Der oberösterreichische Faserhersteller Lenzing strukturiert den angekündigten Rückzug aus dem burgenländischen Standort Heiligenkreuz. Ziel der Konzernführung ist es, noch vor dem Jahresende einen Käufer für das Areal und die dortigen Industrieanlagen festzulegen.
Fahrplan für den Standortverkauf steht
Die Veräußerung ist eine direkte Folge des Beschlusses, die Produktion von Lyocell am Standort Heiligenkreuz mit dem Ende des Jahres 2026 vollständig einzustellen. Für das Werk und die vorhandenen Industrieanlagen verzeichnet das Unternehmen ein breites Echo. Nach offiziellen Angaben haben sich bereits mehr als 30 Interessenten aus dem In- und Ausland gemeldet.
Der anstehende Prozess ist eng getaktet. Ab Mitte Oktober erhalten die potenziellen Erwerber Einblick in die wirtschaftlichen Basisdaten des Werks, um auf dieser Grundlage unverbindliche Angebote einzureichen.
Das Management strebt an, die Verhandlungen bis zum Ende des laufenden Jahres so weit voranzutreiben, dass ein neuer Eigentümer feststeht. Damit soll rechtzeitig vor dem geplanten Produktionsstopp Klarheit für die industrielle Zukunft des Standorts herrschen.
Umbau im Zeichen hoher Kosten
Der Schritt reiht sich in umfassende Restrukturierungsmaßnahmen ein. Vor über einem Monat hatte das Unternehmen die Konsolidierung der Faserproduktion eingeleitet, um auf veränderte Marktbedingungen zu reagieren.
Die Faserbranche steht seit Längerem vor spürbaren Herausforderungen: Medienberichten zufolge zwingen unter anderem hohe Gaspreise den Konzern dazu, Produktionsmengen zu reduzieren. In diesem Zusammenhang wurde auch Kurzarbeit für betroffene Mitarbeiter als mögliche Konsequenz genannt.
Zugleich versucht das Unternehmen, die strategische Ausrichtung neu zu ordnen.
Neben den operativen Sparmaßnahmen bemüht sich Lenzing um Fortschritte bei ökologischen Produkten. Die Kooperation mit der Marke Armedangels wurde unter dem Titel „The Power of Collaboration: Driving Innovation for a More Sustainable Textile Industry“ gewürdigt. Die International Textile Manufacturers Federation verlieh dem Vorhaben den International Collaboration Award 2026.
Aktienkurs spiegelt Herausforderungen wider
An den Finanzmärkten bleibt die Stimmung rund um den Faserproduzenten dennoch vorsichtig. Am Freitag ging die Lenzing-Aktie mit einem Minus von 1,2 Prozent bei 20,65 Euro aus dem Handel. Der Börsenwert des Unternehmens liegt bei 801,33 Millionen Euro. Für Anleger kommt es nun darauf an, ob die Verhandlungen über den Werkverkauf planmäßig verlaufen und der Konzernumbau die Kostenbasis wie beabsichtigt entlastet.
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