Vorstand und Aufsichtsrat des österreichischen IoT-Spezialisten haben das Pflichtangebot der taiwanischen Ennoconn Corporation über 23,50 Euro je Aktie offiziell als unangemessen zurückgewiesen. Grundlage der Ablehnung ist eine Fairness Opinion von Ernst & Young, die den gebotenen Preis unterhalb einer fairen Bewertungsspanne verortet. Damit positioniert sich die Unternehmensführung klar gegen die Offerte des eigenen Großaktionärs.
Fairness Opinion stützt Ablehnung
Die Einschätzung von Ernst & Young liefert den Aktionären nun eine unabhängige Bewertungsgrundlage für ihre Entscheidung. Der Zeitpunkt der Ablehnung ist heikel: Die Annahmefrist für das Übernahmeangebot läuft seit dem 29. Juni und endet bereits am 27. Juli 2026. Aktionären bleibt damit nur noch eine Woche, um über Annahme oder Ablehnung zu entscheiden – nun mit dem offiziellen Hinweis der eigenen Unternehmensspitze, dass der gebotene Preis aus deren Sicht zu niedrig angesetzt ist.
Ennoconn selbst hatte zuvor mit einer Insider-Meldung Zeichen gesetzt: Der Großaktionär erwarb im Rahmen von Directors‘ Dealings weitere 350.000 Aktien, offenbar um die eigene Offerte zu untermauern. Ob dies angesichts der jetzigen Zurückweisung durch Vorstand und Aufsichtsrat ausreicht, um weitere Aktionäre zur Andienung zu bewegen, bleibt offen.
Institutionelle Investoren positionieren sich neu
Parallel zum Übernahmepoker bewegen sich große Adressen im Aktionärsregister. Goldman Sachs Group überschritt die Meldeschwelle und hält nun 5,13 Prozent der Stimmrechte, primär über Finanzinstrumente aufgebaut. BlackRock meldete das Überschreiten der Vier-Prozent-Schwelle mit nun 4,07 Prozent. Gegenläufig bewegte sich Morgan Stanley: Das Haus reduzierte seine Position von zuvor 8,18 Prozent auf 6,96 Prozent der Stimmrechte. Die gegenläufigen Bewegungen kurz vor Fristende deuten auf unterschiedliche Einschätzungen der institutionellen Investoren zum Ausgang des Angebots hin.
Operatives Geschäft liefert Kontrapunkt
Während sich der Übernahmestreit zuspitzt, meldete die Tochtergesellschaft Kontron Transportation operative Fortschritte. Ein europäischer Bahnbetreiber unterzeichnete einen langfristigen Rahmenvertrag über Wartungs- und Security-Leistungen im Volumen von knapp 100 Millionen Euro. Die Laufzeit reicht bis 2035, mit einer Option auf Verlängerung bis 2040. Der Auftrag unterstreicht, dass das operative Geschäft trotz der Übernahmegemengelage weiterläuft.
Kursreaktion bislang verhalten
An der Börse zeigte sich die Aktie von der Zurückweisung zunächst wenig beeindruckt. Zum Wochenschluss notierte das Papier bei 23,00 Euro und damit knapp unterhalb des gebotenen Übernahmepreises von 23,50 Euro. Zum 52-Wochen-Hoch von 28,66 Euro, erreicht Ende Juli 2025, fehlen dem Kurs derzeit knapp ein Fünftel. Die Marktkapitalisierung liegt bei 1,44 Milliarden Euro.
Für Anleger rücken nun zwei Termine in den Fokus: Am 27. Juli läuft die Annahmefrist für das Ennoconn-Angebot aus, am 6. August folgt der Halbjahresbericht 2026. Bereits für den 16. September ist zudem ein Capital Markets Day angesetzt, auf dem das Unternehmen seine mittelfristigen Perspektiven weiter konkretisieren dürfte – unabhängig davon, wie der Übernahmeversuch ausgeht.
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