KI-Zweifel belasten Märkte: Hyperscaler müssen liefern, Musk treibt Fusion von SpaceX und Tesla voran

Microsoft, Alphabet und Amazon berichten; zugleich prüfen SpaceX und Tesla einen möglichen Zusammenschluss, dessen Chancen und Risiken der Artikel abwägt.

Auf einen Blick:
  • Meta-Ausgaben belasten die KI-Stimmung
  • Halbleiterindex verliert gut drei Prozent
  • Hyperscaler legen diese Woche Zahlen vor
  • SpaceX und Tesla prüfen einen Zusammenschluss

Die neue Börsenwoche beginnt mit angespannter Stimmung. Die Frage, ob sich die gewaltigen Investitionen in künstliche Intelligenz tatsächlich auszahlen, steht wieder ganz oben auf der Agenda der Anleger. Diese Woche gilt als Stunde der Wahrheit für die Technologiebranche: Microsoft, Alphabet und Amazon öffnen ihre Bücher, die US-Notenbank Fed und die EZB entscheiden über die Zinsen, und auch aus dem DAX kommen zahlreiche Quartalsberichte. Im Fokus stehen zudem die beiden Unternehmen von Elon Musk, SpaceX und Tesla, über denen die Idee einer möglichen Fusion schwebt.

Rückblick: Dünnes Eis unter der KI-Rallye

Die vergangene Handelswoche hat gezeigt, wie fragil die Stimmung rund um die KI-Rallye inzwischen geworden ist. Auslöser der Verunsicherung war Meta. Die Quartalszahlen des Konzerns waren zunächst solide, die Aktie legte nachbörslich sogar zu. Über Nacht kippte die Stimmung jedoch, nachdem Meta seine künftigen Ausgaben deutlich erhöht hatte. Zusätzlich kündigte der Konzern eine neue Aktiengattung ohne Stimmrecht an. Die Aktie verlor daraufhin am Donnerstag deutlich an Wert, zum Wochenschluss ging es weiter abwärts. Inzwischen geraten sogar die 100- und 200-Tage-Linie bei Meta in die Gefahrenzone.

Auch andere Unternehmen aus dem KI-Umfeld gerieten unter Druck. Der Chipausrüster Lam Research brach deutlich ein, nachdem Lieferengpässe sowie ein deutlich geschrumpftes China-Geschäft belasteten. Der Halbleiterindex der Börse Philadelphia, der wichtigste Branchenindikator für den Sektor, gab auf Wochensicht gut 3 Prozent nach.

Gemischte Signale kamen auch aus der KI-Branche selbst. Das KI-Labor Anthropic, das für den kommenden Monat Börsenpläne verfolgt, meldete potenziellen Investoren ein Umsatzplus von rund 45 Prozent im dritten Quartal – ein Tempo, das unter dem des Vorquartals liegt. Das Marktforschungsinstitut Gartner rechnete zudem vor, dass bis 2030 mehr als 3,5 Billionen Dollar an KI-Infrastruktur von Abschreibungen bedroht sein könnten, sollten die Erlöse nicht mit den Investitionen Schritt halten.

An der Wall Street machte sich diese Verunsicherung deutlich bemerkbar. Der Nasdaq verzeichnete am vergangenen Donnerstag den größten Tagesverlust seit Juni, auch der S&P 500 rutschte ab. Der Nasdaq 100 beendete die Woche auf dem tiefsten Stand seit Mitte September. Verschärft wurde die Lage durch den Ölpreis: Die Sorte Brent kletterte auf den höchsten Stand seit April, befeuert von Berichten über Angriffe der Houthi auf saudische Energieanlagen sowie Beschuss von Tankern in der Straße von Hormus. Viele Anleger suchten Zuflucht in US-Staatsanleihen, deren Rendite erstmals seit einem Monat wieder unter die Marke von 5 Prozent rutschte.

Der DAX konnte sich diesem Umfeld nicht entziehen. Am Freitag knickte der Index deutlich ein und rutschte zeitweise unter seine 21-Tage-Linie. Die wichtige Unterstützung an der 200-Tage-Linie hielt bislang, der Spielraum nach unten gilt jedoch als eng. Zuletzt bewegte sich der DAX seitwärts, eingeklemmt zwischen der 50- und der 200-Tage-Linie – eine Lage, die nach Stabilisierung aussieht, bei neuen negativen Nachrichten aber wenig Puffer lässt.

