Der Faserhersteller Lenzing hat am vergangenen Mittwoch seine Zahlen für das erste Halbjahr 2026 vorgelegt. Dabei konnte das Unternehmen das Nettoergebnis nach Steuern auf 35,6 Millionen Euro mehr als verdoppeln. Im Vorjahreszeitraum hatte der Gewinn noch bei 15,2 Millionen Euro gelegen.
Strategische Neuausrichtung belastet den Umsatz
Der Konzernumsatz sank im Berichtszeitraum auf 1,27 Milliarden Euro nach 1,34 Milliarden Euro im Vorjahr. Dieser Rückgang war nach Unternehmensangaben eine bewusste Entscheidung. Lenzing reduzierte margenschwache Volumina, um die Profitabilität zu steigern. Das operative Ergebnis (EBITDA) belief sich in den ersten sechs Monaten auf 239,2 Millionen Euro.
Die operative Entwicklung wird von einem umfassenden Umbau begleitet. Unter der Leitung von Georg Kasperkovitz, der im Juni den Vorstandsvorsitz übernahm, forciert das Unternehmen die Strategie „Grow Nonwovens, Reset Textiles“. Dies bedeutet einen harten Einschnitt für die Produktion. Die Standorte Heiligenkreuz in Österreich und Grimsby in Großbritannien sollen bis Ende 2026 beziehungsweise 2027 geschlossen werden.
Massive Wertminderungen und Personalabbau
Die Standortoptimierung hat erhebliche finanzielle Konsequenzen für das laufende Geschäftsjahr. Lenzing kündigte nicht zahlungswirksame Wertminderungen auf Sachanlagen von bis zu 150 Millionen Euro an. Hinzu kommen Restrukturierungsrückstellungen in Höhe von bis zu 40 Millionen Euro. Der Konzern beabsichtigt zudem, bis Ende 2027 weltweit rund 2.000 Arbeitsplätze abzubauen.
Parallel dazu treibt Lenzing die Trennung von Randbereichen voran. Medienberichten zufolge wird der Verkaufsprozess für den indonesischen Standort PT South Pacific Viscose fortgesetzt. Das Ziel bleibt eine schlankere Struktur und eine stabilere Bilanz. Der Free Cashflow verbesserte sich bereits leicht auf 45,8 Millionen Euro.
Refinanzierungspaket vor entscheidender Hürde
Zur langfristigen Absicherung der Finanzen hat Lenzing ein Refinanzierungspaket über insgesamt 600 Millionen Euro geschnürt. Ein zentraler Bestandteil ist eine Bezugsrechtskapitalerhöhung im Volumen von bis zu 300 Millionen Euro. Hierüber sollen die Aktionäre am 25. August auf einer außerordentlichen Hauptversammlung entscheiden.
Die Kernaktionäre signalisieren bereits volle Unterstützung für diesen Schritt. Die B&C Gruppe und Suzano S.A. haben sich im Rahmen ihres Syndikats verpflichtet, anteilig an der Kapitalerhöhung teilzunehmen. Dies entspricht einem Gesamtbetrag von rund 156,7 Millionen Euro. Zudem liegt eine verbindliche Zusage der Oberbank über bis zu 11,6 Millionen Euro vor.
Am Kapitalmarkt spiegelt sich die angespannte, aber stabilisierte Lage wider. Die Aktie beendete den Handel am vergangenen Freitag bei 23,85 Euro. Damit notiert das Papier aktuell rund 19,83 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch. Seit Beginn des Jahres verzeichnet der Wert jedoch ein Plus von 2,58 Prozent.
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