Während viele Vermögensverwalter im margenschwachen ETF-Geschäft auf simple Indexnachbildung setzen, geht J.P. Morgan Asset Management einen anderen Weg. Der Assetmanager bringt erstmals eine aktiv gemanagte Extension-Strategie in ein ETF-Gewand – und zielt damit auf Anleger, die in einem stark konzentrierten Aktienmarkt nach mehr Flexibilität suchen.
Long-Positionen kombiniert mit gezielten Shorts
Der neue JPMorgan US Large Cap Value Plus ETF, gehandelt unter dem Kürzel JLVP an der Nasdaq, setzt auf einen wertorientierten Long/Short-Ansatz. Das Fondsteam geht Long-Positionen in als unterbewertet eingeschätzten US-Großunternehmen ein und ergänzt diese um selektive Short-Wetten auf Aktien, die aus Sicht der Analysten schwächer abschneiden dürften. Die Erlöse aus den Shorts sollen zusätzliche Long-Investments finanzieren, sodass das Portfolio über eine reine 100-Prozent-Investitionsquote hinausgeht.
Die zugrundeliegende Strategie ist kein Neuland für das Haus: Seit 2016 läuft sie bereits in institutionellen Mandaten. Verantwortlich zeichnen die Portfoliomanager Scott Blasdell und Jim Brown, die zusammen auf mehr als 45 Jahre Branchenerfahrung kommen. Unterstützt werden sie von einem 60-köpfigen US-Aktienresearch-Team, das im Schnitt 20 Jahre Erfahrung mitbringt und auf ein vier Jahrzehnte altes Bewertungsmodell zurückgreift.
Kostenrabatt läuft 2028 aus
Bei den Gebühren lockt J.P. Morgan Asset Management mit einem befristeten Nachlass: Statt der regulären 65 Basispunkte fallen bis Ende Februar 2028 nur 49 Basispunkte Managementgebühr an. Wegen der geschätzten Kosten für Short-Dividenden weist der Fonds jedoch Netto-Aufwendungen von 105 Basispunkten aus – ein Hinweis darauf, dass Extension-Strategien trotz Renditechancen nicht kostenlos zu haben sind.
Der Start von JLVP reiht sich in die Expansion des aktiven ETF-Angebots von J.P. Morgan Asset Management ein, das per Ende Juni 2026 bereits 25 Milliarden Dollar in globalen Equity-Extension-Strategien verwaltete. Insgesamt kommt die Fondssparte auf ein verwaltetes Vermögen von 4,6 Billionen Dollar. Ob sich das institutionelle Long/Short-Konzept auch im liquiden ETF-Format bei Privatanlegern durchsetzt, dürfte sich an den Mittelzuflüssen der kommenden Quartale zeigen.
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