Zehn bis zwanzig Milliarden Dollar frisches Fremdkapital, ein Ergebnisbericht mit Rekorderwartungen, zwei Chip-Giganten, die sich auf teuerste Lithografie-Technik festlegen— diese Woche zeigt, wie unterschiedlich die KI-Branche ihre Wetten finanziert. Während SoftBank an den Anleihemarkt geht, um seine OpenAI-Beteiligung abzusichern, steht Oracle vor der womöglich wichtigsten Bilanzvorlage seiner jüngeren Geschichte. Gleichzeitig sorgen AMD, ASML und Broadcom für ganz eigene Schlagzeilen zwischen Kursrallye und Gewinnwarnung.
SoftBank Group: Milliarden-Anleihe soll OpenAI-Wette absichern
SoftBank plant eine der größten Hochzins-Anleiheemissionen des Jahres. Von kommendem Montag bis Donnerstag trifft sich Finanzvorstand Yoshimitsu Goto mit Investoren in New York, um Interesse an einer Dollar-Anleihe abzuklopfen. Citigroup, Goldman Sachs, JPMorgan und Morgan Stanley organisieren die Gespräche.
Im Raum steht ein Volumen von zehn bis zwanzig Milliarden Dollar, eventuell ergänzt um eine Euro-Tranche. Das Geld soll einen Überbrückungskredit über 40 Milliarden Dollar ablösen, den SoftBank für seine OpenAI-Investition aufgenommen hatte. Die Gesamtsumme, die der japanische Konzern in OpenAI stecken will, nähert sich mittlerweile 64,6 Milliarden Dollar— bei einer Kreditwürdigkeit von SoftBank, die mit BB+ nur eine Stufe unter Investment Grade liegt.
Auch nach einer erfolgreichen Platzierung bliebe eine Finanzierungslücke von mehr als 20 Milliarden Dollar bestehen, schätzen Marktbeobachter. Anleihen und Kreditausfallversicherungen von SoftBank reagierten bereits deutlich auf die Nachricht. Die Aktie selbst zeigt sich davon unbeeindruckt: Heute geht es um 4,1 Prozent nach oben, nach einem Kurssprung von 37 Prozent innerhalb der vergangenen Woche. Mit einem RSI von 72,6 gilt das Papier charttechnisch bereits als überkauft— ein Warnsignal für kurzfristige Rücksetzer.
Oracle: Härtetest für die größte KI-Wette der Wall Street
Am morgigen Donnerstag legt Oracle Zahlen für das erste Quartal des Geschäftsjahres 2027 vor— und die Messlatte liegt hoch. Der Softwarekonzern hatte selbst das schnellste Umsatzwachstum seiner jüngeren Geschichte in Aussicht gestellt, gestützt auf einen Auftragsbestand von 638 Milliarden Dollar. Darin enthalten: eine fünfjährige Cloud-Vereinbarung mit OpenAI im Volumen von 300 Milliarden Dollar.
Die Erwartungshaltung an der Wall Street ist entsprechend optimistisch. 42 Kaufempfehlungen stehen acht Halten-Einstufungen und nur einer Verkaufsempfehlung gegenüber, bei einem erwarteten Umsatzwachstum von rund 28 Prozent auf währungsbereinigter Basis— nach 11 Prozent im Vorjahr. Besonders im Fokus steht das Cloud-Geschäft OCI, für das eine Wachstumsrate zwischen 58 und 64 Prozent avisiert wurde. Das wäre eine deutliche Verlangsamung gegenüber den 93 Prozent des Vorquartals, wenn auch von einer höheren Basis aus.
Die Aktie notiert aktuell bei 139,94 Euro, nahezu unverändert zum Vortag, hat aber in den vergangenen sieben Handelstagen bereits 11 Prozent zugelegt. Seit Jahresbeginn liegt Oracle dennoch mit 16 Prozent im Minus— ein Kontrast, der zeigt, wie sehr die Erholung der letzten Wochen erst einen Teil des vorherigen Kursverlusts wettmacht. Citi bleibt bullish und sieht das Potenzial für eine Kursverdopplung, mit der Begründung, der Cloud-Name habe gegenüber Vergleichsunternehmen zuletzt hinterhergehinkt.
