Ein Kurs, der um mehr als ein Fünftel unter dem Jahreshoch liegt. Ein Kursziel, das gleichzeitig 36 Prozent Aufwärtspotenzial verspricht. Bei Leonardo klaffen Marktstimmung und Analystenmeinung derzeit deutlich auseinander.
Die Aktie des italienischen Rüstungskonzerns fiel am Mittwoch um 1,34 Prozent auf 50,08 Euro. Damit setzt sich ein Abwärtstrend fort, der die Aktie in den vergangenen sieben Tagen bereits über 6 Prozent gekostet hat. Auf Monatssicht steht ein Minus von 4,46 Prozent zu Buche, seit Jahresbeginn liegt Leonardo knapp 2,2 Prozent im Minus.
Der gesamte Sektor gerät unter Druck
Leonardo steht nicht allein da. Der STOXX Europe Targeted Defence Index hat in den letzten sechs Monaten 14 Prozent verloren. Leonardo selbst kommt im gleichen Zeitraum auf ein Minus von 13 Prozent – die Aktie bewegt sich damit im Gleichschritt mit dem breiten Sektortrend.
Vom 52-Wochen-Hoch bei 65,50 Euro, erreicht im März 2026, trennen die Aktie mittlerweile 23,54 Prozent. Das aktuelle Niveau liegt auch unter dem 50-Tage-Durchschnitt von 51,25 Euro und dem 200-Tage-Durchschnitt von 53,30 Euro. Der RSI von 45,7 signalisiert dabei neutrale Verhältnisse – weder überkauft noch überverkauft.
Politische Unsicherheit verstärkt den Druck zusätzlich. Am 14. Juli blockierten demokratische Senatoren in den USA das NDAA-Verteidigungsbudget für das Fiskaljahr 2027. Rund 1,14 Billionen Dollar an geplanten Verteidigungsausgaben hängen damit vorerst in der Schwebe. Zusammen mit anhaltenden Spannungen im Nahen Osten belastet das die Stimmung für internationale Rüstungskonzerne wie Leonardo.
Starke Zahlen, schwacher Kurs
Während der Kurs schwächelt, überzeugen die operativen Ergebnisse. Jefferies hat Leonardo kürzlich auf „Buy“ hochgestuft und ein durchschnittliches Kursziel von 68,33 Euro ausgegeben. Marktbeobachter bezeichnen die Aktie bereits als „vergessenen Strong Buy“ – ein Konzern, dessen Geschäftszahlen und Börsenkurs offenbar nicht mehr zusammenpassen.
Die Zahlen aus dem ersten Quartal 2026 stützen diese Einschätzung:
- Auftragseingang: plus 31 Prozent
- Umsatz: plus 7 Prozent
- EBITA: plus 33 Prozent
Ein Wachstumstempo, das in vielen anderen Branchen für deutlich höhere Kurse sorgen würde.
Raumfahrt als zusätzlicher Wachstumstreiber
Abseits des klassischen Verteidigungsgeschäfts profitiert Leonardo von Italiens wachsender Raumfahrtindustrie. Bei einem Strategiegipfel in Mailand am 13. Juli bezifferten Regierungsvertreter den Wert des italienischen Weltraumsektors auf 3,1 Milliarden Euro – 2021 waren es noch 1,9 Milliarden Euro. Die Luftfahrtexporte legten gegenüber 2022 um 23,3 Prozent zu, gestützt durch staatliche Förderungen von über 10 Milliarden Euro.
Auch die NATO setzt auf Leonardos Technologie. Der Innovationsbeschleuniger DIANA wählte am 14. Juli zehn Projekte für seine „Decision Superiority“-Initiative aus, die künstliche Intelligenz in militärische Systeme integrieren sollen. Jedes Projekt erhält eine Anschubfinanzierung von 100.000 Euro – ein Feld, in dem Leonardo bereits technologisch präsent ist.
Mit einer Marktkapitalisierung von 29,77 Milliarden Euro bleibt der Konzern ein Schwergewicht der europäischen Verteidigungsindustrie. Investoren blicken nun auf die ESA-Ministerratskonferenz in Rom am 15. Dezember 2026. Sie gilt als nächster wichtiger Termin für langfristige Beschaffungs- und Weltraum-Infrastrukturaufträge.
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