Ein Bremsenhersteller, der plötzlich über zehn Milliarden Euro Umsatz spricht — das klingt nach Zukunftsmusik. Knorr-Bremse hat diese Woche genau das getan: Nach einem kräftigen zweiten Quartal hebt der Münchner Konzern nicht nur die Prognose für das laufende Jahr an, sondern legt gleich neue Mittelfristziele bis 2030 vor.
Starkes Quartal als Basis
Der Gewinn je Aktie kletterte im zweiten Quartal auf 1,08 Euro, ein Plus von 24,1 Prozent gegenüber dem Vorjahreswert von 0,87 Euro. Das operative Ergebnis stieg um 16,5 Prozent auf 305 Millionen Euro, die entsprechende Marge verbesserte sich auf 14,2 Prozent. Der Umsatz wuchs um 7,2 Prozent auf 2,143 Milliarden Euro.
Damit hat Knorr-Bremse sein zentrales BOOST-Ziel — eine operative EBIT-Marge von über 14 Prozent bis Jahresende — bereits im zweiten Quartal erreicht. Der Auftragseingang legte auf 2,202 Milliarden Euro zu, der Auftragsbestand erreichte zum Halbjahresende mit 7,887 Milliarden Euro einen Rekordwert. Beide Divisionen trugen bei: Rail glänzte mit einer Marge von 17,5 Prozent, Truck profitierte von Skaleneffekten und einer anziehenden Nachfrage.
Höhere Ziele für 2026, neue Vision für 2030
Auf Basis dieser Entwicklung erhöht der Konzern den Ausblick für das laufende Geschäftsjahr. Der Umsatz soll nun zwischen 8,1 und 8,3 Milliarden Euro liegen, zuvor war eine Spanne von 8,0 bis 8,3 Milliarden Euro angesetzt. Die operative EBIT-Marge peilt Knorr-Bremse jetzt bei 14,0 bis 14,5 Prozent an, vorher waren es rund 14 Prozent. Der freie Cashflow soll zwischen 750 und 850 Millionen Euro liegen.
Parallel dazu startet das Unternehmen die Wachstumsoffensive „Growth Beyond“ mit Zielen für das Jahr 2030: rund zehn Milliarden Euro Umsatz, eine operative EBIT-Marge von etwa 16 Prozent sowie eine Cash-Conversion-Rate von über 90 Prozent. Das bisherige Strategieprogramm BOOST, das seit 2023 lief, gilt mit dem Erreichen der Margenziele als abgeschlossen — nun soll der Fokus stärker auf profitablem Wachstum liegen.
Analysten reagieren verhalten positiv
JPMorgan bestätigte nach den Zahlen die Einstufung „Neutral“ mit einem Kursziel von 108 Euro. Analyst Akash Gupta lobte das solide Quartal — Umsatz und operatives Ergebnis lagen bis zu vier Prozent über den Konsensschätzungen. Die neuen 2030-Ziele bewertete er allerdings als eher konservativ.
Diese Einschätzung dürfte einen wunden Punkt treffen: Das Unternehmen liefert operativ stark, doch der Markt scheint bereits mehr zu erwarten, als die eigene Langfristplanung verspricht.
Der vollständige Halbjahresbericht folgt planmäßig am heutigen Donnerstag. Er dürfte zeigen, wie belastbar die neuen Ziele angesichts der im Ausblick genannten Risiken rund um mögliche Lieferkettenunterbrechungen im Nahen Osten tatsächlich sind.
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