent, EPS und Cashflow-Erwartungen ebenfalls nach oben korrigiert. Wer auf Dividenden schaut: Lockheed Martin hat gerade 3,45 Dollar je Aktie ausgeschüttet, die Dividendenrendite liegt bei rund 2,68 Prozent. Solide, nicht spektakulär, aber stabil.
Ein Risiko, das keiner erklären kann
Wäre da nicht eine Sache. Das Pentagon hat Mitte Juli den jährlichen F-35-Bericht des unabhängigen Kongress-Kontrollgremiums zurückgehalten. Erstmals seit mehr als zwei Jahrzehnten. Begründung: keine. Für Anleger ist das unangenehm, denn das Aeronautics-Segment ist bei weitem das größte Standbein des Konzerns, und der F-35 ist dessen Herzstück. Was hinter dem Schritt steckt, hat das Pentagon nicht erklärt. Ungewissheit ist selten ein gutes Zeichen, auch wenn der Rest des Bildes gerade so klar ist wie lange nicht.
Bewertung noch immer zu niedrig
Trotz des heutigen Sprungs handelt die Aktie auf Basis der 2029er-Gewinnschätzungen bei einem KGV von 13,74. Für ein Unternehmen mit 230 Milliarden Dollar Backlog, wachsender Produktion und einem geopolitischen Umfeld, das Rüstungsausgaben weltweit nach oben treibt, ist das wenig. Zehn Prozent plus an einem Tag, und die Aktie ist immer noch günstig. Das ist die Geschichte.
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