Bei Lenzing spricht das gestern veröffentlichte vorläufige Bezugsergebnis für eine breite Teilnahme an der Kapitalerhöhung. Mit einer Ausübungsquote von 99,0 % ist das Angebot nahezu vollständig bezogen. Für Anleger bleibt allerdings eine wichtige Unterscheidung: Das Bezugsergebnis ist nicht mit der abgeschlossenen Abwicklung gleichzusetzen. Die Lieferung und der Handelsbeginn der neuen Aktien stehen unter einem Vorbehalt.
Bezugsergebnis mit starker Beteiligung des Syndikats
Insgesamt wurden 34.411.626 neue Aktien bezogen. Die begrenzte Zahl nicht bezogener Aktien sollen die Konsortialbanken am Markt verkaufen. Damit konzentrieren sich die verbleibenden Platzierungsschritte auf den nicht ausgeübten Teil des Angebots.
Die hohe Beteiligung ist ein konkretes Signal für die Annahme des Bezugsangebots. Sie beantwortet aber eine andere Frage als die nach der künftigen Geschäftsentwicklung. Aus der Ausübungsquote allein lässt sich keine Aussage über Umsatz, Ertrag oder die weitere Kursentwicklung ableiten.
Nach einem Bericht der APA entfielen 18.159.291 der bezogenen Aktien auf das Syndikat aus B&C-Gruppe und Suzano S.A. Diese Beteiligung ist im gesamten Bezugsergebnis bereits enthalten. Sie kommt also nicht zusätzlich zu den insgesamt bezogenen Aktien hinzu.
Auch auf Vorstandsebene gab es Beteiligung: Georg Kasperkovitz und Christian Skilich übten am 12. Oktober Bezugsrechte aus. Diese Transaktionen dokumentieren die Teilnahme beider Vorstandsmitglieder am Angebot. Eine eigenständige Prognose für die Aktie liefern sie nicht.
Abwicklung bleibt an Voraussetzung gebunden
Lenzing sieht den Beginn der Abwicklung und Lieferung sowie den Handel der neuen Aktien unter der bestehenden ISIN für den 23. Oktober vor. Voraussetzung ist die Eintragung der Kapitalerhöhung im Firmenbuch. Der Termin ist damit vorgesehen, aber nicht unabhängig von dieser Bedingung gesichert.
Für Anleger sind deshalb die einzelnen Schritte auseinanderzuhalten: Die Ausübung der Bezugsrechte ist im vorläufigen Ergebnis erfasst. Der Verkauf der verbliebenen Aktien durch die Konsortialbanken soll folgen. Lieferung und Handelsaufnahme bilden anschließend einen weiteren Schritt.
Die Einordnung lautet damit: Das Bezugsangebot hat eine hohe Annahme erreicht, während der vollständige Vollzug noch an konkrete Voraussetzungen gebunden ist. Entscheidend ist nicht allein die Beteiligungsquote, sondern ebenso die Umsetzung der angekündigten Abwicklung. Das vorläufige Ergebnis belegt die Nachfrage nach dem Angebot; es ersetzt weder dessen Abschluss noch eine operative Bewertung von Lenzing.
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