AMD: OpenAI-Partnerschaft treibt Rekordlaune
AMD profitiert weiter vom Schulterschluss mit OpenAI. Auf der Citi-Technologiekonferenz am Dienstag präsentierte das Unternehmen seine KI-Ambitionen, während der Halbleiterindex PHLX um 1,6 Prozent zulegte. Kern der Partnerschaft: OpenAI setzt künftig auf AMD als strategischen Compute-Partner, beginnend mit der Instinct-MI450-Serie. Der erste Gigawatt an Rechenleistung soll in der zweiten Jahreshälfte 2026 ausgerollt werden, mit Ausbaustufen bis zu sechs Gigawatt.
Als Teil des Deals erhält OpenAI Optionsscheine auf bis zu 160 Millionen AMD-Aktien, die an Meilensteine der Auslieferung geknüpft sind. Die Aktie notiert derzeit bei 430,85 Euro, nahezu deckungsgleich mit dem 50-Tage-Durchschnitt von 430,55 Euro— ein Zeichen für eine stabile mittelfristige Aufwärtsbewegung. Seit Jahresbeginn steht ein Kursgewinn von 134 Prozent zu Buche.
Analysten bleiben trotz der bereits gelaufenen Rallye zuversichtlich. 43 Experten empfehlen den Kauf der Aktie, das Kursziel liegt im Schnitt deutlich über dem aktuellen Niveau. Der RSI von 55,4 signalisiert dabei noch keine Überhitzung— anders als bei SoftBank bleibt hier also Spielraum nach oben.
ASML Holding: Zwei Schwergewichte bekennen sich zur teuersten Lithografie-Technik
Für ASML war diese Woche ein Ritterschlag. Sowohl TSMC als auch Samsung, die beiden größten Auftragsfertiger der Welt, haben sich zur nächsten Generation der Extrem-UV-Lithografie bekannt— den sogenannten High-NA-EUV-Maschinen, die jeweils rund 400 Millionen Dollar kosten. Samsung will die Technik ab 2028 für die Fertigung von DRAM-Speicherchips nutzen, TSMC peilt 2030 für fortschrittliche Fertigungsprozesse an.
Ergänzend einigten sich ASML und TSMC vergangenen Montag auf eine Brancheninitiative zur Umstellung auf größere 12-Zoll-Fotomasken, mit dem Ziel einer Pilotlinie bis 2031. Barclays wertete die Ankündigungen als positiven Katalysator, da sie mehr Klarheit über die Adoptionsgeschwindigkeit der neuen Technologie schaffen— ein Punkt, der am Markt lange umstritten war.
Trotz der guten Nachrichten reagierte die Aktie verhalten: Heute notiert sie bei 1.489,60 Euro, ein Minus von 1,8 Prozent, nachdem sie bereits am Vortag von 1.516,80 Euro leicht nachgegeben hatte. Der RSI von 49,1 deutet auf eine neutrale Marktstimmung hin— kein Über- oder Verkaufssignal. Bemerkenswert ist vor allem, dass TSMC mit dem frühzeitigen Bekenntnis offenbar einen Fehler vermeiden will, wie ihn einst Intel bei der Einführung neuer Lithografie-Generationen beging.
Broadcom: Rekordprognose trifft auf enttäuschten Ausblick
Broadcom lieferte in dieser Woche Zahlen, die neue Maßstäbe für KI-Umsätze in der gesamten Chipbranche setzen— und trotzdem fiel die Aktie. Der Umsatz im dritten Geschäftsquartal übertraf mit 29,59 Milliarden Dollar die Analystenschätzungen von 29,36 Milliarden Dollar. Der Umsatz mit KI-Halbleitern kletterte um 221 Prozent im Jahresvergleich auf 16,7 Milliarden Dollar.
