Während sich Kontron seit Wochen mit einem gescheiterten Übernahmeangebot von Ennoconn und einer volatilen Kursentwicklung auseinandersetzt, liefert der Linzer IoT-Spezialist an diesem Morgen genau das, was Anleger in solchen Phasen sehen wollen: solide Zahlen und einen bestätigten Ausblick. Der Auftragsbestand kletterte auf ein Rekordniveau von 2.750 Millionen Euro. Das dürfte die Diskussion um den fairen Wert des Unternehmens neu befeuern.
Wachstum in den Kerngeschäften, Einbruch bei GreenTec
Im zweiten Quartal setzte Kontron 373,4 Millionen Euro um, nach 371,6 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum auf bereinigter Basis. Das bereinigte EBITDA verbesserte sich deutlicher, von 45,6 auf 54,7 Millionen Euro. Für das erste Halbjahr insgesamt steht ein Umsatz von 737,1 Millionen Euro zu Buche, organisch ein Plus von 1,1 Prozent.
Die Wachstumstreiber sind klar verteilt: Cybersolutions legte um 16,3 Prozent zu, Aerospace & Defense sogar um 31,8 Prozent, Transportation um 11,0 Prozent. Gegenläufig entwickelte sich GreenTec, wo der Umsatz um 42,8 Prozent einbrach — ausgerechnet der Bereich, den Kontron gerade radikal umbaut.
Restrukturierung fast am Ziel
Das Sparprogramm im GreenTec-Segment sieht den Abbau von 500 Stellen vor. 424 davon sind bereits abgeschlossen oder vereinbart, das Programm soll im dritten Quartal fertig sein. Die jährlichen Einsparungen von über 30 Millionen Euro schlagen sich allerdings erst ab 2027 vollständig in den Zahlen nieder.
Der operative Cashflow rutschte im ersten Halbjahr auf minus 13,8 Millionen Euro, nach plus 16,3 Millionen Euro im Vorjahr. Grund ist ein temporärer Lageraufbau von 47 Millionen Euro im Zuge der anhaltenden Chipkrise. Die Bilanz bleibt davon unberührt solide: Die Eigenkapitalquote liegt bei rund 41,7 Prozent, liquide Mittel von 171,5 Millionen Euro stehen einer Nettoverschuldung von 253,1 Millionen Euro gegenüber.
Ausblick bestätigt, Nachholpotenzial bei Chips
Für das Gesamtjahr hält der Vorstand an seiner Prognose fest: Umsatz leicht über Vorjahresniveau, organisch ein Wachstum von 8 Prozent unter Berücksichtigung verkaufter Geschäftsbereiche. Beim bereinigten EBITDA bleibt das Ziel von 225 Millionen Euro vor Restrukturierungsaufwendungen unverändert bestehen.
Bemerkenswert ist ein Nebenaspekt der Chipkrise: Wegen knapper Microchip-Kapazitäten für KI-Rechenzentren stauten sich bei Kontron Kundenrückstände von 50,4 Millionen Euro auf. Gelingt der Abbau dieses sogenannten Delinquent Backlog, könnte der Jahresumsatz um genau diesen Betrag zulegen — ein Polster, das im aktuellen Ausblick noch nicht eingepreist ist. Die Book-to-Bill-Ratio von 1,55 im zweiten Quartal signalisiert zumindest, dass die Nachfrage das Angebot weiterhin deutlich übersteigt.
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