Der weltweit führende Industriegase-Konzern Linde hat heute seine Geschäftszahlen für das zweite Quartal 2026 vorgelegt und dabei neue Bestmarken bei Umsatz und Gewinn erreicht. Trotz der positiven operativen Entwicklung und einer gleichzeitig angekündigten Großinvestition im US-Bundesstaat Arizona reagiert der Markt verhalten. Im heutigen Handel verzeichnet das Papier einen Rückgang von 3,36 % auf 425,20 €. Damit korrigiert die Aktie nach einer starken Phase, in der sie seit Jahresbeginn ein Plus von 17,46 % erzielen konnte.
Elektronik-Nachfrage treibt Rekordumsatz
Im abgelaufenen Quartal steigerte Linde den Umsatz im Vergleich zum Vorjahr um 9 % auf 9,3 Milliarden US-Dollar. Besonders die hohe Nachfrage aus der Elektronikindustrie erwies sich als Wachstumsmotor. Das bereinigte Ergebnis je Aktie (EPS) kletterte um 10 % auf 4,50 US-Dollar und übertraf damit die durchschnittlichen Erwartungen der Analysten, die im Vorfeld von etwa 4,48 US-Dollar ausgegangen waren. Der operative Gewinn belief sich auf bereinigter Basis auf 2,7 Milliarden US-Dollar, was einer operativen Marge von 29,5 % entspricht.
Regional betrachtet verzeichnete das Segment Asien-Pazifik (APAC) mit einem Plus von 13 % auf 1,87 Milliarden US-Dollar das stärkste Wachstum. In der Region Amerika stiegen die Erlöse um 7 % auf 4,08 Milliarden US-Dollar, während das Geschäft in Europa, dem Nahen Osten und Afrika (EMEA) ebenfalls um 7 % auf 2,3 Milliarden US-Dollar zulegte. CEO Sanjiv Lamba sprach in diesem Zusammenhang von einem Rekordquartal und verwies auf die Widerstandsfähigkeit des Geschäftsmodells.
Milliardenprojekt für die Halbleiterproduktion
Parallel zu den Quartalszahlen gab Linde eine strategische Investition in Höhe von rund einer Milliarde US-Dollar bekannt. In Phoenix, Arizona, sollen zwei neue Luftzerlegungsanlagen der „SPECTRA“-Baureihe errichtet werden. Ziel ist die langfristige Versorgung eines bedeutenden Halbleiterherstellers mit ultrahochreinen Gasen wie Stickstoff, Sauerstoff und Argon für zwei neue Fabriken. Laut Medienberichten handelt es sich bei dem Kunden um einen der weltweit größten Akteure der Branche.
Zusätzlich zu dem Projekt in den USA wird das Gemeinschaftsunternehmen Linde LienHwa in Taiwan rund 800 Millionen US-Dollar investieren, um denselben Kunden an dortigen Standorten zu unterstützen. Armando Botello, Präsident von Linde Gases US, betonte die Bedeutung von Reinheit und Zuverlässigkeit der Gasversorgung für die Skalierung der modernen Chipproduktion. Durch diese Neuaufträge stieg der Projekt-Backlog im Bereich „Sale-of-Gas“ auf 8,1 Milliarden US-Dollar an.
Guidance und Ausblick für das Gesamtjahr
Für das laufende dritte Quartal gab das Management eine Prognose für das Ergebnis je Aktie in einer Spanne von 4,45 bis 4,55 US-Dollar ab. Dies entspräche einer Steigerung von 6 % bis 8 % gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Für das gesamte Geschäftsjahr 2026 peilt Linde ein bereinigtes EPS zwischen 17,70 und 17,90 US-Dollar an. Die geplanten Kapitalausgaben für das laufende Jahr werden auf insgesamt 5,5 bis 6 Milliarden US-Dollar taxiert.
Analystenhäuser wie Strategic Investment Advisors MI haben ihre Positionen zuletzt deutlich ausgebaut, während der Konsens für die Aktie weiterhin auf „Buy“ lautet. Neben dem operativen Wachstum setzt das Unternehmen die aktionärsfreundliche Politik fort: Im zweiten Quartal flossen insgesamt 1,59 Milliarden US-Dollar über Dividenden und Aktienrückkäufe an die Investoren zurück. Die kommende Quartalsdividende von 1,60 US-Dollar wurde bereits bestätigt. Zudem treibt der Konzern seine Dekarbonisierungsstrategie voran und unterzeichnete sechs neue Verträge zur Beschaffung von grünem Strom in Europa, Afrika und Indien.
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