Im laufenden Übernahmeprozess um den Technologiekonzern Kontron haben sich der Vorstand und der Aufsichtsrat am Montag deutlich positioniert. Das Führungsgremium rät den Aktionären offiziell davon ab, das Pflichtangebot der Ennoconn Corporation anzunehmen. Die Offerte der Foxconn-Tochter sieht eine Barabgeltung von 23,50 EUR je Aktie vor. Nach Einschätzung der Kontron-Führung spiegelt dieser Preis den tatsächlichen Wert des Unternehmens nicht angemessen wider.
Ennoconn meldet weiteren Anteilszuwachs
Trotz der ablehnenden Haltung des Vorstands verzeichnet der Bieter Fortschritte bei der Einsammlung von Papieren. Am 12. Juli 2026 wurden weitere 300.000 Aktien im Rahmen des Pflichtangebots vom 29. Juni 2026 eingeliefert. Das Geschäft erfolgte außerbörslich. Ennoconn hält bereits einen Anteil von über 30 Prozent an dem Unternehmen. Die aktuelle Annahmefrist für die verbleibenden Aktionäre läuft noch bis zum 27. Juli 2026.
An der Börse notiert die Kontron-Aktie derzeit mit 22,88 € und damit unterhalb des Angebotspreises von Ennoconn. Gegenüber dem Freitagsschlusskurs von 23,10 € entspricht dies einem Tagesverlust von 0,95 %. Das Papier bewegt sich damit knapp unter seinem 50-Tage-Durchschnitt von 23,13 € und zeigt seit Jahresbeginn ein Minus von 2,39 %. Bei einer Marktkapitalisierung von 1,06 Milliarden € liegt der Kurs aktuell etwa 37,09 % über dem 52-Wochen-Tief von 16,69 €, das am 19. März 2026 markiert wurde.
Verschiebungen im Aktionariat bei Morgan Stanley
Parallel zum Übernahmeverfahren meldete das Finanzhaus Morgan Stanley eine Veränderung seiner Stimmrechtsanteile. Zum Stichtag der Schwellenberührung am 8. Juli 2026 sank der Gesamtanteil an Kontron auf 6,96 %, nachdem er zuvor bei 8,18 % gelegen hatte. Die Position setzt sich aus lediglich 0,02 % direkten Aktienanteilen und 6,95 % über Finanzinstrumente zusammen. Innerhalb der Meldekette entfallen laut den Pflichtmitteilungen 3,49 % auf Morgan Stanley & Co. International plc. Die Gesamtzahl der Stimmrechte von Kontron beläuft sich unverändert auf 63.860.568 Stück.
Strategischer Fokus auf europäische 5G-Wertschöpfung
Operativ setzt Kontron verstärkt auf Eigenständigkeit in der Produktion von Hochtechnologie. In Berlin entwickelt das Unternehmen 5G-Module, deren Fertigung am Standort Düsseldorf erfolgt. Mit einer europäischen Wertschöpfung von rund 80 % will sich der Konzern in einem Wachstumsmarkt positionieren, der bis zum Jahr 2030 auf ein Volumen von 8,7 Milliarden Euro für Automobil-5G-Module geschätzt wird.
Bereits im Jahr 2025 sicherte sich Kontron einen Großauftrag eines Automobilzulieferers über 218 Millionen Euro. Die dazugehörige Serienfertigung ist für das laufende Jahr 2026 geplant. Ein zentraler Bestandteil dieser Strategie ist das seit März 2026 verfügbare Modul IB17M-W, welches Download-Geschwindigkeiten von bis zu 4,9 Gbit/s erreicht. Diese technologische Entwicklung unterstreicht den Kurs des Vorstands, der das Potenzial des Unternehmens im aktuellen Übernahmeangebot nicht ausreichend berücksichtigt sieht. Ob die Aktionäre der Empfehlung der Geschäftsführung folgen oder die Liquidität des Pflichtangebots vorziehen, wird sich nach Ablauf der Frist Ende Juli zeigen.
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