Der italienische Rüstungs- und Luftfahrtkonzern Leonardo hat einen wichtigen Fortschritt bei der Entwicklung des Global Combat Air Programme (GCAP) erzielt. Das Konsortium GCAP Electronics Evolution (G2E), dem neben Leonardo auch die ELT Group und Mitsubishi Electric angehören, erhielt heute einen 18-monatigen Vertrag zur Entwicklung der Sensor- und Kommunikationsfähigkeiten für den Kampfjet der sechsten Generation.
Meilenstein beim GCAP-Projekt
Der Auftrag wurde von Edgewing vergeben, einem Gemeinschaftsunternehmen von Leonardo, BAE Systems und der Japan AIEC. Im Zentrum stehen das integrierte Sensorik-Paket (ISANKE) sowie das moderne Kommunikationssystem (ICS) für den künftigen Luftüberlegenheitsjäger. Andrew Howard von Leonardo bezeichnete die Vereinbarung als bedeutenden Meilenstein für die technologische Ausgestaltung des Projekts, das bis 2035 einsatzbereit sein soll.
Dieser Erfolg folgt auf einen im Juli geschlossenen Design-Vertrag über 4,6 Milliarden Britische Pfund zwischen der zwischenstaatlichen GCAP Agency und dem Industriekonsortium. Die neue Vereinbarung sichert nun die konkrete Ausarbeitung der elektronischen Suite, die als Herzstück der Situationserfassung für den künftigen Jet gilt.
Marktreaktion und technische Einordnung
Die Aktie von Leonardo reagiert positiv auf die Nachrichtenlage und notiert aktuell bei 50,05 Euro. Damit verzeichnet der Titel am heutigen Donnerstag einen Kurszuwachs von 2,2 Prozent. Die heutige Erholung steht im Kontrast zur Entwicklung der vergangenen Wochen: Das Papier notiert derzeit noch rund 7,1 Prozent unter seinem gleitenden 50-Tage-Durchschnitt.
Trotz der kurzfristigen Kursschwankungen bleibt das Vertrauen der Analysten in den Wert bestehen. Medienberichten zufolge liegt die Mehrheit der aktuellen Bewertungen im Bereich „Kaufen“. Auch für die US-Tochter Leonardo DRS zeichnet sich ein positiver Trend ab, nachdem diese Aufträge über 96 Millionen US-Dollar für Elektronikkomponenten des vertikalen Startsystems MK 41 der Marine gesichert hat.
Auftragserfolge in Südamerika und Spanien
Neben der Luftfahrtsparte verzeichnet der Konzern Erfolge im Bereich der Landsysteme. Gestern übergab das zur Leonardo-Gruppe gehörende Unternehmen IDV das erste im Inland produzierte Panzerfahrzeug vom Typ VBMT 4×4 Guaicurus an das brasilianische Heer. Diese Auslieferung ist Teil eines im Jahr 2024 geschlossenen Vertrags über 420 Einheiten mit einem Volumen von 1,4 Milliarden Real, der bis 2034 vollständig erfüllt sein soll.
Zusätzlich hat ein Leonardo-Konsortium im August die Lieferung von sieben Radpanzern des Typs Centauro II nach Brasilien fest vereinbart. Das Auftragsvolumen beläuft sich auf 420 Millionen Real für das erste Los.
Parallel dazu investiert das spanische Heer in die Einsatzbereitschaft seiner bestehenden Centauro-Flotte: Für über 7 Millionen Euro wurde eine Ausschreibung für Munition im Kaliber 105 Millimeter abgeschlossen, um die Schlagkraft der von Leonardo und Iveco entwickelten Fahrzeuge zu sichern.
Herausforderungen in der Zulieferkette
Überschattet wird die positive Auftragslage von operativen Problemen am Standort Grottaglie. Gewerkschaftsvertreter äußerten am Dienstag Besorgnis über den Produktionsplan für Boeing-Komponenten. Aufgrund technischer Nichtkonformitäten bei bestimmten Rumpfsektionen sind dort derzeit 27 Einheiten blockiert, was zu Verzögerungen in der Auslieferungskette führt.
Gleichzeitig beschäftigen juristische Untersuchungen im italienischen Brindisi den Konzern. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen sieben Personen und zwei Unternehmen wegen der Lieferung fehlerhafter Bauteile an Leonardo-Aerostrutture. Dabei geht es um den Vorwurf, dass statt spezifizierter Titan- und Aluminiumlegierungen minderwertige Materialien für Boeing-787-Komponenten verwendet wurden. Leonardo tritt in diesem Verfahren als Geschädigter auf, während Boeing bereits Sonderwartungen für betroffene Maschinen eingeleitet hat.
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