Leggett & Platt-Aktie: Kein Schnäppchen, aber immerhin ein Ausweg!

Somnigroup übernimmt Zulieferer Leggett & Platt in Aktientausch. Die Transaktion birgt Chancen durch Synergien, aber auch Risiken durch den Verlust neutraler Kunden.

Auf einen Blick:
  • Somnigroup übernimmt Leggett & Platt in einem reinen Aktientausch im Verhältnis 0,1455 SGI-Aktien je LEG-Aktie
  • Gesamtvolumen der Transaktion: rund 2,5 Milliarden Dollar, Abschluss bis Ende 2026 erwartet
  • Erwartete Synergien von 50 Millionen Dollar EBITDA, dazu Ausbau der Vertikalisierung und des adressierbaren Markts
  • Kanzlei KSF prüft, ob der Preis die Leggett-Aktionäre angemessen entschädigt

Die Aktie von Leggett & Platt sprang nach der Bestätigung des Deals mit Somnigroup International um rund 12 Prozent nach oben. Und trotzdem liegt der Kurs noch unter dem Niveau, auf dem er vor einigen Monaten stand. Das sagt eigentlich alles über die Geschichte dieser Aktie.

Nun also die Übernahme. Somnigroup schluckt Leggett & Platt in einem reinen Aktientausch: 0,1455 SGI-Aktien je LEG-Aktie, Gesamtvolumen rund 2,5 Milliarden Dollar. Wer die SGI-Aktie bei etwa 79 Dollar ansetzt, kommt auf einen impliziten Wert von ungefähr 11,50 Dollar je LEG-Aktie. Gehandelt wird Leggett aktuell mit einem kleinen Abschlag darunter, was angesichts der üblichen Unsicherheiten bis zum Abschluss Ende 2026 nicht überrascht.

Leggett & Platt Aktie Chart

50 Jahre Partnerschaft, jetzt Übernahme

Somnigroup und Leggett & Platt arbeiten seit rund 50 Jahren zusammen. Leggett war Zulieferer, Somnigroup Abnehmer. Jetzt holt Somnigroup den alten Partner einfach ins Haus. Die Logik dahinter ist nachvollziehbar: Wer seinen wichtigsten Zulieferer besitzt, kontrolliert Technologie, Lieferkette und Marge gleichermaßen. Demnach ist das hier weniger ein klassischer Zukauf als vielmehr eine Internalisierung einer seit Jahrzehnten bestehenden Abhängigkeit.

Die erwarteten Synergien beziffert Somnigroup auf 50 Millionen Dollar EBITDA, davon schon rund 10 Millionen im ersten Jahr. Hinzu kommt eine deutliche Erweiterung des adressierbaren Markts: Die kombinierte Gesellschaft wird nicht mehr nur Bettwarenunternehmen sein, sondern auch Möbel, Bodenbeläge und Textilien im Portfolio haben.

Wo der Haken sitzt

Leggett & Platt war bislang ein neutraler Zulieferer, also auch für Wettbewerber von Somnigroup. Genau das ändert sich jetzt. Ob die Konkurrenten von Somnigroup weiterhin bereit sind, bei einem Tochterunternehmen ihres größten Rivalen einzukaufen, ist offen. Somnigroup will Leggett operativ eigenständig halten, was den Schaden begrenzen soll. Ob das reicht, wird sich zeigen.

Dazu kommt der übliche M&A-Vorbehalt: Was auf dem Papier glatt aussieht, geht in der Praxis selten glatt. Systemintegration, Vertragsanpassungen, Unternehmenskultur. Das alles kostet Zeit und Geld, bevor die Synergien tatsächlich fließen.

Und dann ist da noch die Kanzlei

Die Anwaltskanzlei Kahn Swick & Foti, geführt vom früheren Attorney General von Louisiana, Charles C. Foti Jr., untersucht bereits, ob der Tauschkurs die Leggett-Aktionäre fair entschädigt oder ob die Aktie unterbewertet angeboten wird. Solche Untersuchungen sind in den USA nach Übernahmeankündigungen fast schon Routine, dennoch ist es ein Zeichen, dass nicht alle Aktionäre begeistert sind.

Das kombinierte Unternehmen käme auf einen Umsatz von rund 11,2 Milliarden Dollar und ein bereinigtes EBITDA von etwa 1,7 Milliarden Dollar. Beim aktuellen Enterprise Value von Somnigroup ergibt sich ein EV/EBITDA von ungefähr 13,5x, nach Abschluss wohl eher höher. Der Markt preist bereits einen EPS-CAGR von plus 20 Prozent ein. Wer das glaubt, kann halten. Wer skeptisch ist, findet vermutlich gute Gründe dafür.

Für Leggett-Aktionäre ist es ein anständiger Ausweg aus einem schwierigen Einzelwert. Mehr aber auch nicht.

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