Für Lenzing rückt im November 2026 die Angebotsphase im Verkaufsverfahren für das Werk Heiligenkreuz in den Mittelpunkt. Der Ausgang ist offen: Ein Verkauf bleibt das Ziel, die Schließung ist weiterhin als „Plan B“ vorgesehen. Für Anleger entscheidet sich damit nicht allein die Zukunft eines Standorts. Das Verfahren ist auch Teil der Neuausrichtung hin zu weniger Textilfasern und mehr Vliesstoffen sowie Zellstoff.
Interessenten müssen konkrete Angebote vorlegen
Im September hatte Lenzing rund 30 Interessenten für Heiligenkreuz genannt. Die angekündigte Angebotsphase bildet den nächsten Schritt im Verkaufsprozess. Die Zahl der Interessenten ist dabei noch nicht mit verbindlichen Angeboten oder einem gesicherten Verkauf gleichzusetzen.
Damit verschiebt sich der Blick von der grundsätzlichen Käufersuche auf die Frage, ob daraus ein tragfähiger Abschluss entsteht. Das ist die entscheidende Einschränkung für die Bewertung der Standortperspektive: Das laufende Verfahren eröffnet eine Verkaufsoption, beseitigt das Schließungsrisiko aber nicht.
Die vor gut einer Woche bekannt gewordene Verschiebung des Produktionsendes schafft dafür einen längeren betrieblichen Rahmen. Das Werk soll bis Ende März 2027 mit voller Mannschaft weiterproduzieren. Ursprünglich war das Produktionsende für Ende 2026 angekündigt. Betroffen sind 285 Beschäftigte.
Während dieser Zeit sollen Bestände verarbeitet und die fortzuführende Faserproduktion an andere Konzernstandorte verlagert werden. Der verlängerte Betrieb bedeutet deshalb nicht automatisch eine dauerhafte Fortführung von Heiligenkreuz innerhalb des Konzerns.
Die Anlage produziert jährlich über 80.000 Tonnen Lyocellfasern. Für den Fall eines ausbleibenden Verkaufs ist ein Sozialplan ausgehandelt. Damit stehen Verkaufsbemühungen und Vorsorge für eine Schließung nebeneinander.
Finanzierung und Standortentscheidung bleiben getrennte Aufgaben
Die Ende Oktober abgeschlossene Kapitalerhöhung brachte Lenzing einen Erlös von 301 Mio. Euro. Die Bezugsrechte wurden zu 99 % ausgeübt. Die Mittel dienen der Finanzierung der neuen Strategie.
Diese finanzielle Grundlage ist von der operativen Umsetzung zu unterscheiden. Frisches Kapital entscheidet nicht darüber, ob sich ein Käufer für Heiligenkreuz findet. Ebenso wenig ersetzt es die geplante Verlagerung der fortzuführenden Produktion.
Für Anleger liegt der nächste konkrete Prüfpunkt deshalb im Verkaufsverfahren. Entscheidend ist, ob die Angebotsphase einen Verkauf ermöglicht oder Lenzing auf die vorbereitete Schließungsoption zurückgreifen muss. Die verlängerte Produktion hält den Standort zunächst in Betrieb; seine langfristige Perspektive bleibt an den Ausgang dieses Verfahrens gebunden.
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