Kioxia hat am 3. August einen Aktiensplit samt entsprechender Satzungsänderung angekündigt. Der Schritt fällt in eine Phase, in der der Speicherchiphersteller operativ so stark performt wie seit Jahren nicht mehr – und in der die Aktie trotz zwischenzeitlicher Rückschläge auf Jahressicht enorme Kursgewinne verbucht.
Grundlage der Entscheidung sind die Ende Juli vorgelegten Zahlen zum ersten Quartal des Geschäftsjahres 2026. Der Umsatz kletterte um 415,5 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum auf 1,77 Billionen Yen, das operative Ergebnis erreichte 1,33 Billionen Yen bei einer Marge von 75 Prozent. Damit übertraf der Gewinn eines einzigen Quartals bereits den gesamten operativen Profit des vorangegangenen Geschäftsjahres.
Für das laufende zweite Quartal stellte das Management einen weiteren Sprung in Aussicht: Der Umsatz soll um 35 Prozent gegenüber dem Vorquartal auf 2,39 Billionen Yen steigen, der operative Gewinn auf 1,9 Billionen Yen – getrieben zu 70 Prozent durch höhere Preise und nur in geringem Maß durch Mengenwachstum.
Investitionsoffensive trifft auf angespannten Markt
Kioxia begründet die Dynamik mit einem strukturellen Angebotsdefizit im NAND-Markt. Das Management rechnet für 2026 mit einem Bit-Wachstum im hohen einstelligen bis niedrigen zweistelligen Bereich und geht für 2027 von einer echten Angebotsknappheit aus. Bis 2028 will der Konzern die Abdeckung durch langfristige Lieferverträge (LTA) auf 50 Prozent steigern, um sich gegen die anhaltend hohe, durch den KI-Boom getriebene Nachfrage abzusichern.
Um diese Position zu untermauern, plant Kioxia von Geschäftsjahr 2026 bis 2028 durchschnittliche jährliche Investitionen von 470 Milliarden Yen sowie Forschungs- und Entwicklungsausgaben von rund 200 Milliarden Yen allein im laufenden Geschäftsjahr.
Solche Summen sind ein deutliches Signal an den Markt: Das Unternehmen erwartet nicht nur kurzfristig hohe Preise, sondern rechnet mit einem mehrjährigen Nachfragezyklus, der zusätzliche Kapazitäten rechtfertigt.
Flankiert wird die Wachstumsstory durch technologische Fortschritte. Anfang August wurde die SSD-Serie KIOXIA GP als „Best of Show“ auf der Fachmesse FMS ausgezeichnet, wenige Tage zuvor hatten Kioxia und SanDisk eine neue 3D-Flash-Technologie mit der laut Unternehmensangaben höchsten Bit-Dichte für QLC-NAND der Branche vorgestellt.
Solche Produktmeldungen wirken zwar nicht unmittelbar kursbewegend, unterstreichen aber die technologische Positionierung im hart umkämpften KI-Speichergeschäft.
Kurs bleibt volatil, Aufwärtstrend intakt
An der Börse zeigt sich das Ergebnis dieser Nachrichtenlage in einem Kurs, der am Dienstag um 2,0 Prozent auf 276,40 Euro zulegt, nach einem Schlusskurs von 270,95 Euro am Vortag. Auf Jahressicht steht dennoch ein Plus von 385 Prozent – ein Beleg dafür, wie stark der KI-getriebene Speicherzyklus die Bewertung von Kioxia verändert hat, auch wenn die Aktie von ihrem 52-Wochen-Hoch inzwischen deutlich entfernt notiert.
Auch bei den Analysten hat sich die Stimmung im Juli merklich verschoben. Nomura Securities hob das Kursziel auf 126.000 Yen an und begründete dies mit weiter steigenden NAND-Preisen infolge von Angebotsknappheit.
Iwai Cosmo Securities bestätigte damals ein Ziel von 132.000 Yen und verwies auf die durch KI-Nachfrage gestützten Wachstumsaussichten. Der geplante Aktiensplit dürfte die Aktie für ein breiteres Anlegerpublikum zugänglicher machen, ohne an der fundamentalen Wachstumsstory etwas zu ändern, die derzeit vom NAND-Zyklus getragen wird.
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