Ausblick: Hyperscaler im Zentrum der Berichtssaison

Die Berichtssaison erreicht diese Woche ihren dichtesten Punkt. Rund ein Drittel aller Unternehmen aus dem S&P 500 legt in den kommenden Tagen Zahlen vor, darunter erste Werte aus dem Kreis der sogenannten „Magnificent Seven“. Von den bereits rund 100 veröffentlichten Berichten ausgehend, steuert der S&P 500 auf ein deutliches durchschnittliches Gewinnwachstum gegenüber dem Vorjahreszeitraum zu. Die Ertragskraft der Unternehmen stimmt demnach, wird aber von der Debatte um Rechenzentren und KI-Investitionen überlagert.

Hierzulande startet die Woche mit dem IFO-Geschäftsklimaindex. Im Wochenverlauf legen aus dem DAX unter anderem BASF, Deutsche Bank, Mercedes-Benz und Volkswagen ihre Zahlen vor. In den USA folgen Verizon, Boeing, Coca-Cola und Visa. Am Mittwoch entscheidet die Fed über die Zinsen, am Donnerstag zieht die EZB nach – bei beiden Notenbanken wird eher mit einer Zinspause gerechnet. Ebenfalls am Donnerstag werden die erste Schätzung zum US-Wachstum im dritten Quartal sowie der PCE-Preisindex veröffentlicht, das von der Fed bevorzugte Inflationsmaß.

Im Zentrum der Woche stehen jedoch die Zahlen der Hyperscaler: Microsoft und Alphabet berichten im Wochenverlauf nach Börsenschluss, Amazon folgt kurz danach. Alle drei Konzerne dürften ihre Investitionen in diesem Jahr auf zusammen rund 800 Milliarden Dollar steigern.

Bei Microsoft richtet sich der Blick vor allem auf die Cloud-Plattform Azure, die im Vorquartal deutlich gewachsen war. Für das laufende Quartal wird ein Wachstum von rund 45 Prozent erwartet, wobei Warnungen vor Kapazitätsengpässen nicht ausgeschlossen sind. Analysten rechnen mit einem Umsatz von gut 90 Milliarden Dollar. Beachtenswert dürften zudem die Nutzerzahlen des KI-Assistenten Copilot sein, die zuletzt bei 30 Millionen lagen, sowie der Auftragsbestand im Firmenkundengeschäft.

Bei Alphabet wuchs die Google Cloud im Vorquartal deutlich, der Auftragsbestand liegt auf einem hohen Niveau. Der Konzern zahlt dafür allerdings einen hohen Preis: Die Investitionen erreichten im zweiten Quartal einen hohen Betrag.

Bei Amazon konzentriert sich das Interesse auf die Cloud-Tochter AWS, die zuletzt mit knapp 37 Prozent so schnell wuchs wie seit 18 Quartalen nicht mehr. Für 2026 hat der Konzern sein Investitionsbudget auf 220 Milliarden Dollar angehoben.

Erwartet werden insgesamt sehr ordentliche bis gute Zahlen der drei Konzerne. Entscheidend für die Kursreaktion dürfte sein, ob die Unternehmen die Prognosen deutlich übertreffen können – als Richtschnur gelten hier rund 5 Prozent. Besonderes Gewicht erhält dabei der Ausblick auf künftige Investitionen und den freien Cashflow. Mit Blick auf die Bewertung notieren die „Magnificent Seven“ aktuell bei weniger als dem 24-fachen der erwarteten Gewinne, während der Durchschnitt der vergangenen zehn Jahre bei rund 29 lag – die Gruppe ist damit historisch betrachtet günstiger bewertet als üblich.

