Kontron traut sich beim Kapitalmarkttag einiges zu: Der Konzerngewinn soll sich bis 2030 verdoppeln. Konzernchef Hannes Niederhauser setzt dabei auf ein Thema, das an der Börse seit Monaten für Fantasie sorgt – Künstliche Intelligenz in physischer Form.
KI-Hardware als neuer Wachstumsmotor
Von voraussichtlich 110 Millionen Euro Überschuss in diesem Jahr soll es bis Ende des Jahrzehnts auf 220 Millionen Euro gehen. Das mittelfristige Umsatzziel bleibt bei 2,6 Milliarden Euro bestehen – für das laufende Jahr rechnet Kontron mit rund 1,6 Milliarden Euro, also stabil zum Vorjahr.
Den größten Hebel soll ausgerechnet ein Bereich liefern, den viele Anleger bislang kaum auf dem Schirm hatten: sogenannte Physical AI, also KI-gestützte Hardware in Kombination mit vertraglich abgesicherten Serviceleistungen. Hier will Kontron den Erlös bis 2030 auf 1,3 Milliarden Euro steigern – mehr als das Zehnfache des aktuellen Niveaus. Damit würde dieses Segment die Hälfte des gesamten Konzernumsatzes stellen.
Die Kehrseite der Strategie zeigt sich beim bisherigen Kerngeschäft. Das Internet-der-Dinge-Segment, auf das sich Kontron nach der Trennung vom IT-Servicegeschäft vor rund vier Jahren konsequent ausgerichtet hatte, soll künftig nur noch die andere Hälfte des Umsatzes ausmachen. Gemessen am aktuellen Jahr entspräche das einem Rückgang von etwa 12 Prozent – ein deutliches Signal, wie stark sich die Prioritäten innerhalb des Konzerns verschieben.
Markt reagiert verhalten positiv
Die Aktie legte am Vormittag um 1,4 Prozent auf 20,70 Euro zu. Der Kurssprung relativiert sich allerdings im Jahresvergleich: Seit Jahresbeginn steht für das SDax-Papier ein Minus von mehr als neun Prozent zu Buche. Die frisch formulierten Wachstumsziele liefern damit vorerst nur einen moderaten Kursimpuls, keinen Befreiungsschlag.
Ob die Wette auf Physical AI aufgeht, hängt maßgeblich davon ab, wie schnell sich Kunden aus der Industrie und dem Bahnsektor auf die neuen Hardware-Service-Pakete einlassen. Die kommenden Quartale werden zeigen, wie belastbar die verzehnfachte Wachstumsprognose für dieses Segment tatsächlich ist.
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