Bei Kontron endet heute die Geduldsprobe. Mit dem Ablauf der Annahmefrist für das Pflichtangebot der taiwanischen Ennoconn Corporation fällt eine Vorentscheidung über die künftige Machtverteilung. Während Anleger noch bis Börsenschluss über die Offerte von 23,50 Euro entscheiden, bauen institutionelle Schwergewichte ihre Positionen um.
Strategische Züge der Großinvestoren
Die US-Investmentbank Goldman Sachs weitete ihren Anteil zuletzt auf 5,98 Prozent aus. Auch BlackRock überschritt die Meldeschwelle von vier Prozent der Stimmrechte. Im Gegensatz dazu agiert Morgan Stanley deutlich volatiler. Die Bank hielt zeitweise über acht Prozent der Anteile, reduzierte diese jedoch kurz vor dem Stichtag wieder.
Irritationen um Management-Verkäufe
Für Gesprächsstoff sorgen Eigengeschäfte der Geschäftsführung. Offiziell lehnen Vorstand und Aufsichtsrat das Angebot ab. Sie halten den Preis für finanziell nicht angemessen. Dennoch lieferten Führungskräfte Aktien aus Optionsprogrammen in das Angebot ein. Unternehmensnahe Kreise bezeichnen dies als rein technischen Schritt, um steuerliche Vorteile bei Vergütungsprogrammen zu nutzen.
Operatives Gegengewicht zur Übernahme
Das Management untermauert seine Eigenständigkeit mit neuen Großaufträgen. Kontron liefert künftig 150.000 5G-Module an einen führenden europäischen Autobauer. Zusätzlich verlängerte der Konzern einen Rahmenvertrag im Bahnsektor bis zum Jahr 2035. Dieser Auftrag umfasst ein Volumen von knapp 100 Millionen Euro für Wartung und Sicherheit.
Die Aktie notiert derzeit bei 22,94 Euro und bleibt damit unter dem Angebotspreis. Anleger blicken nun auf den August. Dann legt das Unternehmen seinen Halbjahresbericht vor. Diese Zahlen müssen beweisen, dass die Strategie ohne Ennoconn funktioniert. Im September folgt die detaillierte Wachstums-Roadmap auf dem Capital Markets Day.
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