Sieben Prozent Minus an einem Tag, an dem der breite Markt kaum reagiert. Lam Research trifft es an diesem Freitag besonders hart, während Nasdaq und S&P 500 die gleichen Konjunkturdaten fast ignorieren. Der Grund liegt in einer gefährlichen Mischung aus Makro-Nervosität und einer Bewertung, die nach der Rekordrally des Jahres kaum noch Fehler verzeiht.
Schwache Jobdaten lösen die Talfahrt aus
Die Aktie des Chipausrüsters fiel im Vormittagshandel auf rund 364 Dollar. Zum Handelsstart lag der Kurs noch bei 390 Dollar, das Tagestief markierte 363,50 Dollar. Auslöser war ein enttäuschender ADP-Bericht zu den privaten Arbeitsplätzen im Juni: Firmen schufen nur 98.000 neue Stellen, deutlich weniger als erwartet.
Die Daten verunsichern Investoren zusätzlich, weil der offizielle Arbeitsmarktbericht wegen des Feiertags am Independence Day vorgezogen wurde. Zur Unsicherheit trägt auch Fed-Chef Kevin Warsh bei. Sein geplanter Auftritt beim Jahressymposium der EZB in Portugal sorgt für neue Fragen zur künftigen Geldpolitik.
Der ganze Sektor gerät unter Druck
Lam Research steht mit dem Kursrutsch nicht allein da. Micron, SanDisk und Marvell verlieren im selben Handelstag ebenfalls deutlich. Auch TSMC gerät unter Druck, nachdem das kombinierte Umsatzwachstum für April und Mai die hochgesteckten Erwartungen der Wall Street verfehlt hat.
Das nährt Zweifel, ob die KI-getriebene Nachfrage nach Wafer-Fab-Ausrüstung an Tempo verliert. Bemerkenswert ist der Kontrast zum breiten Markt: Der Nasdaq gibt nur 0,3 Prozent nach, der S&P 500 notiert sogar leicht im Plus. Lam Research hinkt der Gesamtentwicklung damit dramatisch hinterher.
Analysten verweisen auf mehrere Faktoren, die zusammenkommen: eine ambitionierte Bewertung nach der Rally im ersten Halbjahr, strukturelle Sorgen rund um das China-Geschäft und Insider-Verkäufe. Dazu kommt die aktuelle Makro-Gemengelage aus schwachen Arbeitsmarktdaten und Fed-Unsicherheit. Erst wenige Tage zuvor hatten mehrere Häuser ihre Kursziele noch kräftig angehoben — nun schlägt die Stimmung um.
Die Bewertung steht auf dem Prüfstand
Der Kursrutsch wirft eine grundsätzliche Frage auf: Wie viel Luft nach oben bleibt nach der historischen Rally überhaupt noch? Lam Research handelt aktuell zu einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von etwa 80,8. Das liegt über dem Branchenschnitt von 75,5 und auch über dem Durchschnitt der direkten Vergleichsgruppe von 73,3.
Simply Wall St berechnet für Lam Research ein faires KGV von rund 60,8 — unter Berücksichtigung von Wachstum, Profitabilität, Größe und Risiko. Der aktuelle Multiplikator von 80,8 bedeutet: Investoren zahlen derzeit eine spürbare Prämie gegenüber einem ausgewogenen Bewertungsniveau.
Trotz der Volatilität bleibt die Wall Street mehrheitlich zuversichtlich. Susquehanna hob das Kursziel von 385 auf 475 Dollar an und bestätigte die positive Einstufung. Cantor Fitzgerald erhöhte sein Ziel von 425 auf 500 Dollar und begründete dies mit Marktanteilsgewinnen von Lam im Bereich der Halbleiter-Fertigungsausrüstung.
Robuste Geschäftszahlen im Hintergrund
Der schnelle Stimmungswechsel zeigt, wie empfindlich hochbewertete KI-Infrastrukturwerte auf Makro-Überraschungen reagieren — selbst wenn das operative Geschäft intakt bleibt. In den ersten neun Monaten des Geschäftsjahres 2026 wuchs der Umsatz von Lam Research um 24,4 Prozent auf 16,5 Milliarden Dollar. Die Prognose für das vierte Quartal von 6,6 Milliarden Dollar würde den Jahresumsatz auf 23,1 Milliarden Dollar treiben, ein Plus von 25 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Ob sich die Aktie stabilisiert, hängt in den kommenden Tagen vor allem von zwei Faktoren ab: den anstehenden Arbeitsmarktzahlen und den geldpolitischen Signalen aus Portugal. Bestätigt sich zudem, dass die Nachfrage nach Speicher- und Foundry-Ausrüstung im zweiten Halbjahr intakt bleibt, dürfte sich der Blick der Anleger wieder stärker auf die Fundamentaldaten richten.
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