Kontron liefert neue Erfolge im Bahn-Geschäft. Trotzdem lehnt der Vorstand ein Übernahmeangebot als zu niedrig ab. Die Aktie notiert am Mittwoch bei 23,02 Euro, ein Plus von 0,35 Prozent zum Vortag.
Großauftrag stützt den Wachstumskurs
Die Tochter Kontron Transportation hat einen wichtigen Rahmenvertrag verlängert. Der Partner ist ein europäischer Bahnbetreiber, dessen Name nicht genannt wird. Das Volumen liegt bei knapp 100 Millionen Euro.
Der Vertrag sichert Kontron Erlöse bis 2035. Eine Option verlängert die Laufzeit sogar bis 2040. Für den Vorstand ist der Deal mehr als nur ein Auftrag: Er belegt die operative Stärke des Konzerns – ein Argument gegen das aktuelle Übernahmeangebot.
Vorstand lehnt Ennoconn-Preis ab
Die taiwanesische Ennoconn Corporation bietet den Aktionären 23,50 Euro je Aktie. Vorstand und Aufsichtsrat von Kontron lehnen das Pflichtangebot offiziell ab. Sie nennen den Preis „finanziell nicht angemessen“.
Die Wirtschaftsprüfer von Ernst & Young stützen diese Haltung. Ihre Fairness Opinion sieht den Angebotspreis unterhalb einer angemessenen Bandbreite. Auch Analysten sehen mehr Wert in der Aktie: Das durchschnittliche Kursziel liegt bei 30,29 Euro, deutlich über dem Ennoconn-Gebot.
Einige Vorstandsmitglieder haben dennoch Teile ihrer Optionsaktien angedient. Als Grund nennen sie steuerliche Vorteile. CEO Hannes Niederhauser hält an seiner Kernposition fest. Er besitzt weiterhin über 1,4 Millionen Aktien und hat eine Nichtannahmevereinbarung unterschrieben.
Morgan Stanley erhöht den Einsatz
Die US-Investmentbank Morgan Stanley hat ihre Beteiligung ausgebaut. Laut aktuellen Stimmrechtsmitteilungen hält sie nun rund 8,18 Prozent an Kontron. Am Markt gilt dieser Schritt als Signal: Ein institutioneller Investor rechnet mit einem höheren fairen Wert, als Ennoconn derzeit bietet.
Kurs bleibt unter dem Angebotspreis
Der Kurs notiert weiter unter dem Ennoconn-Gebot von 23,50 Euro. Der 200-Tage-Durchschnitt liegt bei 22,79 Euro und bietet technischen Halt.
Zum 52-Wochen-Hoch von 28,66 Euro fehlen der Aktie noch rund 19,68 Prozent.
Die Annahmefrist für das Pflichtangebot endet am 27. Juli 2026. Bis zum Vollzug der Übernahme müssen aber noch Kartellbehörden in fünf Ländern zustimmen: Deutschland, den USA, Österreich, Frankreich und Taiwan. Ein schneller Abschluss ist deshalb unwahrscheinlich. Bis dahin dürfte die Aktie eng an zwei Faktoren hängen: die Entwicklung rund um Ennoconn und mögliche weitere operative Erfolgsmeldungen aus dem Konzern.
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