JPMorgan lässt Maschinen ans Steuer eines Portfolios – zumindest im Testlabor. Ein Forschungsteam der Bank hat acht KI-Agenten aufgebaut, die eigenständig Aktien und Anleihen unter wechselnden Marktbedingungen umschichten sollten. Das Experiment liefert einen Ausblick darauf, wie automatisiertes Portfoliomanagement künftig aussehen könnte – und wo seine Grenzen liegen.
Vorteil mit Verfallsdatum
Die Agenten agierten unabhängig voneinander und reagierten auf simulierte Marktszenarien. Das Ergebnis zeigt Potenzial: KI-Systeme können schneller auf Volatilität reagieren als menschliche Portfoliomanager. Das Forschungsteam warnt allerdings vor einem Konstruktionsproblem des Konzepts selbst. Je mehr Marktteilnehmer auf ähnliche KI-Modelle setzen, desto schneller dürfte sich ihr Informationsvorsprung abnutzen. Was heute ein Wettbewerbsvorteil ist, könnte morgen zum Standard werden – und damit an Wert verlieren.
Kunden wollen den „Easy Button“
Parallel zu diesem Technologie-Test zeigt eine aktuelle Umfrage von J.P. Morgan Asset Management, wie groß der Wunsch nach automatisierter Anlageentscheidung bei Sparern längst ist. 73 Prozent der befragten Teilnehmer betrieblicher Altersvorsorgepläne wünschen sich einen „Easy Button“, der ihnen die komplette Planung und Investmententscheidung abnimmt – 2016 lag dieser Wert noch bei 55 Prozent.
Neun von zehn Befragten interessieren sich zudem für garantierte Rentenlösungen innerhalb ihres Plans. Mehr als die Hälfte gibt an, nicht genau zu wissen, wie viel sie überhaupt sparen müssten, um im Alter abgesichert zu sein.
Die beiden Entwicklungen ergänzen sich: Während die Forschungsabteilung testet, wie weit Algorithmen im Portfoliomanagement gehen können, bestätigt die eigene Kundenbasis den Trend zur Delegation von Finanzentscheidungen. Für JPMorgan eröffnet das ein Geschäftsfeld, das vom institutionellen Risikomanagement bis zur privaten Altersvorsorge reicht. Sollte sich das Prinzip der acht Testagenten in echten Produkten wiederfinden, dürfte die Nachfrage nach automatisierten Lösungen bei den eigenen Kunden bereits vorhanden sein.
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