Hiroo Ota, der Chef des japanischen Speicherchipherstellers Kioxia, hat Spekulationen über eine engere Zusammenarbeit mit dem südkoreanischen Konkurrenten SK Hynix entschieden zurückgewiesen.
In einem Interview am heutigen Mittwoch stellte er klar, dass es derzeit keine Gespräche über eine gemeinsame Produktion oder tiefere Partnerschaften gibt. Damit positioniert sich das Unternehmen weiterhin als eigenständiger Akteur in einem Marktumfeld, das von einer enormen Nachfrage nach Speichermedien für Anwendungen der Künstlichen Intelligenz geprägt ist.
Strategische Eigenständigkeit und kartellrechtliche Hürden
Die Absage an eine Fertigungskooperation mit SK Hynix begründete Ota unter anderem mit kartellrechtlichen Bedenken. Eine Fusion oder eine zu enge operative Verflechtung würde laut dem CEO die Genehmigung der Aufsichtsbehörden erschweren.
Zudem verwies er auf das bestehende Joint Venture mit SanDisk, das die Grundlage der aktuellen Produktionskapazitäten bildet. Diese bestehenden vertraglichen Bindungen ließen wenig Raum für eine Einbindung eines dritten großen Partners in die Fertigungsprozesse.
Zuvor hatte der Chairman von SK Hynix, Chey Tae-won, eine engere Zusammenarbeit als Option bezeichnet, um Synergien im hart umkämpften Halbleitermarkt zu nutzen. SK Hynix hält indirekt ein wirtschaftliches Interesse an Kioxia durch Wandelanleihen, die einem Anteil von etwa 14,19 Prozent entsprechen. Trotz dieser finanziellen Verbindung beharrt die Kioxia-Führung auf einem eigenständigen Kurs bei der Kapazitätssteuerung und Standortwahl.
Disziplin bei der Preisgestaltung für KI-Speicher
Neben den strategischen Bündnissen äußerte sich der Konzernchef kritisch zur jüngsten Preisrallye bei NAND-Speicherchips. Nachdem die Preise im Juni-Quartal im Vergleich zum Vorquartal bereits um 70 Prozent in die Höhe geschnellt waren, gab Ota die Anweisung an sein Vertriebsteam, keine weiteren massiven Preiserhöhungen von Betreibern großer Rechenzentren einzufordern.
Der CEO warnte davor, dass übermäßig teure Komponenten die langfristigen Investitionen in die KI-Infrastruktur gefährden könnten. „Die Preise sind bereits genug gestiegen“, wird Ota in Medienberichten zitiert.
Diese Entwicklung ist für Großkunden von hoher Bedeutung. So erwirtschaftet das Unternehmen etwa 20 Prozent seines Umsatzes mit Apple. Der Tech-Gigant aus Kalifornien hatte erst kürzlich vor steigenden Speicherkosten gewarnt, die nun durch die moderate Haltung des Kioxia-Managements zumindest teilweise abgefedert werden könnten.
Parallel dazu verzeichnet der Konzern ein extremes Wachstum: Im zweiten Quartal stieg der Nettogewinn auf 869 Milliarden Yen, was einem Anstieg um das 48-Fache im Vergleich zum Vorjahreszeitraum entspricht. Der Umsatz vervierfachte sich auf 1,77 Billionen Yen.
Langfristige Verträge und Milliardeninvestitionen
Um die Volatilität des Marktes zu verringern, strebt Kioxia einen höheren Anteil an langfristigen Lieferverträgen an. Bis zum Jahr 2030 soll die Hälfte des Absatzvolumens über solche Kontrakte abgesichert sein, um Planungssicherheit für beide Seiten zu schaffen. Dies ergänzt die langfristige Investitionsstrategie des Unternehmens. Gemeinsam mit dem Partner SanDisk sollen bis 2032 rund 5 Billionen Yen in neue Technologien und den Ausbau der Fertigung fließen.
An der Börse zeigt sich das Papier am heutigen Mittwoch stabil und notiert bei 320,95 Euro. Trotz der starken operativen Erholung und der marktbeherrschenden Stellung liegt der Wert noch deutlich unter seinem bisherigen Höchststand. Der Abstand zum 52-Wochen-Hoch bei 621,00 Euro beträgt aktuell 48 Prozent.
Dennoch konnte die Aktie ihren langfristigen Aufwärtstrend behaupten und notiert derzeit 46 Prozent über dem 200-Tage-Durchschnitt von 219,69 Euro. Marktbeobachter von TrendForce weisen darauf hin, dass die Preise für Enterprise-SSDs zwischen 2025 und 2026 um bis zu 235 Prozent steigen könnten, was die ambitionierten Wachstumsziele des Unternehmens stützt.
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