SpaceX und Tesla: Die Fusionsfrage

Besondere Aufmerksamkeit erhalten weiterhin die beiden Unternehmen von Elon Musk, die vergangene Woche ihre Quartalsberichte vorgelegt haben. SpaceX überraschte mit Zahlen, die selbst wohlwollende Beobachter positiv aufnahmen: Der Umsatz stieg deutlich. Das bereinigte EBITDA lag bei 8,8 Milliarden Dollar, der Quartalsgewinn bei 4,4 Milliarden Dollar. Den größten Anteil daran hat die KI-Sparte, die SpaceX als „Super Intelligence“ bezeichnet. Deren Umsatz hat sich auf 7,6 Milliarden Dollar mehr als verneunfacht. Für das erste Quartal 2027 stellt SpaceX einen Umsatz von rund 35 Milliarden Dollar in Aussicht. Ende September verfügte das Unternehmen über eine deutlich gestiegene KI-Kapazität, bis Jahresende sollen es 3 Gigawatt und bis Ende 2027 sogar 13 Gigawatt werden. Auch das Satellitengeschäft Starlink wächst kräftig: Im dritten Quartal kamen 1,6 Millionen neue Kunden hinzu.

Tesla fiel im Vergleich dazu solide, aber unspektakulär aus. Der Umsatz lag mit 28 Milliarden Dollar auf Vorjahresniveau. Das operative Ergebnis von 718 Millionen Dollar erreichte nur die Hälfte der Erwartungen, was vor allem an hohen Ausgaben für neue Technologien lag – allein 2,8 Milliarden Dollar flossen in Forschung. Die Bruttomarge im Autogeschäft stieg auf 18 Prozent, allerdings begünstigt durch eine Erstattung von 786 Millionen Dollar infolge gekippter Zölle. Der freie Cashflow war mit 1,5 Milliarden Dollar positiv. In der Bewertung zeigt sich der Unterschied zwischen beiden Unternehmen deutlich: Tesla wird mit einem deutlich höheren Vielfachen der erwarteten Gewinne gehandelt als SpaceX.

Elon Musk selbst hat sich inzwischen offen für einen Zusammenschluss beider Unternehmen ausgesprochen. Die Aufsichtsgremien von SpaceX und Tesla haben bereits Sonderausschüsse eingesetzt, um die Möglichkeit zu prüfen. Zusammen kämen die beiden Konzerne auf einen sehr hohen gemeinsamen Börsenwert.

Für eine Fusion spricht aus industrieller Sicht, dass die nächste Stufe der KI-Entwicklung – die sogenannte „physische KI“ in Form von Robotaxis und humanoiden Robotern – Rechenleistung, Energie, Vernetzung und industrielle Fertigung in großem Maßstab erfordert. SpaceX würde dabei Rechenzentren und das Satellitennetzwerk Starlink einbringen, Tesla seine Fertigungskompetenz und die Erfahrung aus Millionen produzierten Fahrzeugen. Hinzu kommt ein börsentechnischer Aspekt: Da Tesla Mitglied des S&P 500 ist, SpaceX jedoch nicht, müsste ein fusioniertes Unternehmen in den Index aufgenommen werden, was zusätzliche Nachfrage durch Indexfonds auslösen könnte.

Gegen eine Fusion sprechen mehrere Punkte. Zum einen ließen sich Synergien zwischen beiden Unternehmen grundsätzlich auch über vertragliche Vereinbarungen realisieren, ohne dass ein Zusammenschluss notwendig wäre. Zum anderen stellt sich die Machtfrage: Musk würde nach einer Fusion über 56 Prozent der Stimmrechte verfügen, während die bisherigen Tesla-Aktionäre ihre Mitsprache weitgehend verlören. Auch politische Faktoren spielen eine Rolle: Tesla ist stark im China-Geschäft engagiert, während SpaceX in sicherheitsrelevanten Bereichen für die US-Regierung tätig ist. Schließlich besteht die Gefahr eines Konglomeratabschlags, da ein Unternehmen, das Raketentechnik, Automobilproduktion und KI-Infrastruktur unter einem Dach vereint, für Investoren schwer einheitlich zu bewerten wäre.

Mit Blick auf die beiden Aktien gilt SpaceX aktuell als das stärkere Investment, sofern das operative Geschäft im Vordergrund steht, während Tesla in erster Linie als Wette auf einen möglichen Übernahmeaufschlag im Rahmen einer Fusion gesehen wird.

Im Laufe der Woche wird sich zeigen, ob die Zahlen der Hyperscaler die Zweifel an der Wirtschaftlichkeit der KI-Investitionen ausräumen können oder ob die Nervosität an den Märkten anhält.

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