KI-Aktien: Cybercab-Debüt, Milliarden-Auftrag und teure Schulden

Symbolbild, KI-generiert

Tesla startet kleine Cybercab-Flotte, Palantir erhält einen 192-Millionen-Dollar-Auftrag und SoftBank finanziert weitere KI-Wetten über Anleihen.

Auf einen Blick:
  • Oracle mit 325-Dollar-Kursziel
  • Palantir führt 127-Millionen-Dollar-Produktion
  • Tesla startet 45 fahrerlose Cybercabs
  • SoftBank prüft Anleihe über 10 bis 20 Milliarden

Fünf KI-Werte, fünf völlig unterschiedliche Wochen: Während Tesla seine Robotaxis ohne Lenkrad auf die Straßen von Austin schickt, kämpft SoftBank an den Anleihemärkten um günstige Finanzierung für seine Wetten auf künstliche Intelligenz. Oracle bekommt trotz eines satten Kursrückgangs ein Kursziel mit mehr als hundert Prozent Aufwärtspotenzial attestiert, Palantir sichert sich einen Rüstungsauftrag in Millionenhöhe— und Adobe sucht mit einer Slack-Integration nach neuer Fantasie vor dem Wechsel an der Unternehmensspitze.

Oracle: Bernstein sieht trotz Capex-Sorgen mehr als 100 Prozent Potenzial

Oracle notiert aktuell bei 135,54 Euro und legte zuletzt kräftig zu— allein heute um 2,4 Prozent, auf Wochensicht um 4,2 Prozent. Der Erholung zum Trotz bleibt die Bilanz des Jahres bitter: Seit Jahresbeginn steht ein Minus von 18 Prozent zu Buche, auf Zwölfmonatssicht sind es sogar 29 Prozent. Vom Rekordhoch bei 294,85 Euro trennen die Aktie noch immer 54 Prozent.

Bernstein-Analyst Mark Moerdler hält trotzdem an seinem Kursziel von 325 US-Dollar und der Kaufempfehlung fest. Seine Begründung: Oracle stehe erst am Anfang eines Investitionszyklus, der Umsatz, Gewinn und Free Cashflow in den kommenden Jahren deutlich steigern werde. Das Rückgrat dieser These bildet der Auftragsbestand— die sogenannten Remaining Performance Obligations kletterten im vierten Quartal von 553 Milliarden auf 638 Milliarden US-Dollar.

Diese Wachstumsstory hat allerdings ihren Preis. S&P hat die Investitionsschätzung für das Geschäftsjahr 2027 auf über 90 Milliarden Dollar angehoben, ein Plus von rund der Hälfte gegenüber der vorherigen Prognose. Gleichzeitig rechnet die Ratingagentur mit einem operativen Cashflow-Defizit von 42 Milliarden Dollar. Hinzu kommt ein Klumpenrisiko: Ein einzelner Kunde soll laut Marktbeobachtern für mehr als die Hälfte des Auftragsbestands verantwortlich sein— ein Umstand, der die Wall Street trotz überwiegend positiver Einschätzungen nicht ganz kaltlässt.

Palantir: Neuer Millionenauftrag trifft auf Bewertungsdebatte

Bei 155,42 Euro notiert Palantir aktuell, nach einem Rückgang von 3,4 Prozent binnen einer Woche. Auf Monatssicht bleibt dennoch ein deutliches Plus von 13 Prozent stehen— ein Beleg dafür, wie schnell sich die Stimmung bei diesem Titel dreht. Die Volatilität von 100 Prozent auf Jahresbasis unterstreicht, wie nervös der Markt bei diesem Namen tickt.

Inhaltlich hat das US-Militär für Rückenwind gesorgt. Das Tactical Intelligence Targeting Access Node-Programm der US-Armee ist diese Woche von der Prototyp- in die Produktionsphase übergegangen, mit einem gemeinsamen Auftragsvolumen von rund 192 Millionen Dollar für Palantir und Anduril Industries. Palantir übernimmt dabei mit 127 Millionen Dollar die Führungsrolle in der Produktion— zusammen mit dem früheren Prototyp-Deal summiert sich das Auftragsvolumen auf über 370 Millionen Dollar.

