Nach einer Megakursrallye im Mai und Juni bricht die Lenovo-Aktie am Montagvormittag fast zweistellig ein. Was steckt hinter dem Kurssturz des chinesischen Computerriesen?
In der Klemme
Der Hauptauslöser für den heutigen Dämpfer der Lenovo-Aktie war ein Auftritt von Lenovo-Manager Martin Hiegl auf der Fachkonferenz ISC 2026 in Hamburg. Dort dämpfte das Management jegliche Hoffnung auf bald sinkende Produktionskosten und schockierte die Anleger mit einer düsteren Prognose.
Lenovo geht davon aus, dass die Preise für Arbeitsspeicher (DRAM) und Flash-Speicher (NAND) für mindestens fünf Jahre extrem hoch bleiben und nicht mehr auf das Niveau von vor 2025 zurückkehren werden. Schuld an dieser Speicherkrise ist der weltweite Boom von künstlicher Intelligenz.
Die Chiphersteller konzentrieren ihre Wafer-Produktion massiv auf extrem profitablen High-Bandwidth Memory (HBM) für KI-Server. Dadurch fehlen weltweit die Kapazitäten für Standard-Arbeitsspeicher, was die Preise explodieren lässt. Im ersten Quartal 2026 sind die DRAM-Preise um rund 90 Prozent gegenüber dem Vorquartal in die Höhe geschossen.
Lenovo steckt nun in einer Zwickmühle, die Analysten nervös macht. Der Konzern hatte sich eigentlich das strategische Ziel gesetzt, seine Nettomarge schrittweise von mageren drei auf fünf Prozent und langfristig auf acht Prozent zu steigern. Angesichts der dauerhaft explodierenden Einkaufspreise für Komponenten bezweifeln Investoren nun, dass Lenovo diese Profitabilitätsziele einhalten kann.
Einbruch des PC-Marktes?
Um die Kosten abzufedern, muss Lenovo die Preise für Laptops, PCs und Tablets spürbar anheben. Marktforscher wie Gartner befürchten bereits, dass diese Preiserhöhungen die weltweiten PC-Auslieferungen um gut zehn Prozent einbrechen lassen könnten, weil Endverbraucher und Unternehmen Neuanschaffungen aufschieben.
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