Für Aufsehen sorgte vor allem der Ausblick: Das Unternehmen hob sein Ziel für die KI-Umsätze im Geschäftsjahr 2027 auf 115 Milliarden Dollar an— zuvor waren mehr als 100 Milliarden Dollar avisiert— und nannte erstmals eine Prognose für 2028 von 230 Milliarden Dollar. Mehrere Analysten reagierten mit Kurszielanhebungen: Cantor Fitzgerald hob sein Ziel auf 600 Dollar an, BMO Capital auf 575 Dollar, Rosenblatt auf 600 Dollar.
Die Umsatzprognose fürs vierte Quartal blieb mit rund 34,8 Milliarden Dollar knapp unter den Erwartungen von 35,03 Milliarden Dollar— genug, um die Aktie nach der Bilanzvorlage unter Druck zu setzen. Aktuell notiert das Papier bei 315,00 Euro, nach einem Rückgang von 14 Prozent binnen 30 Tagen. Seit Jahresbeginn steht dennoch ein Plus von 5,8 Prozent zu Buche— deutlich schwächer als der marktbreite Vergleichsindex, der im gleichen Zeitraum rund 12 Prozent zulegte.
Schulden, Lieferketten und Bewertungslücken: Die Sektordynamik im Überblick
Die fünf Unternehmen besetzen drei unterschiedliche Positionen im KI-Ökosystem:
- Finanzierungsseite: SoftBank wettet kapitalintensiv auf OpenAI und finanziert dies zunehmend über Schuldenmärkte— eingebettet in ein branchenweites Wettrüsten, bei dem Alphabet, Meta, Microsoft und Amazon zusammen fast 2,4 Billionen Dollar an KI-Investitionen angekündigt haben.
- Infrastruktur-Lieferung: Oracle steht am Übergang von Auftragsbestand zu tatsächlichem Cashflow— hier entscheidet sich, ob die Wachstumsstory trägt.
- Hardware-Zulieferer: AMD und Broadcom profitieren beide von direkten OpenAI-Beziehungen, werden aber unterschiedlich bewertet— AMD über aggressive Wachstumserwartungen rund um die Instinct-GPU-Serie, Broadcom über sein margenstarkes Custom-Silicon-Geschäft mit mehrjährigem Prognosehorizont.
- Vorgelagerte Lieferkette: ASML wandelt die steigende Nachfrage nach fortschrittlichen Chip-Fertigungsknoten in feste Bestellungen für seine teuersten Maschinen um.
Was Anleger in den kommenden Wochen im Blick behalten sollten
Oracles Zahlen am Donnerstag dürften der unmittelbarste Katalysator für den gesamten Sektor sein— zu viel der aktuellen KI-Infrastruktur-Erzählung hängt an der Frage, ob sich der Auftragsbestand in echte Umsätze verwandelt. SoftBanks Investorentour in New York ab kommendem Montag liefert derweil den nächsten Stimmungstest für kreditfinanzierte KI-Wetten, nachdem Anleihen und Kreditausfallversicherungen bereits Nervosität zeigten.
Bei AMD bleibt der Rollout der MI450-Serie in der zweiten Jahreshälfte der entscheidende Meilenstein für die OpenAI-Partnerschaft. ASML muss zeigen, ob sich die Bekenntnisse von TSMC und Samsung tatsächlich in feste Bestellungen für die High-NA-Maschinen übersetzen. Und Broadcom wird beim nächsten Quartalsbericht beweisen müssen, ob die ambitionierten Umsatzziele für 2027 und 2028 auch operativ eingelöst werden— oder ob der Ausblick allein nicht mehr reicht, um Anleger zu überzeugen.
SoftBank-Aktie: Kaufen oder verkaufen?! Neue SoftBank-Analyse vom 09. September liefert die Antwort:
Die neusten SoftBank-Zahlen sprechen eine klare Sprache: Dringender Handlungsbedarf für SoftBank-Aktionäre. Lohnt sich ein Einstieg oder sollten Sie lieber verkaufen? In der aktuellen Gratis-Analyse vom 09. September erfahren Sie was jetzt zu tun ist.