Der Erfolg im Verteidigungsgeschäft ändert jedoch nichts an der grundsätzlichen Kritik: Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von rund 159 gehört Palantir weiterhin zu den teuersten Technologiewerten überhaupt. Investoren wie Michael Burry haben ihre skeptische Haltung zuletzt bekräftigt, während eine erweiterte Partnerschaft mit PwC zumindest kurzzeitig für Kursfantasie sorgte.

Tesla: Fahrerlose Cybercabs rollen— aber die Flotte bleibt klein

Tesla-Aktien geben heute um 2,6 Prozent nach und notieren bei 315,60 Euro, nachdem der Start der fahrerlosen Cybercabs in Austin die Erwartungen offenbar nicht erfüllt hat. Auf Wochensicht steht trotz des Rücksetzers ein Plus von 4,8 Prozent, der Titel bewegt sich damit nah am 50-Tage-Durchschnitt von 311,73 Euro.

Elon Musk schickte diese Woche Fahrzeuge ganz ohne Lenkrad und Pedale auf die Straßen der texanischen Hauptstadt. Die Wette: Amerikaner überwinden ihre Skepsis gegenüber Fahrten ohne jegliche menschliche Kontrolle. Der eigentliche Umfang des Starts fiel jedoch deutlich kleiner aus als von vielen erhofft— gerade einmal 45 Fahrzeuge sind für den fahrerlosen Betrieb in Texas zugelassen, von insgesamt 420 registrierten autonomen Fahrzeugen im Bundesstaat.

Zum Vergleich: Konkurrent Waymo bringt es allein in Texas auf knapp 1.000 Fahrzeuge und landesweit auf mehr als 4.000 in 14 Städten. Morgan Stanley-Analyst Andrew Percoco hatte im Vorfeld genau dieses Szenario als Verkaufssignal identifiziert— ein limitierter Flottenstart würde die Aktie unter Druck setzen, während ein groß angelegter Rollout Anleger hätte begeistern können. Die Bank hält an einem Kursziel von 400 Dollar bei neutraler Einstufung fest. Erschwerend kommt hinzu, dass US-Regulierungsbehörden mehrere Untersuchungen zur Sicherheit von Teslas teilautonomer Software laufen haben, unter anderem zu Unfällen bei schlechter Sicht und Rotlichtverstößen.

SoftBank Group: Teure Anleihen für den KI-Ausbau

SoftBank sticht heute mit einem Kurssprung von 8,3 Prozent auf 30,65 Euro heraus, nach einem Plus von 12 Prozent binnen einer Woche. Diese Ausschläge passen zu einer Aktie, die zuletzt vor allem an der Kursentwicklung von Arm hing— deren Kurssprung hatte im ersten Fiskalquartal einen erheblichen Anteil am Vermögenszuwachs der Gruppe.

Die Wachstumsambitionen haben jedoch ihren Preis, und SoftBank zahlt ihn zunehmend über teurere Fremdfinanzierung. Die kumulierte Investition in OpenAI soll auf rund 64,6 Milliarden Dollar anwachsen, was einem Anteil von etwa 13 Prozent entspräche. Die dritte Tranche über 10 Milliarden Dollar wird Anfang Oktober fällig und zunächst über Brückenkredite finanziert, ehe Vermögensverkäufe und andere Finanzierungsquellen greifen sollen. Berichten zufolge sondiert SoftBank zudem eine Anleiheemission im Volumen von 10 bis 20 Milliarden Dollar, um einen bestehenden Brückenkredit über 40 Milliarden Dollar abzulösen.

Parallel diversifiziert der Konzern seine Wetten auf physische KI-Anwendungen. Im vergangenen Herbst wurde die Übernahme der ABB-Robotiksparte für gut 5 Milliarden Dollar besiegelt, im Frühjahr folgte die Ankündigung, bis zu 75 Milliarden Euro in den Aufbau von KI-Rechenzentren in Frankreich zu investieren.

