Die Lenzing AG treibt ihre finanzielle und strategische Neuausrichtung weiter voran. Am heutigen Montag hat der Faserhersteller offiziell eine außerordentliche Hauptversammlung für den 25. August 2026 einberufen. Im Zentrum der Versammlung steht die Beschlussfassung über eine Bezugsrechtskapitalerhöhung, mit der das Unternehmen bis zu 300 Millionen Euro an frischem Kapital aufnehmen möchte. Laut einer Mitteilung über EQS News werden zudem Wahlen zum Aufsichtsrat auf der Tagesordnung stehen.
Finanzielle Absicherung durch Kernaktionäre
Die geplante Kapitalmaßnahme ist bereits zu einem erheblichen Teil durch Zusagen aus dem bestehenden Aktionärskreis abgesichert. Wie die Wiener Börse am 27. Juli berichtete, haben die Kernaktionäre B&C Gruppe und Suzano S.A. im Rahmen ihres Syndikats eine verbindliche Zusage erteilt, sich pro rata mit insgesamt rund 156,7 Millionen Euro an der Erhöhung zu beteiligen. Zusätzlich hat sich die Oberbank AG verpflichtet, die Maßnahme mit bis zu 11,6 Millionen Euro zu unterstützen.
Die Stärkung der Kapitalbasis erfolgt vor dem Hintergrund einer hohen Verschuldung. Zum Stichtag am 30. Juni 2026 belief sich die Nettofinanzverschuldung des Konzerns laut Bloomberg auf 1,36 Milliarden Euro. Mit den neuen Mitteln soll die Bilanzstruktur des Unternehmens stabilisiert werden, um den laufenden Umbau zu finanzieren.
Strategische Neuausrichtung und Standortschließungen
Unter der Leitung von Georg Kasperkovitz, der seit dem 1. Juni als Vorstandsvorsitzender fungiert, verfolgt Lenzing das strategische Leitmotiv „Grow Nonwovens, Reset Textiles“. Ziel ist ein deutlicher Ausbau des Geschäfts mit Vliesstoffanwendungen bis zum Jahr 2030. Damit geht eine Straffung des Produktionsnetzwerkes einher.
Wie dpa-AFX berichtet, plant das Unternehmen den Ausstieg aus zwei internationalen Standorten. Das Faserwerk in Heiligenkreuz soll bis Ende 2026 geschlossen werden, der Standort Grimsby in Großbritannien folgt bis Ende 2027. Die Produktion von Spezialfasern wird künftig an den Kernstandorten konzentriert, um die Effizienz zu steigern und die Kostenstruktur zu optimieren.
Vorläufige Quartalszahlen und Ergebnisausblick
Trotz der operativen Fortschritte belasten Einmaleffekte das laufende Geschäftsjahr. Lenzing rechnet für 2026 mit nicht zahlungswirksamen Wertminderungen auf Sachanlagen in einer Größenordnung von bis zu 150 Millionen Euro. Hinzu kommen erwartete Restrukturierungsrückstellungen für Personalmaßnahmen von bis zu 40 Millionen Euro.
Operativ zeigte das zweite Quartal 2026 eine Aufwärtstendenz. Nach vorläufigen Zahlen stieg das EBITDA auf 123 Millionen Euro, nachdem im Vorjahreszeitraum 112 Millionen Euro erzielt worden waren. Die EBITDA-Marge verbesserte sich auf 19 %. Mittelfristig strebt das Management eine Marge zwischen 20 % und 25 % sowie eine Reduzierung des Verschuldungsgrads auf unter 2,5x an.
An der Börse wurde die Konkretisierung der Kapitalpläne positiv aufgenommen. Die Aktie legte heute um 4,70 % zu und notiert bei 24,50 €. Seit Jahresanfang verbesserte sich der Wert damit um 5,38 %.
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