Höheres Gewinnziel, aber ein schwächeres Kerngeschäft: Levi Strauss legt für das dritte Quartal Zahlen vor, die auf den ersten Blick überzeugen und im Detail Fragen aufwerfen. Die Aktie schloss den regulären Handel am Mittwoch knapp fünf Prozent im Minus bei 19,51 Dollar und gab nachbörslich weiter nach.
Zollrückerstattungen treiben die Prognose
Für 2026 erwartet der Jeanskonzern nun einen bereinigten Gewinn je Aktie von 1,54 bis 1,56 Dollar, zuvor waren es 1,46 bis 1,52 Dollar. Der Hauptgrund liegt nicht im operativen Geschäft. Levi’s erhielt im Quartal rund 79 Millionen Dollar an Rückerstattungen für gezahlte Zölle. Das entspricht einem Vorteil von 16 Cent je Aktie.
Etwa 60 Millionen Dollar will das Unternehmen im laufenden Jahr in Werbung und Verkaufsaktionen für das Weihnachtsgeschäft stecken. Die operative Marge stieg auch dank dieses Effekts von 10,8 auf 13,8 Prozent.
Der bereinigte Gewinn von 48 Cent je Aktie übertraf die Erwartungen von rund 36 Cent deutlich. Der Nettogewinn sank dennoch von 218,1 auf 168,6 Millionen Dollar.
Endkundengeschäft enttäuscht
Der Umsatz wuchs um rund vier Prozent auf 1,61 Milliarden Dollar und verfehlte damit leicht die Analystenschätzung von 1,62 Milliarden. Schwach lief vor allem das Direktgeschäft, das knapp die Hälfte der Erlöse ausmacht. Auf vergleichbarer Basis stagnierten die Verkäufe, während der Großhandel um sechs Prozent zulegte.
Konzernchefin Michelle Gass räumte die Schwäche offen ein. In den USA sank der Umsatz um ein Prozent, in Europa drückte ungewöhnlich warmes Wetter auf die Kundenfrequenz. Die Back-to-School-Kampagne setzte laut Gass zu stark auf weite Schnitte statt auf die gefragten tief sitzenden Modelle. Ein Branchenberater verweist zudem auf hohe Spritpreise, die den US-Markt belasteten.
Es gab auch Lichtblicke. Das Frauensegment wächst, auch weil Levi’s stärker in Oberteile, Röcke und Kleider vordringt. Diese Produkte trugen etwa die Hälfte des Umsatzwachstums. Die Premiumlinie Blue Tab legte zweistellig zu, in China stieg der Umsatz um 13 Prozent, gestützt von einer Kooperation mit der Sängerin Rosé.
Umsatzziel am unteren Rand
Beim Umsatz fällt der Ausblick vorsichtiger aus. Das organische Wachstum liegt für 2026 bei etwa sechs Prozent. Die Gewinnprognose ruht damit zu einem guten Teil auf einem Einmaleffekt, nicht auf besserer Nachfrage.
Am Donnerstagmorgen notierte die Aktie knapp zwei Prozent tiefer bei 19,15 Dollar. Ob die zusätzlichen Marketingmittel das Direktgeschäft im Weihnachtsquartal wieder in Schwung bringen, zeigt sich in den nächsten Zahlen zum Schlussquartal.
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