Knorr-Bremse hat einen entscheidenden Meilenstein bei der Automatisierung des europäischen Schienengüterverkehrs erreicht. Der Münchner Konzern unterzeichnete mit der ÖBB Rail Cargo Group den ersten kommerziellen Ausrüstungsvertrag für die Digitale Automatische Kupplung (DAK). An der Börse wird die Nachricht positiv aufgenommen: Die Aktie steigt heute um 2,9 % auf 106,50 €, nachdem sie am Mittwoch bei 103,50 € aus dem Handel gegangen war.
Marktdurchbruch bei der digitalen Kupplung
Der nun geschlossene Vertrag sieht den Einsatz der DAK-Systeme ab dem Jahr 2028 vor. Im Rahmen des EU-geförderten Projekts „PioDAC“ werden zunächst 23 Güterwagen und eine Lokomotive mit der neuen Technologie ausgestattet.
Die DAK gilt als Schlüsselkomponente für die Modernisierung des Sektors, da sie die seit rund 150 Jahren genutzte manuelle Schraubenkupplung ersetzt. Das System integriert nicht nur die mechanische Verbindung, sondern auch Luft-, Daten- und Stromleitungen in einem automatisierten Vorgang.
Für Knorr-Bremse eröffnet dieser Auftrag den Zugang zu einem massiven Modernisierungsmarkt. In ganz Europa müssen schätzungsweise 500.000 Güterwagen und etwa 17.000 Lokomotiven umgerüstet werden, um die Klimaziele der EU zu erreichen.
Bis zum Jahr 2030 soll der Anteil des Güterverkehrs auf der Schiene auf 30 % steigen. Das Unternehmen strebt in diesem Segment allein in Europa jährliche Erstausrüstungs-Umsätze im dreistelligen Millionen-Euro-Bereich an.
Kooperation in China und globales Potenzial
Parallel zum Erfolg in Europa weitet Knorr-Bremse seine Präsenz im asiatischen Raum aus. In Peking unterzeichnete das Unternehmen am gestrigen Mittwoch eine Absichtserklärung (Memorandum of Understanding) mit der China Academy of Railway Sciences (CARS). Dieses „China Freight Cooperation Program“ zielt auf die gemeinsame Entwicklung von Technologien für den Güterverkehr der nächsten Generation ab. Der Fokus liegt dabei auf Digitalisierung, Fahrerassistenzsystemen und fortschrittlicher Bremstechnik.
Diese Partnerschaft baut auf einer über 20-jährigen Zusammenarbeit mit der chinesischen Staatsbahn auf. Die strategische Bedeutung des Güterverkehrs ist für Knorr-Bremse erheblich: Das Management beziffert das langfristige globale Jahresumsatzpotenzial für diese Technologien in den Märkten Europa, China und USA auf mehr als eine Milliarde Euro. Allein der europäische Modernisierungsmarkt wird branchenweit auf ein Gesamtvolumen von rund 25 Milliarden Euro geschätzt.
Analysten sehen stabiles Umfeld trotz Gegenwind
Trotz der positiven Nachrichten im Bahnbereich bleibt das Umfeld im Lkw-Sektor, dem zweiten Standbein des Konzerns, herausfordernd. Der Analyst Akash Gupta von JPMorgan hat die Einstufung für das Papier am Mittwoch auf „Neutral“ belassen. Das Kursziel wird weiterhin mit 108 Euro angegeben. Laut der Einschätzung von JPMorgan haben sich die Geschäftsbedingungen im laufenden dritten Quartal bislang kaum verändert.
Ein Unsicherheitsfaktor bleibt der US-Markt für Nutzfahrzeuge. Hier sind die Bestelloptionen für das Jahr 2026 weitgehend erschöpft, während für das Folgejahr mit steigenden Kosten aufgrund neuer Umweltvorschriften gerechnet wird.
Zudem belasten die aktuell hohen Dieselpreise den gesamten Transportsektor, was die Investitionsbereitschaft einiger Flottenbetreiber dämpfen könnte. Dennoch unterstreicht der neue DAK-Vertrag die technologische Führungsposition von Knorr-Bremse in einem regulatorisch getriebenen Wachstumsmarkt.
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