Am Mittwoch geriet Lindt & Sprüngli wegen seiner Stimmrechtsregelungen in die Kritik von Aktionärsvertretern. Laut einem Bericht der Neuen Zürcher Zeitung dürfen Großaktionäre grundsätzlich höchstens 6 Prozent der Stimmen ausüben.
Der Verwaltungsrat gewährt den beiden konzerneigenen Vorsorgewerken jedoch eine Ausnahme von dieser Beschränkung. Anlegervertreter beanstanden diese Sonderstellung, da sie die Mitbestimmung anderer Investoren einschränkt und das Stimmgewicht ungleich verteilt.
Die Diskussion um die Aktionärsdemokratie trifft den Schweizer Traditionskonzern zur Unzeit. In einem ohnehin anspruchsvollen Marktumfeld fordern Investoren zunehmend klare Verhältnisse und gleiche Rechte für alle Anteilseigner. Die Sonderkonditionen für die Pensionskassen geraten dadurch verstärkt in den Fokus institutioneller Anleger.
Operative Bremsspuren im europäischen Markt
Belastet wird die Stimmung vor allem durch die verhaltene operative Entwicklung. Vor gut einer Woche senkte Lindt & Sprüngli das Ziel für das organische Umsatzwachstum im laufenden Jahr auf eine Spanne von 0 bis 2 Prozent. Seither konnte der Titel um 2,5 Prozent zulegen.
Als Hauptursachen für die Korrektur nannte das Management eine spürbare Zurückhaltung der Konsumenten, höhere Preissensibilität und schwächere saisonale Aufträge in Deutschland, der Schweiz und Österreich. Auch die extreme Hitze des vergangenen Sommers in Europa dämpfte die Nachfrage nach Schokolade.
Trotz der schwächeren Erlösdynamik hielt der Konzern an seiner Zielsetzung fest, die operative Gewinnmarge gegenüber dem Vorjahr leicht zu verbessern. Um dieses Ziel zu erreichen, versucht das Unternehmen, den Kostendruck abzufedern und gleichzeitig über gezielte Neueinführungen zusätzliche Nachfrage zu generieren.
Produktanläufe und skeptische Analysten
Zur Belebung des Geschäfts setzt Lindt auf das Sortiment im Handel. Am Montag brachte die deutsche Tochtergesellschaft neue Waffelprodukte unter dem Namen Choco Wafer bundesweit in die Regale der Supermärkte sowie in die eigenen Boutiquen. Darüber hinaus soll Medienberichten zufolge am 13. Oktober eine limitierte Schokoladenkreation im Besucherzentrum in Kilchberg in den Verkauf gehen.
Auf Seiten der Analysten überwiegt gleichwohl die Vorsicht. Am 2. Oktober reduzierte J.P. Morgan das Kursziel für die Namenaktien auf 73’000 Franken und behielt die Einstufung „Underweight“ bei. Das Institut verwies damit auf die anhaltenden Herausforderungen bei der Umsetzung der Wachstumsziele.
Am Aktienmarkt bleibt der übergeordnete Trend von Zurückhaltung geprägt. Gestern beendete die Aktie den Handel bei 8.315,00 Euro. Seit Jahresanfang steht damit ein Kursrückgang von 33 Prozent zu Buche.
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