Lithium Americas-Aktie: Bau läuft – doch das ist der Haken!

Lithium Americas treibt den Bau von Thacker Pass voran, kämpft aber mit unerwarteten Zollkosten und geopolitischen Risiken. Der Aktienkurs spiegelt die Unsicherheit wider.

Auf einen Blick:
  • Rund 1,2 Milliarden Dollar Cash zum Ende des ersten Quartals 2026
  • 294,5 Millionen Dollar Capex allein im ersten Quartal, kumuliert bereits 1,28 Milliarden Dollar
  • Zollrisiken von 80 bis 120 Millionen Dollar noch nicht im ursprünglichen Kostenrahmen von 2,93 Milliarden Dollar enthalten
  • Mechanische Fertigstellung von Thacker Pass Phase 1 weiterhin für Ende 2027 geplant

Der Aktienkurs von Lithium Americas sagt gerade das Gegenteil von dem, was die Pressemitteilung sagt. Auf dem Papier läuft es: 1.300 Arbeiter auf der Baustelle in Nevada, über 95 Prozent der Detailplanung abgeschlossen, ein zweiter DOE-Kredit über 432 Millionen Dollar bereits abgerufen, und zum Ende des ersten Quartals rund 1,2 Milliarden Dollar Cash in der Kasse. Und dennoch notierte die Aktie zum 31. März bei 3,95 Dollar, nachdem sie Oktober 2025 noch bei 10,05 Dollar stand. Aktuell sind es immerhin wieder 5,48 USD, die auf dem Kurszettel stehen.

Zahlen, die sich gut lesen

Das erste Quartal 2026 brachte Lithium Americas ein Nettoergebnis von plus 4,6 Millionen Dollar, nach einem Verlust von 11,5 Millionen Dollar im Vorjahreszeitraum. Das klingt nach Trendwende, ist aber keine. Der Gewinn kommt fast vollständig aus einem nicht zahlungswirksamen Buchgewinn auf ein eingebettetes Derivat, also aus der Bewertung von Finanzinstrumenten, die mit dem fallenden Aktienkurs zusammenhängen. Operativ stiegen die Ausgaben von 6,5 auf 11,1 Millionen Dollar. Mehr Personal, mehr Beraterhonorare, mehr Aktivität eben.

Im ersten Quartal flossen 294,5 Millionen Dollar in den Bau, kumuliert sind es nun 1,28 Milliarden Dollar. Das Gesamtbudget für Phase 1 liegt laut technischem Bericht bei 2,93 Milliarden Dollar. Für das Gesamtjahr 2026 peilt das Unternehmen Investitionen zwischen 1,3 und 1,6 Milliarden Dollar an.

Der Haken mit den Zöllen

Hier wird es interessant. Die 2,93 Milliarden Dollar Gesamtbudget enthalten keine Zölle. Kein einziger Dollar. Und Lithium Americas schätzt die Zollbelastung für Phase 1 inzwischen auf 80 bis 120 Millionen Dollar, der Großteil davon fällt 2026 an. Stahl aus den Vereinigten Arabischen Emiraten, Ausrüstung aus China, Indien, Kanada, der Türkei und der EU, das ist ein breites Einfallstor für Handelsstreitigkeiten.

Dazu kommt der Nahost-Konflikt. Über 75 Prozent des Strukturstahls für Thacker Pass stammt aus den Emiraten, und die Schließung der Straße von Hormus hat die Logistik durcheinandergebracht. Bechtel und das Unternehmen haben den Stahl inzwischen über den Hafen Dschidda umgeleitet. Hat funktioniert, bislang. Aber solche Umwege kosten Geld, und sie kosten Zeit.

Lithium Americas Corp. Aktie Chart

GM, DOE und ein Warrant für die Ewigkeit

Das Finanzierungskonstrukt ist komplex. General Motors hält 38 Prozent am Joint Venture, das DOE hat einen Kredit über 2,23 Milliarden Dollar bereitgestellt und sich dafür Warrants gesichert: 5 Prozent der ausstehenden Aktien von Lithium Americas zum Ausübungspreis von einem Cent, plus 5 Prozent wirtschaftliche Beteiligung am Joint Venture. Das ist kein kleines Zugeständnis.

CEO Jonathan Evans spricht von einem Projekt, das nationale Sicherheit und Energieunabhängigkeit stärkt. US-Senatoren und der Gouverneur von Nevada waren persönlich vor Ort. Das politische Wohlwollen ist real. Ob es den Kurs rettet, ist eine andere Frage.

Mechanische Fertigstellung: Ende 2027

Das Zieldatum steht. Ende 2027 soll Thacker Pass Phase 1 mechanisch fertig sein, mit einer Nennkapazität von 40.000 Tonnen Lithiumcarbonat pro Jahr. Bis dahin wird noch viel Geld fließen, und eine definitive Kostenschätzung, die Zölle, Inflation und Nahostkrise einpreist, soll erst in der zweiten Hälfte 2026 vorliegen.

Bis dahin rechnet man mit bis zu 120 Millionen Dollar Mehrkosten, die offiziell noch nicht im Budget stehen. Das ist kein Drama. Aber es ist auch kein Zufall, dass die Aktie deutlich unter ihrem 52-Wochen-Hoch notiert.

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