Lenovo hat nach eigenen Angaben das stärkste Quartal seiner Firmengeschichte hingelegt – und trotzdem steht unter dem Strich ein Verlust. Der Widerspruch erklärt sich schnell, sobald man unter die Oberfläche schaut.
Der Konzernumsatz kletterte im ersten Fiskalquartal um 43 Prozent auf einen Rekordwert von 26,9 Milliarden Dollar und übertraf die Erwartungen der Analysten um mehr als 20 Prozent. Der bereinigte Nettogewinn stieg um 176 Prozent auf 1,1 Milliarden Dollar – erstmals über der Milliardenmarke. Unter dem Strich blieb dennoch ein Verlust von 609 Millionen Dollar, verglichen mit einem Gewinn von 505 Millionen Dollar im Vorjahresquartal.
Warum der Verlust nichts über das operative Geschäft aussagt
Der Grund für die rote Zahl liegt nicht im Kerngeschäft. Eine nicht zahlungswirksame Neubewertung von Wandelanleihe-Optionsscheinen in Höhe von 1,7 Milliarden Dollar drückte das ausgewiesene Ergebnis – ausgelöst gerade durch die starke Kursentwicklung der Aktie selbst. Bereinigt um diesen Effekt zeigt sich ein deutlich anderes Bild: operative Marge und Nettomarge legten um jeweils rund zwei Prozentpunkte zu.
Besonders das Infrastrukturgeschäft (ISG) sorgte für Aufsehen. Der Umsatz verdoppelte sich nahezu auf 8,5 Milliarden Dollar, die operative Marge erreichte mit 9,1 Prozent einen Rekordwert. Das klassische Gerätegeschäft mit PCs und Smartphones wuchs derweil um 27 Prozent auf 17,1 Milliarden Dollar, angetrieben von einem Tablet-Plus von über 80 Prozent.
KI-Server-Pipeline wächst schneller als das Geschäft selbst
Die KI-bezogenen Umsätze stiegen um 60 Prozent auf über 9 Milliarden Dollar und machen inzwischen 35 Prozent des Konzernumsatzes aus. Auffälliger noch ist die Pipeline für KI-Server: Sie wuchs binnen eines Quartals um 157 Prozent auf 54 Milliarden Dollar. Das Management betont dabei, dass es sich um Kundenengagements und künftige Aufträge handelt, nicht um bereits verbuchte Bestellungen.
Lenovo rückte im x86-Servermarkt auf Platz zwei weltweit vor und gewann laut eigenen Angaben im PC-Geschäft im zwölften Quartal in Folge Marktanteile. Für die zweite Jahreshälfte rechnet der Konzern allerdings mit einem Rückgang des PC-Marktvolumens um rund 15 Prozent und einem Einbruch der Smartphone-Stückzahlen um etwa 20 Prozent – höhere Durchschnittspreise und ein besserer Produktmix sollen das kompensieren.
Für Diskussionsstoff dürfte vor allem die vorgezogene Zielmarke sorgen: Das ursprünglich für zwei Jahre angesetzte Umsatzziel von 100 Milliarden Dollar will Lenovo nach eigener Aussage nun bereits im laufenden Fiskaljahr erreichen. Langfristig visiert der Konzern 130 Milliarden Dollar Jahresumsatz und eine Nettomarge von über 5 Prozent an – aktuell liegt sie bei 4 Prozent.
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