Nach dem Abschluss des Pflichtangebots durch den taiwanischen Hardware-Hersteller Ennoconn Corporation rückt bei Kontron wieder die operative Entwicklung in den Fokus. Während der Hauptaktionär die absolute Mehrheit knapp verfehlte, setzte der Vorstandschef des Technologiekonzerns ein deutliches Zeichen am Markt.
Wie das Unternehmen am Dienstag bekannt gab, sind mittlerweile alle Bedingungen für das Übernahmeangebot von Ennoconn erfüllt. Dazu zählte insbesondere die notwendige FDI-Freigabe durch die deutschen Behörden. Die Abwicklung der Transaktion ist für den 20. August vorgesehen.
Nach der jüngsten Berichtigung einer Stimmrechtsmitteilung durch eine Zahlstelle hält Ennoconn nun einen Anteil von insgesamt 48,36 % an Kontron. Eine weitere Aufstockung der Beteiligung ist laut Angaben des taiwanischen Konzerns derzeit nicht geplant.
Parallel zu diesem strategischen Meilenstein signalisierte die Unternehmensführung Vertrauen in die eigene Aktie. Medienberichten zufolge erwarb CEO Hannes Niederhauser am gestrigen Mittwoch über den regulierten Markt insgesamt 3.000 Anteilscheine zu einem Durchschnittskurs von 21,76 EUR.
Im heutigen Handel legte das Papier um 1,0 % zu und notiert aktuell bei 21,88 EUR. Trotz dieser Stabilisierung spiegelt der Kursverlauf die Herausforderungen des laufenden Jahres wider: Seit Jahresbeginn büßte die Aktie 4,5 % an Wert ein.
Rekordauftragsbestand puffert Restrukturierungskosten
Operativ blickt Kontron auf ein ereignisreiches erstes Halbjahr zurück. Der am vergangenen Donnerstag veröffentlichte Zwischenbericht zeigt ein zweigeteiltes Bild. Während der Konzernumsatz leicht auf 737,1 Mio. EUR stieg, verbesserte sich das bereinigte operative Ergebnis (EBITDA) deutlich auf 100,8 Mio. EUR nach 90,9 Mio. EUR im Vorjahreszeitraum.
Belastet wurde das Ergebnis hingegen durch Einmaleffekte. Der Nettogewinn sank im ersten Halbjahr um rund 60 % auf 35 Mio. EUR. Ausschlaggebend hierfür waren Restrukturierungskosten in Höhe von 16,4 Mio. EUR, die primär im Segment Greentec anfielen.
Positiv bewerten Marktbeobachter die Auftragslage des Konzerns. Der Auftragsbestand erreichte zum Ende des zweiten Quartals einen Rekordwert von 2.750 Mio. EUR. Eine Book-to-Bill-Ratio von 1,55 unterstreicht die starke Nachfrage nach den Lösungen des Spezialisten für Industrie-Computer und IoT-Anwendungen.
Analysten halten an Kaufempfehlungen fest
Auf Basis der vorliegenden Zahlen und der bestätigten Jahresprognose zeigen sich viele Experten optimistisch. Der Vorstand erwartet für das Gesamtjahr 2026 weiterhin einen Umsatz von etwa 1,6 Mrd. EUR sowie ein bereinigtes EBITDA von 225 Mio. EUR vor Restrukturierungskosten. Bei einer Marktkapitalisierung von 1,06 Milliarden EUR sehen Analysten teils deutliches Aufwärtspotenzial.
Malte Schaumann, Analyst bei Warburg Research, bestätigte am vergangenen Freitag sein „Buy“-Rating und bezifferte das Kursziel auf 28,50 EUR. Auch die Experten von mwb research raten weiterhin zum Kauf der Aktie.
In ihrer jüngsten Analyse nach den Quartalszahlen bekräftigten sie ein Kursziel von 35,00 EUR. Sie verwiesen dabei insbesondere auf die starke Marktposition und den soliden Auftragsbestand des Unternehmens. Zwar stufte das Analysehaus Oddo BHF den Titel bereits Anfang August auf „Neutral“ herab, die Mehrheit der aktuellen Studien stützt jedoch das positive Szenario für die zweite Jahreshälfte.
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