Elf bis zwölf Prozent nach oben in einer Vormittagssitzung — das sind Bewegungen, die man bei einem Luxuskonzern selten sieht. Kering liefert sie am Mittwoch, und der Auslöser hat einen Namen: Gucci.
Die wichtigste Marke im Kering-Portfolio meldete für das zweite Quartal einen Umsatzrückgang auf vergleichbarer Fläche von rund zwei Prozent. Analysten hatten mit einem Minus von gut drei Prozent gerechnet. Der Unterschied wirkt auf den ersten Blick klein, entfaltet an der Börse aber große Wirkung — die Aktie springt auf rund 280 Euro, der Jahresverlust schrumpft auf etwa sieben Prozent.
HSBC dreht auf Kaufen
Den zusätzlichen Schub liefert die HSBC. Analystin Anne-Laure Bismuth hob das Kursziel von 290 auf 340 Euro an und stufte die Aktie von „Hold“ auf „Buy“ hoch. Am Markt macht die Hoffnung die Runde, dass die seit Monaten erwartete Trendwende bei Gucci nun tatsächlich beginnt.
Auch andere Häuser reagierten mit deutlich freundlicherem Ton. JPMorgan-Analystin Chiara Battistini sprach von einer soliden Geschäftsentwicklung und verwies auf positive Dynamik in allen Regionen — auch wenn der Vorjahresvergleichswert nicht besonders anspruchsvoll gewesen sei. Nach ihren Angaben zeigte sich das Management zuversichtlich über die Neuerungen bei Gucci und berichtete von guter Kundenresonanz auf die neuen Kollektionen.
UBS-Analystin Zuzanna Pusz hob hervor, dass Kering die Rückkehr zum Wachstum im wichtigen Lederwaren-Segment bestätigt habe. Nach ihrer Einschätzung hätten sich auch die übrigen Geschäftsbereiche besser entwickelt als erwartet. Höhere Einmalkosten könnten Skeptiker zwar beschäftigen, so Pusz, die verbesserte operative Entwicklung lasse sich aber kaum wegdiskutieren — das dürfte die Marktsorgen um die Jahresziele für 2026 dämpfen.
Jefferies-Analyst James Grzinic hält nach den Zahlen steigende Konsensschätzungen im mittleren einstelligen Prozentbereich für plausibel.
Die Reaktion am Markt zeigt, wie sehr Anleger auf ein Lebenszeichen von Gucci gewartet hatten. Ob sich die Erholung im Lederwaren-Segment über das laufende Jahr fortsetzt, dürfte sich an den kommenden Quartalszahlen zeigen — für den Moment hat Kering zumindest die Zweifel an der Erreichbarkeit der 2026er-Ziele etwas entschärft.
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