Der Premium-Glanz von Lindt & Sprüngli bekommt tiefe Kratzer. Während der Schweizer Gesamtmarkt auf Erholung hofft, schickt eine kritische Analystenstudie die Schokoladen-Papiere auf Talfahrt. Die jahrelange Strategie der Preiserhöhungen scheint an ihre Belastungsgrenze zu stoßen.
Analyst Feng Zhang vom US-Analysehaus Jefferies bestätigt sein „Sell“-Rating. Er setzt das Kursziel für den Partizipationsschein bei 81.660 CHF an. Die Aktie verliert daraufhin 2,12 Prozent und notiert bei 10.140,00 Euro.
Der Experte sieht vor allem die schwindende Preissetzungsmacht kritisch. Lindt konnte steigende Kosten bisher meist direkt an die Kunden weitergeben. Dieser Spielraum wird nun enger. Hinzu kommen notwendige Investitionen in Marken und Vertrieb, die das operative Ergebnis belasten dürften.
Die Rohstoffmärkte verschärfen die Lage. Hohe Kakaopreise fordern die Kalkulation heraus. Konkurrent Barry Callebaut meldete zwar jüngst ein Volumenplus von 5,7 Prozent. Zhang wertet dies jedoch als kurzfristigen Effekt durch Lagerauffüllungen und sieht darin keine dauerhafte Trendwende für die Branche.
An der Börse verfestigt sich unterdessen der Abwärtstrend. Vom 52-Wochen-Hoch ist das Papier inzwischen 30 Prozent entfernt. Der Kurs notiert mit 10.140 Euro zudem deutlich unter dem langfristigen Durchschnitt von 12.019,30 Euro.
Das Management reagiert mit strategischen Maßnahmen auf den regulatorischen Druck. Lindt führt eine neue Methodik zur Bewertung von Entwaldungsrisiken ein, um künftige EU-Vorgaben rechtzeitig zu erfüllen. Parallel dazu baut das Unternehmen seine Präsenz im Einzelhandel aus und eröffnet Ende Juli eine neue Boutique im britischen Milton Keynes.
Die kommenden Wochen werden zur Bewährungsprobe für das Premium-Versprechen. Anleger warten nun auf die Halbjahresberichterstattung. Diese muss belegen, ob Lindt das Margen-Niveau trotz der schwierigen Branchenlage halten kann.
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