Sehr geehrte Leserinnen und Leser,
vor einer Woche schien die Sache klar: Der künstliche-Intelligenz-Hype an den Börsen ist vorbei. Meta Platforms verkündete zwar starke Quartalszahlen, doch die Ankündigung massiv gestiegener Investitionen in Rechenzentren und KI-Infrastruktur ließ die Aktie einbrechen. Als Nvidia seine Ergebnisse präsentierte, folgte das gleiche Muster. Zunächst Euphorie, dann Ernüchterung. Die Anleger fragten sich: Wann kommt endlich die Rendite aus den Milliarden-Investitionen?
Doch während die Schlagzeilen den Tod der KI-Investmentstrategie verkündeten, vollzog sich unter der Oberfläche eine bemerkenswerte Transformation. Die KI-Revolution ist keineswegs vorbei. Sie hat lediglich begonnen, ihre Gewinner neu zu verteilen. Und genau diese Verschiebung eröffnet aufmerksamen Anlegern neue Chancen.
Alphabet zeigt: KI kann sich rechnen
Die entscheidende Wende kam Ende Oktober. Während andere Tech-Giganten unter Druck gerieten, stieg Alphabet nach der Veröffentlichung seiner Quartalszahlen. Der Grund war simpel, aber wirkungsvoll: Google verdient tatsächlich Geld mit seinen KI-Investitionen. Was in der aktuellen Marktlage wie eine Selbstverständlichkeit klingt, ist unter den großen Cloud-Anbietern eine Seltenheit geworden.
Das Unternehmen aus Mountain View legte nach. Die Veröffentlichung des neuen Gemini-Modells übertraf die Erwartungen und ließ die Konkurrenz alt aussehen. Plötzlich rückten Alphabets eigene Tensor Processing Units in den Fokus der Investoren. Diese speziell entwickelten Chips, die Googles KI-Werkzeuge antreiben, demonstrieren einen alternativen Weg zum Nvidia-Ökosystem.
Die Konsequenz an der Börse war eindeutig. Alphabet kletterte zum drittwertvollsten Unternehmen der USA auf und könnte schon bald Nvidia und Apple überholen. Die Aktie profitiert davon, dass das Unternehmen nicht nur über beeindruckende KI-Technologie verfügt, sondern diese auch monetarisiert.
Eine neue KI-Wertschöpfungskette entsteht
Die Verschiebung geht weit über den Zweikampf zwischen Nvidia und Alphabet hinaus. Analysten beobachten einen bemerkenswerten Trend: Anleger kaufen gezielt Aktien von Unternehmen, die mit Alphabets KI-Infrastruktur verbunden sind, während sie sich von reinen Nvidia-Profiteuren trennen.
Zu den Gewinnern dieser Rotation zählen Namen, die vielen Privatanlegern bisher unbekannt waren. Broadcom arbeitet mit Google an der Entwicklung der Tensor Processing Units. TTM Technologies produziert die notwendigen Leiterplatten. Celestica liefert Technologielösungen, und Lumentum Holdings stellt optische und photonische Produkte für Cloud und Netzwerke her. Diese vier Unternehmen legten innerhalb einer Woche durchschnittlich 16 Prozent zu.
Im Kontrast dazu gewannen die vier Hauptprofiteure des OpenAI-Ökosystems nur 2,7 Prozent. Zu dieser Gruppe gehören Advanced Micro Devices, CoreWeave, Nvidia und Oracle. Die Marktrotation zeigt deutlich: Investoren diversifizieren ihre KI-Engagements und setzen nicht mehr ausschließlich auf die etablierten Champions.
Das KI-Wettrüsten beschleunigt sich
Entscheidend ist die Erkenntnis, dass der KI-Markt kein Nullsummenspiel darstellt. Die aktuelle Entwicklung erlaubt mehrere Gewinner. Große Sprachmodelle überholen sich gegenseitig in rasantem Tempo. Während derzeit Googles Gemini 3 die Aufmerksamkeit auf sich zieht, stehen bereits die nächsten Innovationen bevor.
Elon Musks xAI arbeitet an einem neuen Grok-Modell. OpenAI bereitet ein ChatGPT-Update vor. Beide werden auf Nvidia-Chips basieren. Jede neue Modellgeneration treibt nicht nur die Nutzung in die Höhe, sondern entfacht auch bei den Wettbewerbern die Angst, abgehängt zu werden. Die Folge: noch höhere Investitionen, noch bessere Modelle, noch intensiverer Wettbewerb.
Dieses Wettrüsten ist kein Zeichen von Schwäche, sondern von Dynamik. Es garantiert, dass die Milliarden, die in KI-Infrastruktur fließen, nicht umsonst ausgegeben werden. Der Innovationsdruck zwingt alle Beteiligten zu kontinuierlicher Verbesserung.
