Der Duisburger Stahlhändler Klöckner & Co SE hat am gestrigen Mittwoch seine Geschäftszahlen für das zweite Quartal 2026 vorgelegt. Während das operative Geschäft eine Erholung gegenüber dem Jahresbeginn zeigte, belasteten massive Sondereffekte das Endergebnis erheblich. Zeitgleich rückt das Ende der Annahmefrist für das öffentliche Übernahmeangebot des Hauptaktionärs Worthington Steel näher.
Operative Erholung von Sondereffekten überschattet
Im abgelaufenen Jahresviertel konnte Klöckner das operative Ergebnis (EBITDA) vor Sondereffekten auf 63 Millionen Euro steigern. Dies entspricht einem deutlichen Zuwachs im Vergleich zum ersten Quartal 2026, in dem das Unternehmen lediglich 46 Millionen Euro erwirtschaftet hatte. Dennoch blieb der Wert leicht hinter dem Ergebnis des Vorjahresquartals zurück, als noch 65 Millionen Euro erzielt wurden.
Trotz der operativen Verbesserung auf Quartalsebene verbuchte der Konzern unter dem Strich einen massiven Nettoverlust in Höhe von 268 Millionen Euro. Wesentlich verantwortlich für dieses Minus war eine außerplanmäßige Wertberichtigung auf die Becker-Gruppe, die sich auf 151 Millionen Euro belief. Zusätzlich belasteten Transaktionskosten im Zusammenhang mit der Fusion mit Worthington Steel das Ergebnis.
Für das gesamte Geschäftsjahr 2026 konkretisierte der Vorstand seine Erwartungen. Das EBITDA vor Sondereffekten soll in einer Spanne zwischen 170 Millionen und 250 Millionen Euro liegen. Während das Unternehmen mit einem leicht rückläufigen Absatzvolumen rechnet, dürften höhere Durchschnittspreise dazu führen, dass der Umsatz insgesamt leicht ansteigt.
Fokus auf das Erwerbsangebot von Worthington Steel
Die Kursentwicklung der Aktie wird derzeit maßgeblich durch das laufende Delisting-Erwerbsangebot der Worthington Steel GmbH beeinflusst. Der Hauptaktionär, der bereits rund 62 Prozent der Anteile kontrolliert, bietet den übrigen Aktionären 11,00 Euro je Aktie an. Die Annahmefrist für dieses Angebot endet planmäßig am 12. August.
Der Vorstand und der Aufsichtsrat von Klöckner hatten bereits am 22. Juli eine gemeinsame begründete Stellungnahme zu diesem Vorhaben veröffentlicht. Beide Gremien nehmen eine neutrale Haltung ein und verzichten auf eine ausdrückliche Empfehlung zur Annahme oder Ablehnung des Angebots. Dennoch bezeichnete die Unternehmensführung den geplanten Rückzug von der Börse als im strategischen Interesse des Konzerns liegend.
An der Börse wird das Angebot von 11,00 Euro derzeit mit Skepsis hinsichtlich seiner Attraktivität betrachtet. Die Aktie schloss gestern bei 12,34 Euro und notiert damit deutlich über dem Gebot der Bieterin. Seit Jahresbeginn hat das Papier bereits um 51,97 Prozent an Wert gewonnen. Die aktuelle Notierung liegt zudem nur 2,83 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch von 12,70 Euro, das Ende April erreicht wurde.
Analysten verweisen auf Bewertungsanker
In der Finanzwelt wird das Angebot von Worthington Steel unterschiedlich bewertet. Lars vom Cleff von Deutsche Bank Research stufte das Papier am 31. Juli weiterhin mit „Hold“ ein und nannte ein Kursziel von 11,00 Euro. Der Analyst verwies darauf, dass das Delisting-Angebot derzeit als maßgeblicher Bewertungsanker für den Titel fungiert.
Bereits am 3. Juli hatte Dirk Schlamp von der DZ Bank die Aktie auf „Verkaufen“ herabgestuft, wobei er den fairen Wert ebenfalls bei 11,00 Euro ansetzte. Er konstatierte damals zwar kurzfristigen operativen Rückenwind durch eine Markterholung in Europa, sah jedoch aufgrund des Gebotspreises begrenzten Spielraum nach oben.
Anleger, die über den Fortgang der operativen Entwicklung informiert bleiben wollen, müssen sich nun gedulden. Wie das Unternehmen mitteilte, ist die Veröffentlichung der nächsten Quartalsmitteilung für den 5. November vorgesehen. Dann wird sich zeigen, inwieweit die Markterholung die hohen Abschreibungen des zweiten Quartals auffangen kann.
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