Starke Segmente, schwacher Cashflow, nervöse Shortseller: Bei Kontron passt das Bild derzeit nicht in eine einfache Schublade. Operativ liefern Defense und Transportation Rückenwind. Der Umbau der GreenTec-Sparte kostet aber Geld und Geduld.
Die Aktie schloss am Freitag bei 22,90 Euro, ein Tagesminus von 0,43 Prozent. Auf Sicht von 30 Tagen steht dennoch ein Plus von 11,38 Prozent.
Wachstum kommt aus den richtigen Ecken
Im ersten Quartal zeigte Kontron vor allem dort Stärke, wo der Konzern strategisch wachsen will. Das Segment Transportation legte um 27,8 Prozent zu, Defense wuchs um 25,2 Prozent. Das ist wichtig, weil beide Bereiche von strukturellen Trends profitieren.
Im Verteidigungsgeschäft treiben höhere Militärausgaben die Nachfrage. Im Transportbereich hilft der Ausbau moderner Infrastruktur. Kontron verweist bei Technologien wie VPX, FRMCS und AI Cybersecurity auf eine führende Marktposition.
Der Umsatz stieg auf vergleichbarer Basis um 1,7 Prozent auf 363,7 Millionen Euro. Bereinigt wurde dabei um verkaufte Einheiten und das entkonsolidierte COM-Geschäft. Das Wachstum wirkt deshalb solider, als es auf den ersten Blick erscheint.
GreenTec bleibt der Bremsklotz
Die größte Baustelle heißt GreenTec. Restrukturierungskosten von 8,5 Millionen Euro belasteten das EBITDA. Kontron baut in diesem Zusammenhang bereits mehrere Hundert Stellen ab.
Bis August 2026 sollen insgesamt 500 Jobs wegfallen. Das Management peilt daraus jährliche Einsparungen von mehr als 30 Millionen Euro an. Die Sparte soll im vierten Quartal 2026 wieder profitabel arbeiten.
Der Cashflow zeigt, warum der Markt noch nicht entspannt ist. Im ersten Quartal lag der operative Cashflow bei minus 9,1 Millionen Euro. Im Vorjahr hatte Kontron noch einen positiven Wert erzielt.
Als Grund nennt das Unternehmen höhere Lagerbestände durch Lieferkettenprobleme. Nicht ausgelieferte Kundenbestellungen sollen bis zum Jahresende abgearbeitet werden. Das Ziel: weniger Kapitalbindung und mehr Spielraum im operativen Geschäft.
Software rückt stärker nach vorn
Kontron setzt parallel stärker auf Software und sichere industrielle Vernetzung. Ein Signal dafür ist die Partnerschaft mit TeamViewer. Kontron liefert Hardware und Betriebssystem für ein Gateway zum sicheren Zugriff auf industrielle OT-Systeme.
Die Lösung basiert auf KBox-A-Gateways und KontronOS. Sie zielt auch auf Anforderungen wie den EU Cyber Resilience Act. Im ersten Quartal floss mehr als die Hälfte der Entwicklungsaufwendungen in Software + Solutions.
Die Prognose bleibt ambitioniert. Für 2026 erwartet der Vorstand trotz verkaufter Einheiten einen Umsatz leicht über Vorjahr. Beim bereinigten EBITDA steht weiter ein Ziel von 225 Millionen Euro im Raum.
Größere Akquisitionen pausieren vorerst. Kontron setzt stattdessen auf organisches Wachstum und Effizienz. Langfristig hält das Management am EBITDA-Ziel von rund 420 Millionen Euro bis 2030 fest.
Leerverkäufer bleiben ein Störfaktor. Fosse Capital Partners hält mit 1,53 Prozent die größte bekannte Short-Position, Boldhaven folgt mit 1,14 Prozent. Der Aktienkauf von CEO Hannes Niederhauser am 7. Mai setzte dagegen ein kleines Vertrauenssignal.
Bis zur Hauptversammlung Ende Juni dürften drei Punkte den Takt vorgeben: der GreenTec-Fortschritt, der Abbau der Lieferketteneffekte und die Frage, ob Defense und Transportation ihr hohes Tempo halten. Genau dort entscheidet sich, ob die jüngste Kurserholung fundamental mehr Rückhalt bekommt.
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