Software-Aktien: Übertriebene Ängste schaffen Chancen
Während Hardware- und Infrastrukturanbieter im Fokus stehen, hat der Markt eine andere Gruppe bereits abgeschrieben: Software-Unternehmen. Workday stürzte kürzlich um 8,7 Prozent ab, obwohl das Unternehmen die Gewinnerwartungen übertraf. Der Grund war ein langsameres Abonnentenwachstum, trotz positiver KI-Impulse.
Salesforce verlor in diesem Jahr 32 Prozent, Adobe büßte 28 Prozent ein. Die Annahme dahinter: KI wird deren Geschäftsmodelle langsam auffressen. Doch diese Perspektive könnte zu pessimistisch sein. Viele Software-as-a-Service-Unternehmen handeln mittlerweile mit erheblichen Bewertungsabschlägen zu ihren Fundamentaldaten.
Die aktuellen Kurse implizieren, dass das Wachstum der freien Cashflows nur noch mit der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung Schritt hält. Analysten erwarten jedoch weiterhin zweistellige Wachstumsraten. Diese Diskrepanz schafft Potenzial für Kursgewinne im Jahr 2026.
Deutliche Bewertungslücken
Die Bewertungslücke lässt sich konkret beziffern. Unternehmen wie Salesforce, Workday, Docusign und Atlassian handeln mit deutlichen Abschlägen zu ihren historischen Bewertungsmultiplikatoren. Der Markt preist ein Szenario ein, das von anhaltender Stagnation ausgeht. Diese Einschätzung berücksichtigt jedoch nicht die Möglichkeit, dass gerade diese Unternehmen von KI-Integration profitieren könnten.
Nicht alle Software-Anbieter sind gleich. Unternehmen wie Pegasystems und Teradata könnten von KI besonders profitieren, da ihre Lösungen hohe Personalkosten reduzieren. Die Automatisierung wiederkehrender Aufgaben durch künstliche Intelligenz stärkt den Wert ihrer Plattformen. Die Kombination aus zunehmender KI-Akzeptanz in Unternehmen und wachsender Skepsis gegenüber reinen Infrastruktur-Investments lenkt die Aufmerksamkeit auf diese nächste Welle von KI-Profiteuren.
Der Schlüssel liegt in der Unterscheidung zwischen Software-Anbietern, die durch KI ersetzt werden könnten, und solchen, die KI als Verstärker nutzen. Letztere bieten ihren Kunden messbare Produktivitätsgewinne und rechtfertigen damit ihre Abonnementpreise. Diese Unternehmen werden nicht Opfer der KI-Revolution, sondern ihre Nutznießer.
Gesundheitssektor als überraschender Nutznießer
Die Rotation beschränkt sich nicht auf den Technologiesektor. Seit Mitte August profitiert besonders die Gesundheitsbranche. Entsprechende ETFs legten im November um durchschnittlich 10 Prozent zu, während Technologie-ETFs 5 Prozent verloren.
Diese Entwicklung speist sich aus mehreren Quellen: Sorgen über die KI-Infrastruktur-Bewertungen, Unsicherheit über weitere Zinssenkungen der Federal Reserve und die Tatsache, dass der Gesundheitssektor zuvor stark unterperformte. In den 100 Tagen bis zum 19. August lag die Branche mehr als 24 Prozentpunkte hinter dem Gesamtmarkt zurück.
Diese Underperformance hat sich in den vergangenen drei Monaten größtenteils aufgelöst. Mit der Rückkehr des Vertrauens in KI-Investitionen und einer wahrscheinlichen Zinssenkung der Fed im Dezember könnte die Rotation jedoch pausieren. Anleger sollten diese sektoralen Verschiebungen genau beobachten.
Fazit: Flexibilität gewinnt
KI und die damit zusammenhängende Investmentstrategie wandelt sich fundamental. Der vermeintliche Tod des KI-Trades war nur eine Neugeburt in anderer Form. Erfolgreiche Anleger erkennen, dass nicht alle KI-Profiteure gleich sind. Während Nvidia seine Dominanz behält, entstehen alternative Wertschöpfungsketten rund um Alphabets Technologie.
Software-Aktien bieten nach dem Ausverkauf interessante Bewertungen. Der Gesundheitssektor zeigt, dass KI-Sorgen auch Chancen außerhalb der Technologiebranche schaffen. Die entscheidende Lektion: In einem dynamischen Marktumfeld gewinnt nicht, wer starr an einer These festhält, sondern wer flexibel auf Veränderungen reagiert.
Die KI-Revolution ist nicht gescheitert. Sie wird nur intelligenter.
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