KI-Warnung sorgt für Nervosität an den Börsen – SpaceX vor der Wende, Krypto-Showdown im US-Senat

Wall Street und DAX geben nach, während KI-Risiken, steigende Renditen und Bankensignale die Märkte belasten. SpaceX rückt erneut ins Blickfeld.

Auf einen Blick:
  • Technologiewerte weltweit unter Abgabedruck
  • US-Anleiherendite überschreitet fünf Prozent
  • SpaceX plant Satelliten-Rechenleistung im All
  • Senat berät über Krypto-Gesetz

Wall Street und DAX geben nach

Der gestrige Handelstag brachte deutliche Verluste bei Technologiewerten, ausgelöst durch eine neue Debatte um das Tempo der KI-Entwicklung und zusätzliche Warnsignale aus dem Bankensektor. An der Wall Street ging es überwiegend abwärts: Der Dow Jones verzeichnete ein Minus von 0,29 %, der S&P 500 gab deutlicher nach, und der Nasdaq Composite rutschte spürbar stärker ab. Auch in Frankfurt zeigte sich ein ähnliches Bild: Der DAX schloss um 0,6 % leichter.

Paradigmenwechsel in der KI-Debatte

Auslöser der abwärtsgerichteten Kurse war ein Text von Anthropic-Chef Dario Amodei, in dem er die gesamte Branche dazu aufruft, das Tempo bei der Entwicklung neuer, leistungsfähigerer KI-Systeme zu drosseln. Sein Argument: Die Fähigkeiten der Modelle wachsen schneller, als die Sicherheitsforschung mithalten kann. Verstärkt wurde die Debatte durch einen Entwickler aus dem Anthropic-Umfeld, der öffentlich vor Extremrisiken warnte. Auch OpenAI-Chef Sam Altman und Elon Musk unterstützten die Forderung nach weniger Tempo.

Für die Börse bedeutet das einen ungewohnten Stimmungswechsel nach der KI-Euphorie der vergangenen Monate. Bislang galten schnellere KI-Fortschritte und neue Superlative bei Chips als Kaufargument, gerade im Infrastrukturbereich. Auch Nvidia und AMD gerieten unter Druck. In Asien rutschten SK Hynix und Samsung ab. In Frankfurt traf es vor allem Infineon mit einem Abschlag. Weitere Werte aus dem KI-Umfeld wie Siemens Energy, RWE oder Hochtief, die in den USA stark im Rechenzentrumsbau engagiert sind, notierten ebenfalls im Minus.

Überraschend konnten dagegen einige Werte auf der Anwendungsseite zulegen: in den USA gewannen Corvive und Adobe.

Zinsen, Öl und Banken sorgen für zusätzliche Unruhe

Verstärkt wurde die Nervosität durch die Lage an den Zins- und Rohstoffmärkten. Die Rendite der 10-jährigen US-Staatsanleihen überschritt die psychologisch wichtige Marke von 5 %. Die US-Notenbank startet heute in ihre zweitägige Sitzung, und die meisten Marktteilnehmer rechnen mit einer Zinserhöhung um mindestens 25 Basispunkten.

Auch an den Energiemärkten herrscht wenig Entspannung: Der Preis für die Nordseesorte Brent stieg spürbar, bedingt durch Drohnenangriffe auf saudische Infrastruktur und Schiffe in der Straße von Hormus. Der Volatilitätsindex VIX kletterte deutlich.

Ein weiteres belastendes Thema kam aus dem Bankensektor. Auf der Konferenz „Barclays Global Financial Services“ äußerten sich zahlreiche Bankchefs zum dritten Quartal, darunter Bank-of-America-Chef Brian Moynihan. Seine Aussagen fielen vorsichtiger aus als erwartet: Die Erträge im Handelsgeschäft sollen stagnieren, die Gebühreneinnahmen aus dem Investment Banking sollen um mindestens 10 % zurückgegangen sein. Die Aktie der Bank of America gab daraufhin nach, der KBW Bank Index verlor knapp 2 %. Die Schwäche pflanzte sich global fort: In Japan verloren Sumitomo Mitsui und Nomura, in Hongkong gaben HSBC, China Construction Bank und Bank of China nach. Auch in Australien und bei der Deutschen Bank kam es zu Kursverlusten.

SpaceX: Erholung nach schwierigem Börsenstart

Nach anfänglicher Skepsis rückt SpaceX nun wieder stärker in den Fokus.

Drei Themen bestimmen aktuell die Diskussion um SpaceX:

Erstens die Starship-Entwicklung: Der 13. Testflug verlief Ende Juli planmäßig, der 14. Flug steht als nächstes an.

Zweitens das Projekt „StarMind AI-One“: Gemeinsam mit Nvidia baut SpaceX Satelliten, die Rechenleistung direkt im All bereitstellen sollen. Die geplante Rechenkapazität soll auf mehr als 2 Gigawatt steigen, Analysten rechnen bis 2027 mit einem Sprung in Richtung 10 Gigawatt.

Als Risikofaktor bleibt die Governance-Struktur bestehen: Elon Musk vereint rund 85 % der Stimmrechte auf sich. Operativ überzeugt das Unternehmen dagegen mit starken Zahlen: Im zweiten Quartal legte das KI-Geschäft um fast 250 % zum Vorjahr zu, die Konnektivitätssparte um 66 %. Der Umsatz soll deutlich wachsen.

Kryptomarkt: Showdown um den Clarity Act

Im US-Senat steht heute die Verfahrensabstimmung über den „Clarity Act“ an, bei der es darum geht, ob der Senat überhaupt in eine Debatte über das Gesetz einsteigen darf. Notwendig sind 60 Stimmen; die Republikaner verfügen über 53 Sitze und benötigen damit Unterstützung aus dem demokratischen Lager. Das Gesetz soll die regulatorischen Zuständigkeiten klären: Die CFTC würde die Aufsicht über digitale Rohstoffe wie Bitcoin übernehmen, die SEC bliebe für klassische Anlagevehikel wie ETFs zuständig.

An den Prognosemärkten wird die Wahrscheinlichkeit für eine Einigung nur noch im niedrigen zweistelligen Bereich um die 30 % gehandelt. Der Bitcoin notiert unter Druck, belastet zuletzt durch Abflüsse aus US-Bitcoin-ETFs. Ethereum konnte dagegen Zuflüsse von über 200 Millionen Dollar verzeichnen. Sollte der Clarity Act scheitern, könnten SEC und CFTC den Markt stattdessen über Verordnungen regulieren.

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