Adobe: Slack-Integration startet vor Führungswechsel

Adobe-Aktien geben heute um 3,9 Prozent auf 235,85 Euro nach, nachdem der Titel in den vergangenen Wochen eine bemerkenswerte Erholung hingelegt hatte. Trotz des aktuellen Rücksetzers bleibt der Abstand zum Jahrestief beträchtlich, während sich der Titel dem 200-Tage-Durchschnitt von 229,62 Euro wieder annähert.

Produktseitig hat Adobe seine Kreativ-Suite tief in die Arbeitswelt integriert: Über 70 Werkzeuge— darunter Firefly, Photoshop, Premiere und Illustrator— lassen sich nun direkt über Slacks KI-Chatbot ansteuern. Der Schritt folgt einer ähnlichen Integration in ChatGPT aus dem Vormonat, eine Anbindung an Google Gemini soll folgen. Slack positioniert die Kooperation als Beispiel dafür, wie sich Unterhaltungen direkt in Handlungen übersetzen lassen.

Überschattet wird der Produktvorstoß vom bevorstehenden Führungswechsel: Anil Chakravarthy übernimmt zum 1. Dezember den CEO-Posten, inmitten anhaltender Sorgen, dass KI-Konkurrenz das klassische Softwaregeschäft aushöhlen könnte. Die Analystenmeinungen fallen entsprechend gespalten aus. RBC Capital hob das Kursziel vor den Quartalszahlen von 285 auf 315 Dollar an und erwartet einen Übertreffer bei den wiederkehrenden Umsätzen. BofA Securities erhöhte sein Kursziel zwar ebenfalls, von 190 auf 220 Dollar, beließ die Aktie aber auf „Underperform“— ein deutliches Zeichen dafür, wie unterschiedlich die Bank die langfristigen Wettbewerbsrisiken einschätzt.

Sektordynamik: Zwei Lager, ein gemeinsames Risiko

Die fünf Werte zeigen, wie unterschiedlich der Markt „KI-Gewinner“ aktuell bepreist:

  • Infrastruktur-Wette mit Kreditrisiko: Oracle und SoftBank pumpen Milliarden in Rechenzentren und Beteiligungen und finanzieren dies zunehmend über teurere Schulden— beide stehen deshalb unter verschärfter Beobachtung der Ratingagenturen.
  • Bewertungsdebatte im Software-Layer: Palantir und Adobe müssen beweisen, dass ihr Wachstum die jeweiligen Multiples rechtfertigt— bei Palantir mit einem KGV von rund 159, bei Adobe mit spürbar moderaterer Bewertung, aber schwächerer Wachstumsdynamik.
  • Hardware-Sonderfall Tesla: Kursbewegungen hängen weniger an Fundamentaldaten als an binären Ereignissen wie dem Cybercab-Start, bei dem die Lücke zwischen Ankündigung und tatsächlicher Flottengröße Anleger auf die Probe stellt.

Auffällig: Auftragsbestände und Vertragsabschlüsse— Oracles Backlog, Palantirs TITAN-Auftrag— dienen den Optimisten als Beleg für aggressive Investitionen, während Skeptiker auf Cash-Verbrennung, Kundenkonzentration und Ausführungsrisiken verweisen.

Was Anleger in den kommenden Wochen im Blick behalten sollten

Oracles Quartalszahlen im September werden zeigen, ob sich die Free-Cashflow-Lücke schließen lässt, ohne das Wachstumstempo zu opfern, das Bernstein so überzeugt. Bei Tesla dürfte weniger die nächste Auslieferungszahl zählen als die Geschwindigkeit, mit der sich die Cybercab-Flotte über Austin hinaus ausweitet— und wie Regulierungsbehörden auf Fahrzeuge ohne jegliche manuelle Kontrolle reagieren.

Palantir muss den Rückenwind aus dem Verteidigungsgeschäft in nachhaltiges Umsatzwachstum übersetzen, um die hohe Bewertung zu rechtfertigen. SoftBanks Finanzierungskosten sowie der Fortschritt bei OpenAI und der ABB-Integration verraten, wie tragfähig das aktuelle Investitionstempo wirklich ist. Und bei Adobe entscheidet sich im Zusammenspiel aus neuem CEO und wachsendem KI-Ökosystem, ob aus Vertriebserfolgen wieder nachhaltiges Abo-Wachstum wird.

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