Eine Bafin-Prüfung, die die Anleger kaum eine Stunde beschäftigt hat. Am Dienstag leitete die Finanzaufsicht ein Verfahren zum Halbjahresabschluss von Jungheinrich ein — und der Kurs des Gabelstaplerherstellers reagierte mit einem kurzen Zucken, mehr nicht. Am Ende stand sogar ein Plus.
Was die Bafin bemängelt
Die Behörde sieht konkrete Anhaltspunkte für einen Verstoß gegen Rechnungslegungsvorschriften. Geprüft werden der verkürzte Abschluss zum 30. Juni 2025 sowie der zugehörige Zwischenlagebericht. Im Zentrum steht die Bewertung von Vermögenswerten im Zusammenhang mit dem geplanten Verkauf des Russland-Geschäfts — konkret geht es um Mietgeräte und Vorräte, die durch die Veräußerungsabsicht möglicherweise zu hoch angesetzt waren.
Jungheinrich bestreitet den Kern des Vorwurfs nicht, sondern die Zeitfrage. Das Unternehmen betont, die Wertminderung bereits im Juli 2025 vollständig erfasst zu haben. Umsatz und Ergebnis in den Konzernabschlüssen 2025 und 2026 seien von der Prüfung nicht berührt, die frühere russische Tochtergesellschaft sei seit Februar 2026 komplett entkonsolidiert. Die Bafin hatte ihre Untersuchung bereits am 13. Juli gestartet, Jungheinrich begleitet den Prozess nach eigener Darstellung „konstruktiv“.
Der Markt zuckt kurz — und beruhigt sich
Direkt nach Bekanntwerden rutschte die Aktie zeitweise um bis zu 5,5 Prozent ab. Die Verunsicherung hielt aber nicht lange an: Noch am Vormittag drehte das Papier ins Plus, während der Wettbewerber Kion zeitgleich um rund zwei Prozent zulegte. Zum Handelsschluss notierte Jungheinrich bei 24,88 Euro — ein Aufschlag von 0,48 Prozent gegenüber dem Vortag.
Auf der Analystenseite herrscht bemerkenswerte Einigkeit. Jefferies-Experte Lucas Ferhani hält es für möglich, dass die Zahlen für das erste Halbjahr 2025 nachträglich angepasst werden müssen, sieht die finanziellen Folgen aber als begrenzt an — ähnliche Bafin-Prüfungen hätten in der Vergangenheit selten zu Beanstandungen geführt. Jens-Peter Rieck von MWB Research bezeichnet die Angelegenheit als „fundamental eher unbedeutend“ und wertet einen möglichen Kursrückgang sogar als Einstiegschance bei einer Aktie, die 2026 bislang rund 30 Prozent an Wert verloren hat. Bernstein Research bestätigte die Einstufung „Outperform“ mit einem Kursziel von 48 Euro und nannte die Prüfung „eher bedeutungslos“, da sie lediglich den Zeitpunkt der Russland-Abschreibung betreffe.
Die Bafin hat zuletzt mehrere Unternehmen ins Visier genommen — darunter Dermapharm, Nagarro, Mutares und Zalando. Wie lange die Prüfung bei Jungheinrich dauert, ist offen. Erfahrungswerte aus früheren Fällen deuten auf mehrere Wochen hin, wobei nur eine Minderheit der Verfahren am Ende tatsächlich Fehler bestätigt.
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